“Mater dolorosa”: Sonderschau zeigt Kaiserin Sisi als trauernde Mutter

In der Ausstellung "Mater dolorosa - Die trauernde Kaiserin Elisabeth"
In der Ausstellung "Mater dolorosa - Die trauernde Kaiserin Elisabeth" - © APA/HELMUT FOHRINGER
Sisi in Schwarz: Der Mythos um Kaiserin Elisabeth, kurz Sisi, wurde auch von ihrem Bild als trauernde Mutter in Schwarz geprägt – eine Sonderausstellung des Sisi Museum widmet sich nun dieser Facette der Kaiserin.

Zu sehen ist unter anderem ihr “Schwarzzeug” von Schirm bis Schleier, das sie nach dem Selbstmord ihres Sohnes Rudolf nur noch zu wenigen Gelegenheiten ablegte.

Sonderschau in den Kaiserappartements der Hofburg

“Mater dolorosa. Die trauernde Kaiserin Elisabeth” ist bis 22. Mai 2016 im Audienzwartesaal der Kaiserappartements der Wiener Hofburg zu sehen. Die Ausstellung beschäftigt sich generell mit Trauer und Tod im 19. Jahrhundert und im Speziellen damit, wie Kaiserin Elisabeth mit ihrem persönlichen Kummer umgegangen ist, erklärte Museumskuratorin Olivia Lichtscheidl am Donnerstag bei einer Presseführung. Konkret wurde der Frage nachgegangen: “Was musste man damals in Trauer nach außen hin zeigen?” Denn während es heutzutage keine strikten Vorgaben für Trauernde mehr gibt, war der Trauerprozess im 19. Jahrhundert streng reglementiert.

So wurde etwa die Trauerzeit in drei Phasen eingeteilt: die tiefe Trauer, die einfache Trauer und das sogenannte Austrauern. Der Tod eines Verwandten wurde vor allem in Kleidung und äußerem Erscheinungsbild gezeigt, Schlichtheit und der Verzicht auf Farben standen im Vordergrund. Auch die Art des Stoffes wurde an die unterschiedlichen Trauerphasen angepasst: Lag der Tod noch nicht lange zurück, musste auf glänzende Stoffe verzichtet werden, während der einfachen Trauer griff man auf Wollstoffe oder stumpfe schwarze Seide zurück.

“Mater dolorosa”: Trauer in Schmuck und Kleidung

Je schlichter die Kleidung, desto eher kam Trauerschmuck zum Einsatz, wobei Gold und Edelsteine vermieden werden mussten. Ersetzt wurden diese meiste durch Jet, einer tiefschwarzen polierten Braunkohleart oder schwarze Holz-, Kristall- oder Glasperlen. Auch Sisi war im Besitz von umfangreichem Trauergewand – wobei die Kaiserin grundsätzlich gerne Schwarz trug: Gezeigt werden nun 23 Exponate, darunter auch einige Leihgaben, die sich in Privatbesitz befinden und noch nie ausgestellt wurden. Dazu zählen ein schwarzes Kleid mit Cape wie auch eine Onyx-Kette und ein Ring. Weiters zu sehen sind u.a. eine gehäkelte Spitzenstola, Handschuhe oder ein Hutschleier aus schwarzer Spitze mit gepunktetem Blumen- und Blattdekor.

Sisi habe sich daher zeitlebens mit dem Tod beschäftigt und auch viele Familienmitglieder in den letzten Stunden ihres Lebens begleitet. Die Kaiserin habe auch immer wieder versucht, Kontakt mit Verstorbenen aufzunehmen – wofür sie nicht nur am Hof belächelt wurde. Als Mutter musste sich die Regentin gleich zweimal von einem ihrer Kinder verabschieden: “Elisabeth ist damals schon als trauernde Mutter in die Geschichte eingegangen”, so Lichtscheidl.

Tochter Sophie verstarb in den Armen von Sisi

Denn ihre erstgeborene Tochter Sophie verstarb im Alter von zwei Jahren an den Folgen einer Ruhr-Erkrankung – in den Armen ihrer Mutter. Als Reaktion auf dieses Todesdrama sei Elisabeth zu ihrer verbliebenen Tochter Gisela und zum später geborenen Kronprinzen Rudolf auf Distanz gegangen. Es sei eine Art Selbstschutz gewesen, hieß es auf einer der Schautafeln im Ausstellungsraum. Einen zweiten Tod musste Sisi als Mutter ebenfalls verkraften: 1889 beging der Thronfolger Rudolf Selbstmord.

Sonderausstellung “Mater dolorosa. Die trauernde Kaiserin Elisabeth”
27. November bis 22. Mai 2016
Kaiserappartements der Wiener Hofburg
Michaelerkuppel, 1010 Wien

(apa/red)

 

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