Matura bei den Kuschelprofessoren (und bei Werner Faymann)

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Matura bei den Kuschelprofessoren (und bei Werner Faymann)
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Gastkommentar von Andreas Unterberger: Die Wiener Schummelskandale rund um die Zentralmatura haben viel schwerer wiegende Missstände enthüllt als bloß die Tatsache, dass manche Schüler auch diesmal wie schon seit jeher zu schwindeln versucht haben.

Schüler tun dies stets in der Hoffnung, nicht erwischt oder nicht nach amerikanischer Sitte streng bestraft zu werden. Aber offensichtlich sind diesmal direkt oder indirekt auch Lehrer, Direktoren und Schulbehörden in den Skandal verwickelt, was ihn noch viel ärger macht. Denn alle jene unter ihnen, die – scheinbar oder wirklich – vor Mitleid mit schwachen Schülern triefen und ihnen helfen, schaden allen anderen Schülern viel mehr. Sie ruinieren damit den Wert des ganzen Schulsystems und der Zeugnisse. Besonders pikant: Schon wieder ist ausgerechnet jene Schule in den Skandal verwickelt, wo sich leider, leider die Spuren der angeblichen Matura des Schülers Werner Faymann im Nirwana verloren haben.Das ist die AHS Henriettenplatz. Für diese Schule sind ja nicht einmal an der Nationalbibliothek die dort sonst von allen Jahrgängen und Schulen penibel gehorteten Jahresberichte aus der Zeit der angeblichen Faymann-Matura auffindbar. Das ist ja sicher nur ein ganz, ganz blöder Zufall. Oder? Blöderweise verrät freilich der SPÖ-Chef auch sonst nirgendwo den Bürgern, ob, wann und wo er maturiert hat; alle offiziellen Lebensläufe gehen seit einigen Jahren schweigend darüber hinweg, was Faymann wenigstens in dieser Hinsicht einzigartig unter allen Regierungschefs der Welt macht. Und was frühere Lebensläufe in ein bedenkliches Licht rückt.

In den Schwindelschulen ist ganz offensichtlich ein Haufen ideologisch wild entschlossener Lehrer seit Jahren dabei gewesen, die letzten reaktionären Reste von Leistung und Lernen aus dem Schulsystem zu vertreiben. Sie haben ein breit angelegtes Kuschelschul-System eingeführt, in dem möglichst keinem Schüler durch negative Noten „geschadet“ werden soll.

Die Angst der Lehrer

Aber die Lehrer haben auch ein sehr egoistisches Eigeninteresse. Die Matura ist ja auch für sie die peinliche Stunde der Wahrheit, wenn sie den Schülern in den Jahren davor zu wenig beigebracht haben, oder wenn sie zugelassen haben, dass allzu schwache Schüler bis zur Matura gelangen. Dort gab es zwar auch schon bisher einen externen Vorsitzenden, den man aber meist durch Verrat der Prüfungsfragen austricksen konnte. Mit der Zentralmatura jedoch ist der Prüfungsmaßstab viel stärker objektiviert worden (weshalb trotz aller Mängel im Detail die Zentralmatura an sich ein überaus wichtiges Projekt ist). In dieser subjektiven Notlage ist die Versuchung für manche Lehrer groß, das eigene Image durch Schwindeln bei der schriftlichen Prüfung zu retten, wo ja noch kein externer Vorsitzende dabei ist.

Nun, die schwachen Schüler freuen sich sicher darüber. Alle anderen werden später entdecken, dass viele Arbeitgeber und Personalchefs die Nase rümpfen, wenn bei den Unterlagen für die Bewerbung um einen Job ein Maturazeugnis einer lernfreien Leichtschule dabeiliegt. Gute Personalchefs wissen nämlich schon längst, welche Schule anspruchsvoll und welche schwach ist.

Besonders skandalös ist, dass man den offensichtlichen Betrug derzeit in den betroffenen Schuldirektionen, aber auch in Ministerium und Stadtschulrat mit einer Mauer des Schweigens verdecken will. Das ist genauso schlimm wie einst bei den Missbrauchsfällen in Heimen und Internaten (im kirchlichen wie staatlichen Bereich und besonders schlimm bei der Gemeinde Wien). Bei diesen Verbrechen hatten viele Vorgesetzte jahrzehntelang meist nur ein Interesse: vertuschen. Es sollte in der Öffentlichkeit nur ja nichts oder möglichst wenig bekannt werden. Zumindest in der Kirche scheint man inzwischen daraus gelernt zu haben: Nur Offenheit und Ehrlichkeit können eine Wiederholung möglichst verhindern.

Das Schulsystem hingegen hat noch gar nichts gelernt.

Die Folgen der Massenmigration

Das zeigt die Reaktion in einer weiteren des Schwindelns „mutmaßlich“ schuldigen Schule, nämlich im Oberstufenrealgymnasium Hegelgasse. Auch dort versucht die Direktorin namens Gertrude Gonaus zu mauern und alle Informationen zu verweigern. Aber dann sind ihr gegenüber den „Salzburger Nachrichten“ doch gleich zwei Sätze herausgerutscht, die sich beide als total demaskierend entpuppen:

