Medizin-Wartelisten: "So geht’s nicht"

Medizin-Wartelisten: "So geht’s nicht"
“Verhärmt und verärgert” ist Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) über die Medizin-Uni Wien (MUW), weil es dieser nicht gelingt, die Warteliste von Studierenden während des Studiums abzubauen.

Er habe vor einem halben Jahr mit der Medizin-Uni eine Vereinbarung zum Abbau getroffen, die auch 50,8 Millionen Euro extra beinhaltet habe, um die Zahl der Übungsplätze aufzustocken. „Kaum, dass sie (die Vereinbarung, Anm.) zum ersten Mal in Kraft treten soll, sagt man mir schon, sie bringen es nicht zusammen und wollen daher weniger Studenten aufnehmen etc. Entschuldige, was ist das für eine Planungsqualität? So geht’s nicht“, sagte Hahn in der Tageszeitung „Der Standard“ (Mittwoch-Ausgabe).

Hahn verweist auf die beiden anderen Medizin-Uni-Standorte in Innsbruck und Graz, wo der Abbau der Warteliste gelinge. Von der Medizin-Uni Wien verlangt der Minister deshalb, die Vereinbarung umzusetzen. Er könne nicht Versäumnisse von Jahrzehnten in einem Jahr wettmachen. „Aber ich kann sagen, in dieser meiner Amtszeit soll und muss das gelöst werden. An den beiden anderen Standorten ist es ja möglich“, so Hahn.

In den Jahren der unbeschränkten Studentenzulassung hat sich an der MUW eine Warteschlange aufgebaut, die dazu führt, dass derzeit 233 Studenten trotz positiv bestandener Summativer Integrativer Prüfung (SIP) nicht sofort einen Platz im zweiten Studienabschnitt erhalten. Aus diesem Grund hat die Medizin-Uni im Wissenschaftsressort angefragt, ob sie im kommenden Jahr nach dem Eignungstest für das Medizinstudium einmalig nur 550 bis 600 statt wie bisher 740 Studenten aufnehmen kann, was vom Ministerium abgelehnt wurde.

Die Medizin-Uni wehrt sich gegen die Vorwürfe Hahns: Man habe um 120 Studienplätze aufgestockt, dadurch hätten alle 270 Studierenden, die im Vorjahr auf der Warteliste waren, weiterkommen können. Zusätzlich sei für jene, die neu auf die Warteliste gekommen sind, die Möglichkeit geschaffen worden, nicht nur Freifächer zu absolvieren, sondern auch zu Famulieren, betonte ein Sprecher der MUW. „Eine andere Schraube, an der wir drehen können, gibt es nicht.“ Wahrscheinlich könne durch die Aufstockung der Ausbildungsplätze im zweiten Studienabschnitt die Warteliste bis 2009 abgebaut werden, eine solche „Bemühenszusage“ gebe es auch in der Leistungsvereinbarung zwischen MUW und Ministerium.

Ein Wartelistenabbau sei auch durch mehr finanzielle oder sonstige Ressourcen nicht möglich, weil die Ausbildungsplätze im klinischen Bereich, also etwa am Patientenbett, „bis zum Letzten ausgereizt“ seien, so der MUW-Sprecher. Die Medizin-Uni hält es deshalb für unverständlich, dass die Medizin-Uni Graz in den vergangenen Jahren ihre Anfängerzahlen reduzieren durfte, um damit erfolgreich die dortige Warteliste abzubauen, während diesem Wunsch in Wien nicht nachgekommen werde. Die Darstellung Hahns, dass die MUW 50 Mill. Euro für den Abbau der Warteliste erhalten habe, weist die Universität zurück. Dieser Betrag sei auf drei Jahre für 20 verschiedene Projekte der MUW gewidmet, davon sei die Warteliste nur eines davon.

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen