Ausländerleiden
von Silvia Jelincic
Beschämend. Anders kann man es nicht nennen. Seit Jahren muss Simon Inou böses Gerede, Beschimpfungen und zuweilen Morddrohungen ertragen.
Und warum? Weil er schwarz ist und weil er sich für die Rechte von Minderheiten einsetzt. Und weil er in Österreich lebt, einem asozialen Land.
Nein, ich übertreibe nicht. Leider. In unserem Land ist - wie die Popularität HC Straches zeigt - der Fremdenhass längst Wirklichkeit geworden.
Sogar Parteien, die einst für Offenheit und Toleranz standen, spuken neuerdings scharfe Töne. Die SPÖ etwa. Ein Beweiß: Es war die FPÖ, die sich vor gut zehn Jahren für getrennte Kindergärten einsetzte.
Will heißen: Österreichische und ausländische Kindern sollten nicht gemeinsam betreut werden.
Heute setzen sich auch SPÖ-Vertreter für diesen hirnverbrannten Vorschlag ein, fordern eigene Kindergärten für Immigranten, angeblich "zum Wohl der Kinder."
Was für ein Unsinn. Jeder, der nur halbwegs bei Verstand ist, weiß, dass Kinder auch von einander gut lernen können. Ich spreche aus Erfahrung.
Denn als ich im Kindergarten war, sprachen meine Eltern auch kein perfektes Deutsch. Und ich würde mein in Kindergarten und Schule erlerntes Deutsch
als durchaus akzeptabel bezeichnen. Nun gut, so ist das nun einmal. Die Linke wird - so wie die Rechte - immer rechter.
Doch zumindest Simon Inou lässt sich davon nicht beirren. Er lebt gerne in Österreich und glaubt daran, dass die Menschen in diesem Land noch lernfähig sind. "Es hängt ja immer vom jeweiligen Menschen ab", sagt er. Inou, der aus Kamerun stammt, lebt schon seit 14 Jahren in Österreich. Als kritischer Journalist hatte er in Kamerun wenig Aussicht auf ein glückliches Leben - und hoffte dieses hier, in Österreich, zu finden.
Der 36-Jährige ist Mitbegründer von M-Media, einer Organisation, die sich als Schnittstelle zwischen österreichischen Mainstream-Medien, Ethno-Medien und diversen heimischen Institutionen sieht. Im Klartext: Will ich zum Beispiel einen Artikel über das Leiden der Menschen in Äthiopien schreiben, rufe ich Inou an und bitte ihn, mir bei den Recherchen zu helfen. Inou ist gut vernetzt und weiß viel, doch auch er vermag nicht zu sagen, ob aus Österreich je ein wirklich ausländerfreundliches Land werden wird. Die Hoffnung will er freilich nicht aufgeben. Für ihn ist die Rechnung jedenfalls aufgegangen. Inou hat in der Branche einen guten Ruf, wird geschätzt, um Rat gefragt.
Dennoch kann selbst einer wie er hier nicht frei leben und muss sich mit Neid und Xenophobie herumschlagen.
Schade, eigentlich. Aber ändern wird sich daran wohl nichts.
Kolumne:
Jeden Montag neu!
Zur Person:
Dr. Silvia Jelincic ist Journalistin beim Wirtschaftsmagazin Format. 2008 wurde ihr von Wirtschaftskammer und WU Wien der Preis für Handelspublizistik verliehen; Jelincic gestaltet auch Beiträge fürs Fernsehen und konnte mit dem Buch "Die nackte Elite" 2008 einen Bestseller landen. Die heute 31-Jährige wurde in Wien als Tochter kroatischer Einwanderer geboren.