Metal-Reigen in der Wiener Stadthalle: Nightwish, Arch Enemy und Amorphis live

Von Amina Beganovic
Nightwish-Leadsängerin Jansen eroberte die Wiener im (Windmaschinen-)Sturm.
Nightwish-Leadsängerin Jansen eroberte die Wiener im (Windmaschinen-)Sturm. - © David Bitzan
Am Dienstagabend versammelten sich die schwarzgewandeten Musikfans zu einem Metal-Reigen der Extraklasse in der Wiener Stadthalle: Die finnische Rockformation Nightwish gab sich mitsamt neuem Album und einem lautstarken Support ein dunkel-schönes Stelldichein.

Eines muss man den Wiener Metal-Fans neidlos lassen: Sie haben Ausdauer.

Zumindest zeigten sie diese am Dienstagabend, als drei Größen der harten Musikszene, angeführt von Hauptact Nightwish, in der Wiener Stadthalle Hof hielten.

Metal-Klänge in der Wiener Stadthalle

Fast drei Stunden lang wurde in der (nicht ausverkauften, wohl wochentags-bedingten) Wiener Stadthalle geheadbangt, dass man allein schon vom Zusehen akutes Cervicalsyndrom bekam. Aber echte Metal-Fans kennen keinen Schmerz, wenn die Gitarren kreischen und die Shouter shouten (zumindest während des Konzerts, der Folgetag ist vielleicht eine andere Geschichte …).

Das Aufwärmprogramm hatte es auch ziemlich in sich: Amorphis und Arch Enemy heizten der schwarzen Menge in der Halle ein, wobei vor allem Arch Enemy-Frontfrau Alissa White-Gluz mit ihrem Stimmunfang (und der fliegenden blauen Mähne) einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Nightwish mit neuem Album – und neuer Frontfrau

Starke Leadsängerinnen sind ohnedies eine erfreuliche, weil nicht so seltene Erscheinung im Metal, der (im Gegensatz zu manch anderen Musik-Genres) gerne auf weibliche Stimmgewalten setzt.

Eine solche ist auch Floor Jansen, aktuelle (und noch relativ neue) Frontfrau von Nightwish. Die 34-jährige Niederländerin mit den wallenden dunklen Haaren versucht auf der aktuellen “Endless Forms Most Beautiful”-Tour, die noch verbleibenden Herzen der alteingesessenen Nightwish-Fans zu gewinnen – mitunter keine leichte Aufgabe, nach den beiden Vorgängerinnen Anette Olzon und (insbesondere) Tarja Turunen.

Dass Jansen aber alle Qualitäten einer Metal-Frontfrau durch und durch hat, bewies sie bereits am Nova Rock Festival im Juni – und nun erneut in Wien. Performance und Charisma wirken nicht nur routiniert, vor allem passt sie in das Gesamtbild der Band mehr als stimmig hinein. Eine Qualität von Nightwish, für die sie die Fans sichtlich verehren, ist nämlich die Freude, mit der die Finnen ihr Livespiel auf der Bühne rüberbringen. Da fängt sich Pianist und Mastermind Tuomas Holopainen schon mal einen spielerischen Tritt von Gitarristen Emppu Vuorinen ein, während Bassist (und Vorzeige-Wikinger) Marco Hietala Faxen mit dem Publikum treibt.

Wiener Fans sangen Nightwish-Hits laut mit

Aller Spaß beiseite bestechen Nightwish vor allem als hervorragende Musiker – und mit einer opulenten, manchmal fast schon zu verträumten Bühnenshow. Selbst als Neuling in Sachen Symphonic Metal wird man mitgerissen, wenn die Pyrotechnik mit bunten Flammen zum Einsatz kommt, die Video-Wall Mitschnitte von Mittelerde-artigen Wäldern und Bergen zeigt und Floor Jansen die langen Haare durch die Nebelkanonen fliegen lässt.

Wenn dazu noch Klassiker wie “Wishmaster”, “The Poet and the Pendulum” oder ein umwerfend gefühlvolles “Stargazers” (natürlich mit Sternschnuppen-Videowall) draufgesetzt werden, singen die düsteren Gestalten in der Wiener Stadthalle alle lauthals mit, und die dunklen Herzen fliegen Floor Jansen zu, die, selbst ohne ausgebildete Sopranistinnen-Stimme Marke Tarja Turunen, die Feuerprobe der hohen Töne problemlos meistert.

Mit “Last Ride of the Day” und “The Greatest Show on Earth” wurden die Fans nach 23.00 Uhr schließlich nachhause geschickt. Und die Mehrzahl ist sich wohl einig darüber, dass Nightwish auch nach all den Jahren, nichts von ihren Live-Qualitäten eingebüßt haben.

Und wer noch nicht genug bekommen hat: In Wien gibt es im Sommer 2016 ein Wiedersehen mit den Finnen – mehr dazu hier.

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