Mehr junge Suchtgifttote

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Es gibt mehr jugendliche Drogentodesopfer. Der Anteil der unter 20-Jährigen Suchtgifttoten stieg auf 21 Prozent. Auch insgesamt wurde 2004 ein Anstieg verzeichnet

Immer mehr Jugendliche sterben durch Suchtgiftmissbrauch. Das geht aus dem Drogenbericht des Gesundheitsministeriums hervor. Auch die Anzahl der Toten insgesamt ist im Berichtsjahr 2004 gestiegen, gab Ressortchefin Maria Rauch-Kallat (V) bekannt: Wurden 2003 noch 189 Drogentote erfasst, starben im Jahr darauf 224 Menschen unmittelbar nach dem Konsum illegaler Substanzen oder an den Langzeitfolgen.

Zum Vergleich: Von 1997 bis 1999 bewegte sich die Zahl der Drogentoten in Österreich zwischen 160 und 180. Im Jahr 2000 stieg die Zahl auf 227 und sank 2001 wieder auf 184 Fälle.

Der Anteil der jüngsten Drogentoten, der unter 20-Jährigen, ist dem Ministerium zufolge im Vergleich zu 2003 von zwölf auf 21 Prozent angewachsen. Diese Gruppe verzeichnete den größten Anstieg, während sich die Zahl der Todesfälle bei den 30- bis 34-Jährigen verringert hat. Das Durchschnittsalter der erfassten Todesfälle betrug 28,7 Jahre (1993: 26 Jahre, 2000: 30,1 Jahre, 2001: 31,3 Jahre, 2002: 31,9 Jahre, 2003: 29,5 Jahre).

20 Prozent der Opfer insgesamt, aber unverhältnismäßig viele der jüngsten Drogentoten sind weiblich: 40 Prozent der umgekommenen Frauen waren 2004 jünger als 20 Jahre, während von den männlichen Toten nur 17 Prozent in diese Altersgruppe fielen.

154 der 224 Opfer starben an Überdosierungen. Bei 21 Personen führte Suchtgift zu einer tödlichen Sekundärfolge wie Ersticken an Erbrochenem oder Lungenentzündung durch Einatmen von Magensaft. 1,6 Prozent der direkt suchtgiftbezogenen Tode waren Selbstmorde. Andere, indirekte Drogen-Todesfälle sind oft auf Langzeitfolgen zurückzuführen.

Die meisten direkten Drogentodesopfer (48 Prozent Anteil, 2003: 56 Prozent) verzeichnete Wien: 88 Menschen starben 2004 in der Bundeshauptstadt durch Suchtgift, 2003 waren es 92. In der Statistik folgt Niederösterreich mit 31 Toten – und einem deutlichen Plus auf einen Anteil von 17 Prozent im Vergleich zu neun Prozent im Jahr 2003, als 13 Drogenopfer gezählt wurden. Danach rangieren Oberösterreich und Tirol mit einem Anteil von jeweils acht Prozent.

In 40 Prozent der direkt mit Suchtgiftkonsum zusammenhängenden Todesfälle wurden ausschließlich illegale Drogen festgestellt. Besonders gefährlich ist das Mischen von Substanzen: Bei mehr als der Hälfte der Fälle waren neben Suchtgift(en) Psychopharmaka und/oder Alkohol im Spiel. Opiate wurden in 98 Prozent der Todesfälle nachgewiesen.

Das Gesundheitsministerium setzt auf Prävention durch Aufklärung:
Die Broschüre „Zum Thema Sucht“ soll Informationen für Betroffene, Eltern, Kinder und Angehörige bieten. Bundesweit bestehen rund 160 Einrichtungen und 35 Programme für Suchtkranke. Seit mehr als 20 Jahren gibt es das Substitutionsmodell, die Drogenersatztherapie.

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