Mohammed-Karikaturen: Entspannung

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Mohammed-Karikaturen: Entspannung
Die dänische Regierung und die Islamische Gemeinde in Kopenhagen haben um Entspannung im Streit mit arabischen Ländern um die umstrittenen Mohammed-Karikaturen geworben.

Am Tag nach der Entschuldigung der Zeitung „Jyllands-Posten“ für die Kränkung religiöser Gefühle bei Muslimen durch den Abdruck der Bilder äußerte Regierungschef Anders Fogh Rasmussen die Hoffnung, dass es nun nicht zu den angedrohten Boykottaktionen gegen Dänemark in der islamischen Welt kommen werde.

Rasmussen hatte zuvor im Fernsehen erklärt, persönlich hätte er niemals Bilder von Mohammed veröffentlicht. Allerdings sei eine Entschuldigung durch Dänemarks Regierung nicht möglich, weil Medien auf Grund der Pressefreiheit selbst über ihre Veröffentlichung zu entscheiden hätten. Rasmussen fügte hinzu. „Ich würde niemals Mohammed oder auch Jesus so abbilden, dass das die religiösen Gefühle anderer kränken könnte.“

Die EU-Außenminister hatten bei ihrem Treffen am Montag ihre Solidarität mit Dänemark betont. Premier Rasmussen telefonierte in der Angelegenheit auch mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in dessen Funktion als EU-Ratspräsident.

Vertreter der Islamischen Gemeinde in Kopenhagen erklärten, sie seien mit den Erklärungen von dänischer Seite zufrieden und wollten sich nun gemeinsam mit Regierung und Medien in arabischen Ländern um eine Beruhigung der Gemüter bemühen. Der Sprecher der Dachorganisation der islamischen Gemeinden in Dänemark, Kasim Amat, erklärte am Dienstag die Kampagne gegen die Tageszeigung für eingestellt. Die islamische Glaubensgemeinde werde auch arabische Medien kontaktieren, darunter den Fernsehsender Al-Jazeera, um über den Kontext zu klären.

Nach den massiven Aktionen arabischer Regierungen sowie Demonstrationen seit dem Wochenende wurden am Dienstag deutlich weniger Proteste gemeldet. Vor der dänischen Botschaft in Damaskus beteiligten sich rund hundert Syrer an einem Sit-In.

Die irakische Regierung bestellte wegen des Vorfalls den dänischen Botschafter in Bagdad ein. Der irakische Außenminister Hoshiyar Zebari verurteilte laut einer offiziellen Erklärung gegenüber dem Diplomaten, Kristian Oldenberg, die Regierung in Kopenhagen wegen des Abdrucks der Zeichnungen. Eine radikale Gruppe rief zu Anschlägen auf dänische Soldaten auf. In zahlreichen arabischen Ländern wurden dänische Produkte boykottiert.

Das norwegische Magazin „Magazinet“ sprach am Dienstag sein Bedauern aus, weil es die Zeichnungen abgedruckt hatte. Ein Sprecher des Außenministeriums in Oslo widersprach unterdessen Medienberichten, die Regierung habe ihre Diplomaten aufgefordert, sich für die Veröffentlichung der Zeichnungen zu entschuldigen. Die Vertreter Norwegens hätten sich nur für die Aufregung entschuldigen sollen, die der Abdruck nach sich gezogen habe, sagte der Ministeriumssprecher der norwegischen Nachrichtenagentur NTB.

Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich gab eine Stellungnahme zu der Angelegenheit ab. Sie sprach in einer Aussendung von „herabwürdigende Karikaturen des Propheten Muhammad in Dänemark“. Meinungsfreiheit dürfe „kein Deckmantel für Schmähungen und Hetze sein“. Auch dürften Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit nicht gegeneinander ausgespielt werden. „Provokation muss dort eine Grenze finden, wo sie verantwortungslos und ignorant um das Wesen des behandelten Gegenstands direkt oder indirekt zur Hetze einlädt.“

Weitere heftige Proteste gegen Karikaturen

Wegen der Veröffentlichung von Karikaturen des islamischen Religionsstifters Mohammed in einer dänischen Zeitung haben am Dienstag erneut tausende Palästinenser gegen das skandinavische Land demonstriert. Teilnehmer der Proteste im Gaza-Streifen verbrannten dänische Fahnen und riefen „Krieg gegen Dänemark, Tod für Dänemark“. Zugleich riefen sie zum Boykott dänischer Produkte auf und forderten eine Entschuldigung der Regierung. Die Entschuldigung der Zeitung „Jyllands-Posten“ sei nicht ausreichend, sagte ein Sprecher des Islamischen Jihad.

Im September hatte die „Jyllands-Posten“ Karikaturen veröffentlicht, die Mohammed als Terroristen darstellen und in der arabischen Welt als demütigend empfunden wurden. Die moslemische Gemeinde in Dänemark hat erklärt, die Entschuldigung der Zeitung reiche aus und forderte ein Ende des Boykotts. Die dänische Regierung hat sich unter Verweis auf die Pressefreiheit geweigert, sich für die Karikaturen zu entschuldigen. Wegen des Streits hat Saudiarabien seinen Botschafter aus Kopenhagen abberufen, Libyen schloss seine Vertretung.

Islamische Gemeinschaft in Österreich: “Hetze”

Nach Ansicht der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich laden die in der dänischen Zeitung „Jyllands Posten“ veröffentlichten „zutiefst beleidigenden“ Karikaturen des Propheten Mohammed zu anti-moslemischer „Hetze“ ein. Carla Amina Baghajati, Medienreferentin der Glaubensgemeinschaft, verwies am Dienstag in einer Aussendung auf den Holocaust als Folge der Herabwürdigung einer Religion.

„Die Folgen gezielter Herabwürdigung einer Religion haben in der jüngsten europäischen Geschichte aufgezeigt, dass damit nicht leichtfertig umzugehen ist. Schmähungen und Herabwürdigungen des Judentums führten zur Katastrophe, zum Holocaust. Eine umfassende Stellungnahme seitens der dänischen Regierung sollte für unmissverständliche Aufklärung sorgen, die ähnliche Fälle verhütet“, heißt es in der Aussendung.

Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, betonte Baghajati. Die Worte des Bedauerns seitens der Herausgeber über die „geschmacklosen“ Karikaturen des Propheten Mohammed in der dänischen Zeitung dürften nicht über deren monatelange Weigerung hinwegtäuschen, über die Kritik der Moslems an der Herabwürdigung ihres Propheten auch nur nachzudenken.

Die Bekämpfung von Rassismus und der Aufbau einer Kultur wechselseitigen Verständnisses und Anerkennung sei ein gesamteuropäisches Thema. Während der Zeit des EU-Vorsitzes Österreichs wäre es nahe liegend, die „ernste Frage“, die hinter dem Anlassfall stehe, inhaltlich aufzugreifen.

„Der Diskurs um die Definition und Behandlung von Begriffen wie Volksverhetzung, Blasphemie oder Herabwürdigung einer Minderheit muss auch vor dem Hintergrund des Prinzips der Meinungsfreiheit geführt werden – gerade wenn im multireligiösen und multikulturellen Europa größere Pluralität als je herrscht, ist Orientierung vonnöten“, so Baghajati.

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