Meek’s Cutoff

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Meek’s Cutoff
Die Strapazen sind den drei Siedlerfamilien, die sich in Kelly Reichardts unabhängig produziertem Western “Meek’s Cutoff” mit ihren Planwagen und Rindern heillos in der Felsenwüste Oregons verirren, ins Gesicht geschrieben.

Die Wagen quietschen laut, der vom großen Treck losgelöste Zug zieht langsam voran, Wasser und Lebensmittel sind knapp – und der Trapper Meek, der zur Fährtensuche angeheuert wurde, entpuppt sich als wenig vertrauenswürdig. Skepsis schleicht sich in die erschöpften Gesichter der Siedler, die ab Donnerstag (5.1.) auch in Österreichs Kinos verzweifelt nach Wasser suchen.

Eine der zentralen Figuren ist dabei Emily, die von Michelle Williams eigensinnig und stark verkörpert wird. Bei Williams, demnächst als Marilyn Monroe in “My Week with Marilyn” zu erleben, ist das Misstrauen im dreckigen Gesicht förmlich eingegraben. Als Emily ist sie eine der ersten, die an Meeks Qualitäten zu zweifeln beginnt und die im immer müder werdenden Tross, dessen Führung von den Männern vernachlässigt wird, den Überblick behält. Als der Trapper unterwegs einen Indianer gefangen nimmt und ihn erschießen will, zielt Emily mit einem Gewehr auf ihn – und erkämpft sich Autorität.

Reichardts Film, der 2010 in Venedig und bei der Viennale lief, ist sicher nichts für Ungeduldige. Die Regisseurin (“Wendy und Lucy”) nimmt sich Zeit, macht die Anstrengungen und Mühen sicht- und spürbar, brilliert mit bildschönen und ruhigen Einstellungen von schier unendlich weiten Geröll- und Gesteinslandschaften. Und sie rehabilitiert nicht nur das Frauenbild des klassischen Hollywood-Western und auch jenes des Ureinwohners, ohne dessen Ortskenntnis die zusammengewürfelte Gruppe völlig aufgeschmissen wäre, sondern liefert auch eine politische Zustandsbeschreibung des aktuellen Amerika. Ein starker, unabhängiger, poetischer Film.

(APA)

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