  • Wörtlich skizziert die (der SPÖ nicht gerade fernstehende) Direktorin das Problem der Oberstufengymnasien so: „Die Schüler kommen zumeist mit weit geringerem Wissen und müssen von der Unterstufe viel nachholen.“ Damit gibt sie offen zu, dass die Schüler in Gesamt- oder Hauptschulen viel weniger gelernt haben als in den AHS, von wo ja kaum jemand in ein Oberstufengymnasium wechselt. Haargenau dieses Defizit ist der stärkste Beweis der Überlegenheit des achtjährigen Gymnasiums, in dem die Schüler eben schon in der Unterstufe intensiv gefordert und damit auf ein höheres Niveau gebracht werden. Dieser Vorsprung ist nicht einmal in vier Jahren aufholbar, wie damit zugegeben wird.
  • Noch enthüllender ist – in ganz andere Richtung – die zweite Aussage der Hegelgassen-Direktorin. Sie sagt laut SN: Die Zentralmatura in Deutsch sei für viele Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache wegen der Textlastigkeit besonders schwierig gewesen.
    Damit haben wir ein geradezu unfassbares Geständnis: Die Anforderungen bei der Beherrschung der Muttersprache sind wegen der Schüler mit Sprachproblemen so tief hinuntergeschraubt worden, dass diese jetzt mit „textlastigen“ Aufgabenstellungen nicht mehr fertig werden. Böse deutsche Texte!
    Diese leistungsreduzierende Auswirkung der Massenzuwanderung haben zwar schon viele Kritiker der Schulentwicklung in den letzten Jahren geargwöhnt, das ist aber mit diesem Zitat jetzt erstmals vom System offen zugegeben worden. Währens man bisher solche Beobachtungen immer als hetzerisch denunziert hat.

Die Kuschelschulen schaden dadurch freilich in Wahrheit den Migranten am meisten. Diese sind am Weg zur Matura offensichtlich nie gezwungen worden, die Unterrichtssprache perfekt zu lernen. Dabei wäre das in jugendlichen Jahren relativ leicht – freilich nur dann, wenn man auch außerhalb des Schultors und insbesondere in den Familien ausschließlich Deutsch redet, wenn man deutschsprachige Bücher (also diese quaderförmigen Papierdinge mit den vielen bedruckten Seiten) liest, und wenn man primär deutsche oder österreichische Sender an Stelle der türkischen hört. Das aber hat die verhängnisvolle rotgrüne Multikulti-Ideologie als überflüssig oder gar rassistisch dargestellt. Das ist aber vor allem ein Verbrechen an den Migranten.

Eine weitere, als ideologisch aufgeladen bekannte Nichtleistungsschule, nämlich die in der Rahlgasse, hat offenbar aufs Schwindeln verzichtet. Das hatte aber prompt die Konsequenz, dass die schriftliche Mathematikmatura dort katastrophal viele Nicht Genügend gebracht hat. Ob das wenigstens dort dazu führt, künftig wieder an Stelle des Soziales-Geschlecht-und-Gender-Geschwafels mehr das klassische Lernen in den Vordergrund zu rücken?

Man hofft, solange man lebt. Aber bisher ist aus solchen ideologielastigen Schulen eher nur der Druck der Direktoren auf die Lehrer bekannt geworden, nur ja nicht zu viele negative Noten zu geben. Was halt wenig leistungsfördernd ist.

Brandsteidls Geständnis

Unfreiwillig enthüllend ist auch das, was Stadtschulratschefin Brandsteidl selbst dieser Tage gesagt hat. Sie sprach aus Anlass des „Wiener Lesetest“, dessen Ergebnisse diesmal etwas besser sind als in den letzten Jahren (Wobei es ja sicher nur ein reiner Zufall ist, dass gleichzeitig die Auswertung durch die Lehrer selbst erfolgt ist . . .,).

Brandsteidl wörtlich: „Die Zeit, wo die Gedächtnisübung abgesagt wurde, weil die Schüler die Testsituation stressen könnte, ist vorbei.“

Schön, dass diese Zeit jetzt vorbei ist. Aber noch viel ungeheuerlicher ist, dass es sie überhaupt jemals gegeben hatte! Wahrscheinlich ist der Dauerlächlerin Brandsteidl gar nicht bewusst, welchen Skandal sie damit offen zugegeben hat. Denn deutlicher kann man gar nicht eingestehen, dass es bisher das System Kuschelschule sehr wohl gegeben hat.

Der Tiroler Skandal

Noch skandalöser ist das, was sich dieser Tage in einem anderen Bundesland abgespielt hat. Nämlich in Tirol. Und was dort bisher geheim gehalten wird. Dort versucht ja seit Einzug der Grünen in die Landesregierung die Schulbehörde, die Einführung der Gesamtschule wenigstens in Testregionen zu erzwingen. Gegen den geschlossenen Widerstand von Lehrern, Eltern und Schülern.

Das tut sie dort nun sogar mit Methoden des totalitären Terrors: Gegen einen Tiroler Lehrer gibt es jetzt allen Ernstes ein disziplinarrechtliches Verfahren, nur weil er in einem Leserbrief die „Neue Mittelschule“ kritisiert und gesagt hat, dass er seine eigenen Kinder nicht an eine solche schicken würde.

Nur in Diktaturen wird so gegen Kritiker vorgegangen. In einer Demokratie dürfte nicht einmal im Schlaf ein solches Verfahren erwogen werden. Dabei gibt dieses Schulsystem vor, unsere Kinder zu aufrechten Staatsbürgern erziehen zu wollen, die den Mut haben, zu ihrer eigenen Meinung zu stehen.

Es ist zum . . .

Der Autor war 14 Jahre Chefredakteur von „Presse“ bzw. „Wiener Zeitung“. Er schreibt unter www.andreas-unterberger.at sein „nicht ganz unpolitisches Tagebuch“, das heute Österreichs meistgelesener Internet-Blog ist.

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