Medizin-Nobelpreis für drei US-Wissenschafter

Akt.:
Die Auszeichnung ist mit 944.000 Euro dotiert
Die Auszeichnung ist mit 944.000 Euro dotiert - © APA (dpa)
Der Medizin-Nobelpreis 2017 geht an drei US-Forscher – Jeffrey C. Hall (geb. 1945), Michael Rosbash (geb. 1944) und Michael W. Young (geb. 1949.) – für die Aufklärung der Mechanismen der biologischen Uhr von Lebewesen. Dies wurde am Montag vom Karolinska Institut in Stockholm bekannt gegeben. Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit neun Millionen Schwedischen Kronen (940.000 Euro) dotiert.

“Das Leben auf der Erde ist an die Rotation unseres Planeten adaptiert. Viele Jahre lang haben wir gewusst, dass lebende Organismen, auch der Mensch, eine interne biologische Uhr besitzen, die ihnen hilft, den Tag-Nacht-Rhythmus vorherzusehen und sich daran anzupassen. (…) Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young konnten in diese biologische Uhr hineinschauen und ihr inneres Funktionieren aufklären”, schrieb das Nobelpreiskomitee am Montag.

Die Wissenschafter (Hall arbeitet an der Universität von Maine, Rosbash an der Brandeis University in Waltham/USA, Young forscht an der Rockefeller University in New York) benutzten die Drosophila-Fliegen und isolierten zunächst ein Gen, das ihren zirkadianen Rhythmus kontrolliert. Es handelt sich dabei um das “Period”-Gen, das für das Protein PER kodiert. In der Nacht sammelt sich das PER-Eiweiß in Zellen an, am Tag wird es abgebaut. “In der Folge identifizierten sie zusätzliche Proteine als Bestandteile dieser Maschinerie und klärten damit die Mechanismen auf, welche das sich selbst erhaltende Uhrwerk in Zellen bestimmen”, hieß es in der Begründung für die Zuerkennung der Auszeichnung weiter.

Zirkadiane Rhythmen dominieren viele Funktionen der Physiologie von Organismen: Verhalten, Hormonproduktion, Schlaf, Körpertemperatur und Stoffwechsel. Das reicht von der Verdauung über Aufmerksamkeit bis hin zum klassischen “Jet-Lag”, bei dem sich die innere Uhr des Menschen nicht schnell genug an andere Zeitzonen anpassen kann. Hall und Rosbash hatten gezeigt, dass sich das PER-Protein im Zellkern während der Nacht ansammelt. 1994 kam schließlich Young zu seiner Entdeckung des zweiten – Uhrwerk-Gens – “timeless”. Das dadurch kodierte Protein TIM erlaubt durch Bindung PER den Zutritt zum Zellkern. Schließlich entdeckte Young auch noch das “doubletime”-Gen. Es ist für die Produktion des DBT-Eiweißes verantwortlich und verzögert die Akkumulierung von PER im Zellkern. Dadurch wird der Rhythmus genauer an den 24-Stunden-Zyklus angepasst.

Als “lange überfällig” bezeichneten die Neurobiologin Kristin Tessmar-Raible von den Max F. Perutz Laboratories (MFLP) der Uni Wien und MedUni Wien sowie Gerhard Klösch (Universitätsklinik für Neurologie/MedUni Wien/AKH) die Nobelpreiszuerkennung an die drei US-Forscher. Klösch gab als Schlafmediziner seiner Hoffnung Ausdruck, dass in Zukunft Medizin und molekulare Chronobiologie näher zusammenrückten.

Zwei der drei Preisträger konnten zunächst vom Nobelpreiskomitee erreicht werden: Hall und Rosbash. Rosbash war total überrascht. Seine erste Reaktion: “Sie nehmen mich auf den Arm. Ich war atemlos – im wahrsten Sinne des Wortes. Meine Frau sagte ‘Bitte atme!’ Ich habe keine Luft mehr bekommen.” Am Dienstag erfolgt die Bekanntgabe des Physik-Nobelpreises.

(APA)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen