Mann tötete zwei Frauen bei Messerattacke in Marseille

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Weiteres Opfer schwer verletzt - Laut Polizei Hinweise auf terroristischen Hintergrund.
Weiteres Opfer schwer verletzt - Laut Polizei Hinweise auf terroristischen Hintergrund. - © AP
Im südfranzösischen Marseille hat ein womöglich islamistischer Angreifer zwei junge Frauen mit einem Messer getötet, bevor er selbst von Sicherheitskräften erschossen wurde. Ermittlerkreisen zufolge rief der Mann am Bahnhof “Allahu Akbar” und schnitt einem Opfer den Hals durch. Präsident Emmanuel Macron sprach von einem “barbarischen Akt”, die Anti-Terrorstaatsanwaltschaft übernahm den Fall.

Der Angriff ereignete sich nach Angaben der Polizei gegen 13.45 Uhr am Bahnhof Saint-Charles. Aus Ermittlungskreisen hieß es, der etwa 30-jährige Angreifer habe eine Frau in Bauch und Brust gestochen und einer weiteren die Kehle durchgeschnitten. Der Mann trug demnach keine Ausweispapiere bei sich, die Ermittler hätten aber festgestellt, dass er in der Vergangenheit bereits durch gemeinrechtliche Delikte aufgefallen sei.

Die Polizeigewerkschaft Unsa-Police erklärte, die getöteten Frauen seien 17 und 20 Jahre alt gewesen. Die Anti-Terrorstaatsanwaltschaft in Paris erklärte, es werde wegen “Tötungen im Zusammenhang mit einer terroristischen Organisation” und versuchter Tötung eines öffentlichen Amtsträgers ermittelt.

Innenminister Gerard Collomb erklärte bei einem Besuch am Tatort, bei dem Angriff könne es sich um einen Terrorakt handeln, bestätigt sei dies bisher aber nicht. Derzeit würden noch mehrere Zeugen verhört, denen zufolge der Angreifer “Allahu Akbar” gerufen habe.

Marseilles Staatsanwalt Xavier Tarabeux sagte, Soldaten des Anti-Terror-Einsatzes “Sentinelle” hätten den Täter erschossen. Der Inlandseinsatz “Sentinelle” war nach den islamistischen Anschlägen auf die Satirezeitung “Charlie Hebdo” und einen jüdischen Supermarkt im Jänner 2015 in Paris gestartet worden. Etwa 7.000 Soldaten patrouillieren seitdem vor Synagogen, Flughäfen, Bahnhöfen oder Touristenattraktionen, um Anschläge zu verhindern.

Die Polizei in Marseille forderte die Menschen auf, das Gebiet um den Bahnhof zu meiden. Züge wurden evakuiert. Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte riegelten das Gebiet um den Bahnhof hermetisch ab. Der Verkehr wurde umgeleitet. Mehr als 200 Polizisten wurden für den Einsatz mobilisiert.

Am frühen Abend konnte der Zugverkehr teilweise wieder aufgenommen werden. Der Bahnhof befindet sich in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums nicht weit entfernt von der berühmten Hauptader Canebiere, die bis zum Alten Hafen von Marseille führt.

Staatschef Macron erklärte im Kurzmitteilungsdienst Twitter, er sei “zutiefst empört über diesen barbarischen Akt” und trauere mit den Angehörigen der Opfer. Zugleich lobte er, die Soldaten und Polizisten vor Ort hätten “mit Ruhe und Effizienz” reagiert.

Der französische Premierminister Edouard Philippe erklärte auf Twitter: “Wut und Trauer für die Opfer. Zugleich lobt der Regierungschef die Sicherheitskräfte und versicherte: “Wir werden nicht in unserer Wachsamkeit nachlassen.”

Die Chefin der rechtspopulistischen Front National, Marine Le Pen, erklärte, angesichts solcher “barbarischen Morde” hoffe sie, “dass man den Terrorismus endlich als das betrachtet, was er ist, als einen Kriegsakt”. Die Abgeordnete für Marseille, Samia Ghali, sagte dem Hörfunksender France Bleu, wenn das Militär nicht so rasch zur Stelle gewesen wäre, “hätten wir viel mehr Tote gehabt”.

“Ich habe Schüsse gehört weniger als eine Minute, nachdem ich die Attacke beobachtet habe”, sagte eine Augenzeugin dem Sender Franceinfo. “Die Intervention war extrem schnell.” Eine weitere Frau erzählte, dass sie gesehen habe, wie der Mann eins seiner Opfer von hinten am Hals angriff. “Sie hat nichts gesehen.” Ein Mitarbeiter des französischen Bahnkonzerns SNCF sagte der Zeitung “La Provence”, dass Menschen nach der Attacke panisch weggerannt seien.

Der neuerliche Angriff ereignete sich zwei Tage vor der Parlamentsabstimmung über einen umstrittenen Entwurf für ein Anti-Terrorgesetz. Demnach sollen bestimmte Maßnahmen des geltenden Ausnahmezustands in normales Recht überführt werden. Den Ausnahmezustand hatte die Regierung des ehemaligen Präsidenten Francois Hollande nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Toten verhängt.

Am Montag beginnt in Paris der Prozess gegen Abdelkader Merah, dessen Bruder eine jüdische Schule in Toulouse angegriffen hatte. Abdelkader Merah wird Beihilfe zur Last gelegt. Mohammed Merah hatte im März 2012 vor einer jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Lehrer erschossen. Der Dschihadist tötete zudem drei Soldaten. Bis zu der Tat vom Sonntag in Marseille wurden in Frankreich seit Anfang 2015 bei islamistischen Anschlägen bereits 239 Menschen getötet.

(APA/dpa/ag.)

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