Medienkonsum von Jugendlichen: Internet hat Fernsehen überholt

Wiener Kinder und Jugendliche: Surfen statt Glotzen
Wiener Kinder und Jugendliche: Surfen statt Glotzen - © bilderbox.at
Lieber surfen als glotzen – das ist der Tenor einer Umfrage des Österreichischen Instituts für Jugendforschung unter Wiener Jugendlichen. Der Motor der zunehmenden Internetnutzung sind hauptsächlich die soziale Netzwerkseiten, unterstrichen Experten bei der Fachtagung Vipja 09 im Rathaus.

“Das Internet hat bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Österreich erstmals das Medium Fersehen als Infoquelle überholt” erklärte die Soziologin Natalia Wächter vom Österreichischen Institut für Jugendforschung, die im Rahmen einer Umfrage das Mediennutzungsverhalten bei 400 Wiener Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren hinterfragte. Hauptaspekt der Studie ist das Web 2.0-Nutzungsverhalten, das Usern vor allem ermöglicht, Internetinhalte ohne großen technischen und finanziellen Aufwand aktiv mitzugestalten und sich zu vernetzen.

Nach der Nutzung von Suchmaschinen steht bei Jugendlichen vor allem die Nutzung sozialer Netzwerkseiten, wie Netlog, Facebook, Myspace oder Schüler VZ im Vordergrund. Dies zeigt sich allein daran, dass über 90 Prozent der befragten Personen ein Profil auf einem Freundschafts-Netzwerk besitzen. Im Durchschnitt haben die Jugendlichen sogar auf zwei Plattformen ein Profil. Mehr als die Hälfte dieser persönlichen Profile sind für alle frei zugänglich. Im Vordergrund steht die Kommunikation mit Menschen, die die Jugendlichen auch persönlich kennen. Das Kennenlernen neuer Personen steht eher im Hintergrund. Für alle Jugendlichen gilt, dass der Selbstdarstellung eine wesentliche Funktion der Nutzung von sozialen Netzwerken zukommt. Profile haben ein Foto aufzuweisen und möglichst viele Informationen über Vorlieben und Eigenheiten der jeweiligen Person preiszugeben.

Tratsch, Klatsch und Must Have, um dabei zu sein
In den Tiefeninterviews und Fokusgruppen kam klar zum Ausdruck, dass Jugendliche ihr Profil dazu verwenden, um über alle Geschehnisse in ihrem Freundeskreis informiert zu sein. Dazu gehören Beziehungsgeschichten, Gruppenaktivitäten sowie Tratsch und Klatsch über andere Gruppenmitglieder oder andere Personen. “Es hat den Anschein, dass Profile auf Online-Plattformen geradezu verwendet werden müssen, um in der Gruppe mitdiskutieren zu können und gleichberechtigtes Gruppenmitglied zu sein”, so Wächter. Wenngleich Freundschaftsnetzwerke neue Kommunikationsmöglichkeiten erschaffen haben, werden Chat und Instant Messaging trotzdem immer noch von einem Großteil der Jugendlichen regelmäßig verwendet.

Virtuell heißt für Jugendliche nicht parallel
Medienexperte Franz Josef Röll von der Hochschule Darmstadt, stellte in seinem Vortrag fest: “Virtuelle Welt und reale Welt hängen sehr eng zusammen, reale soziale Netzwerke und Cliquen werden im Netz abgebildet – wer in den sozialen Netzwerkseiten nicht vertreten ist, gehört auch im realen Freundeskreis nicht mehr ganz dazu. Beziehungsmanagement – als zentrale Fähigkeit in einer dynamischen Gesellschaft – lernt man heute nicht in der Schule, sondern in den sozialen Netzwerken im Internet”.

Angela Tilmann von der TU Dresden, die über die unterschiedlichen Rollenbilder von jungen Frauen und Männern im Internet sprach, meinte dazu: “Die Rollenbilder werden im Internet nicht neu erfunden, sondern aus der realen Umwelt der Jugendlichen übernommen”. Einhellige Aussage aller vortragenden Experten war, dass die virtuelle Welt der Jugendlichen keine Parallelwelt darstellt, in der alles ausprobiert wird, was in der realen Welt keinen Platz hat.

Den Abschluss der Tagung bildete eine von Corinna Milborn moderierte Podiumsdiskussion zum Thema “Darstellung von Jugendlichen in den Medien”. Dass Jugendliche in Medien meist nur im Zusammenhang mit Gewalt und Drogen vorkommen, war dabei einer der Kritikpunkte der Experten an den Boulevard-Medien. Eine der wichtigen Aufgaben der Jugendarbeit sei es daher “Gegenbilder” herzustellen, die dieses negative Bild von Jugendlichen gerade rücken und ein realitätsnahes Bild von Jugendlichen zeigen können.

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