Mord in spanischer Bergidylle

Mord in spanischer Bergidylle
Die Geschehnisse könnten einem Kriminalroman von Agatha Christie entstammen. Im kleinen nord-
spanischen Bergdorf Fago wurde der Bürgermeister erschossen. Das ganze Dorf steht unter Verdacht.

Die Polizei nimmt an, dass die Mörder – die Täter waren vermutlich zu zweit oder zu dritt – aus dem Dorf selbst stammen. Die Ermittler verhörten alle Dorfbewohner, von einigen nahmen sie Speichelproben und Fingerabdrücke. „Ein ganzes Dorf steht unter Mordverdacht“, titelte die spanische Presse.

Fago ist ein abgelegenes, winziges Örtchen in den Pyrenäen, das mit seinen alten Steinhäusern und der Berglandschaft so etwas wie eine Postkartenidylle ausstrahlt. Um eine kleine Kirche sind gut ein Dutzend Landhäuser gruppiert. Offiziell hat das Dorf 37 Einwohner, im ©Winter leben dort aber nicht einmal 20.

Miguel Grima regierte den Ort zwölf Jahre lang als Bürgermeister. Vor knapp zwei Wochen fuhr er von einer politischen Versammlung heim. Wenige Kilometer vor Erreichen des Dorfes wurde seine Fahrt von einer Steinbarriere gestoppt, die die Mörder auf einer Landstraße errichtet hatten. Die Täter zerrten den 50-Jährigen aus dem Auto, verprügelten ihn und töteten ihn mit vier Schüssen aus einem Jagdgewehr. Die Leiche ließen sie im Straßengraben liegen. Das Auto des Toten stellten sie mehrere Kilometer entfernt in einer einsamen Gegend ab.

Die Kriminalpolizei hat bisher keine Ahnung, wer die Mörder gewesen sein könnten. Die Ermittlungen ergaben jedoch, dass der Bürgermeister viele Feinde hatte. Etwa die Hälfte der Dorfbewohner war für ihn, die andere gegen ihn. Grima hatte nach den Ermittlungen keine Konflikte gescheut und sich mit vielen Mitbürgern angelegt. Den Bauern untersagte er, ihre Kühe durch den Ort zu treiben. Vom Gastwirt verlangte er eine horrende Abgabe für das Aufstellen von Tischen im Freien. Oder er unterband Baupläne, weil er das traditionelle Aussehen des Dorfes erhalten wollte.

„Er herrschte wie ein Tyrann“, sagte einer seiner Gegner. Grima führte Dutzende Prozesse gegen Gemeindemitglieder oder gegen den Nachbarort Anso. Er hatte Morddrohungen erhalten; vor drei Jahren hatten Unbekannte die Bremsleitungen seines Autos durchtrennt. „Einige haben ihm nie verziehen, dass er nicht aus Fago stammte, sondern ein Zugereister aus der Großstadt Saragossa war“, hieß es in einer Erklärung, die auf einer Trauerfeier verlesen wurde.

Der Mord zeigt nach Ansicht der Madrider Zeitung „El Mundo“, dass das Leben in der Dorfidylle alles andere als paradiesisch ist. „Fago ist ein herrliches Dorf, aber seine Bewohner reden nicht miteinander, sondern bekämpfen sich vor Gericht“, schreibt die Zeitung. „In Spanien gibt es Tausende solcher Dörfer, deren Bewohner in uralten Fehden und in Hass leben.“ Fago sucht nun einen neuen Bürgermeister. Bisher hat sich niemand gefunden, der das Amt übernehmen möchte.

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