Mia Wasikowska: “Ist nicht jede Romanze ein Horror?”

"Crimson Peak" - Wasikowska: "Ist nicht jede Romanze ein Horror?"
"Crimson Peak" - Wasikowska: "Ist nicht jede Romanze ein Horror?" - © Universal Pictures /AP
Mia Wasikowska greift auf ein Zitat zurück, um die Stimmung im Film “Crimson Peak” zu umreißen. Gothic-Schick trifft hier auf handfesten Grusel, wie man es von Guillermo del Toro gewohnt ist.

An der Seite von Tom Hiddleston und Jessica Chastain gibt die Australierin die naiv-unschuldige Edith, die ebenjene Eigenschaften schnell ablegen muss.

Wasikowska über “Crimson Peak”

“Es ist sicher eine Geschichte darüber, sich stärker auf seinen Instinkt oder sein eigentliches Gefühl zu verlassen”, erzählte Wasikowska im Interview in Berlin. Als Edith Cushing trifft sie den jungen Briten Sir Thomas Sharpe (Hiddleston) und verliebt sich in ihn. Doch trägt dieser ein dunkles Geheimnis mit sich, wie Hiddleston betonte. “Es gibt da ein Mysterium, das er verkörpert und das unwiderstehlich wirkt. Jeder fühlt sich von ihm angezogen.” Beschränkt sich der Film diesbezüglich zunächst nur auf Andeutungen, begegnet man schon in den ersten Minuten einem Geist, der Edith vor Crimson Peak warnt – nur weiß die junge Frau damit noch nichts anzufangen.

Film Review Crimson Peak

Erst im weitläufigen Anwesen ihres neuen Gatten entfaltet sich schließlich das ganze Grauen: Allerdale Hall ist für “Crimson Peak” nicht nur ein Handlungsort, sondern nimmt die Rolle eines eigenständigen Charakters ein. “Es war unglaublich”, erinnerte sich der 34-jährige Hiddleston an den Dreh im dreistöckig aufgebauten Set. “Ich sage immer, dass es die Pflicht eines Schauspielers ist, die Wahrheit in erdachten Umständen zu erzählen. Und öfter als nicht fordern diese Umstände unsere Vorstellungskraft, da wir vor einem Green Screen stehen. Da gibt es nur dich, und du selbst musst diesen leeren Raum mit Details füllen. Diesmal gab es aber ein komplett realisiertes Haus, in das wir eingezogen sind. Wir mussten nur dort sein und konnten die Atmosphäre ihre Magie entfalten lassen.”

Auch seine 25-jährige Kollegin gerät ins Schwärmen, kommt die Sprache auf die Arbeit in den viktorianischen Gemäuern und mit Regisseur del Toro, der auch das Drehbuch verfasste. “Er hat einen ganz eigenen Stil, der sich bis zu den Monstern und Geistern weiterzieht. All das ist so originell und authentisch, wie es seinen Vorstellungen entspringt.” Bereits Erfahrung hat Wasikowska wiederum im Umgang mit der Garderobe des ausgehenden 19. Jahrhunderts, war sie doch auch schon in “Jane Eyre” und “Madame Bovary” zu sehen. “Die Kostüme geben dir ein genaues Gespür dafür, wie die Zeit gewesen sein muss und wie es sich anfühlte, damals eine Frau zu sein. Auch wenn sie ganz schön unbequem sind”, schmunzelte sie.

Romantisches Historienspiel, expliziter Horrorschocker

Letztlich kann man ihre Rolle durchaus auch als Querschnitt zwischen Jane Eyre und Alice aus “Alice im Wunderland” betrachten: Eine gutgläubige Heldin, die sich unversehens in einem Abenteuer, einer ihr unbekannten Welt wiederfindet und ihren eigenen Weg finden muss. “Ich glaube, dass man immer – sei es in einer Arbeitsbeziehung oder einer privaten Beziehung – herausgefordert wird. Es ist also wichtig, sich auf sein Urteil und seine Integrität verlassen zu können”, sagte Wasikowska. Für Edith bedeutet dies auch, sich mit ihrer Schwägerin Lucille (Chastain) auseinanderzusetzen, die ihr zwar oberflächlich zugeneigt scheint, aber in dieser Dreiecksbeziehung ein eigenes Süppchen kocht.

Film Review Crimson Peak

Romantisches Historienspiel, expliziter Horrorschocker: Del Toro wagt hier einen Spagat, der auf den zweiten Blick ganz traditionellen Konventionen und Klassikern des Genres verpflichtet ist. “Es ist wie das Eintauchen und Verschwinden in einer anderen Welt, weshalb es mich an das Lesen eines Buches erinnert”, betonte Hiddleston, der seinen Durchbruch als Loki in den “Thor”-Verfilmungen feierte. “Wie als Kind an einem regnerischen Nachmittag kann man sich darin verlieren.” Wobei die Botschaft des Films, “die eher als Unterton daherkommt”, eine positive sei: “Liebe als heilende Kraft.”

Bleibt die Frage, wie die beiden Schauspieler selbst über Geister denken? “Gespenstergeschichten sagen etwas über die menschliche Natur aus, sonst würde man sie nicht heute noch erzählen”, meinte Hiddleston. “Das Bedürfnis nach Mysterien scheint wichtig für eine Gesellschaft zu sein, die sich nicht alles erklären kann.” Und Wasikowska glaubt zumindest an “emotionale Geister. Aber Menschen sind letztlich viel unheimlicher.” Ob sich das auch für die Protagonisten von “Crimson Peak” sagen lässt, zeigt sich ab 15. Oktober im Kino.

>> Die Kritik zu “Crimson Peak” 

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA / Bilder: AP/Universal Pictures)

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