Marina Abramovic – The Artist Is Present – Trailer und Kritik zum Film

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Marina Abramovic – The Artist Is Present – Trailer und Kritik zum Film
Bisweilen gelingt es einem Dokumentarfilm, mehr zu sein als reine Schilderung seines Sujets, sondern gleichsam eins mit seinem Gegenstand zu werden und dessen Sein stimmig nachvollziehbar zu machen.

Solch ein Meisterstück ist dem in New York lebenden Regisseur Matthew Akers gelungen, der sich in “The Artist Is Present” dem Werk des Performanceurgesteins Marina Abramovic widmet. Er bewältigt den Balanceakt, mit seiner Annäherung sowohl Kennern als auch Laien einen interessanten Blick in die Welt der Meisterin der Körperperformance zu bieten. Am Freitag (26. Oktober) wird der von Thyssen-Bornemisza Art Contemporary koproduzierte Film erstmals in Österreich auf der Viennale zu sehen sein, wobei sich Abramovic persönlich dem Publikum stellen wird. Am 9. November läuft das unter anderem mit dem Großen Preis der Jury des Sundance Film Festivals ausgezeichnete Werk regulär im Kino an.

“The Artist is Present”: Das Erlebnis Marina Abramovic in Nahaufnahme

Unmittelbarer Anlass für den Film war die gleichnamige Ausstellung 2010 im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA). Nebst einer großen Retrospektive stand bei der Schau Abramovic selbst im Fokus: Über die gesamte Dauer von knapp drei Monaten saß die damals 63-Jährige sechs Tage die Woche während der gesamten Öffnungszeit von sieben Stunden auf einem Stuhl, je einen Besucher zum direkten Blickkontakt empfangend. Die Künstlerin sah jedem der Gäste mit sphinxhaft-gütigem Blick direkt in die Augen – insgesamt 1.565 Menschen, die sich während der 736 Stunden dauernden, längsten Abramovic-Performance in deren Aura begaben, darunter James Franco, Björk oder Sharon Stone. Gegen Ende der Ausstellung übernachteten Schlangen von Besuchern vor dem Museum, um einen Moment mit Abramovic zu ergattern.

Dass der englische Begriff “Artist Is Present” nicht nur im Sinne der Präsenz, sondern auch des Geschenks zu verstehen ist, zeigte sich daran, dass zahlreiche Menschen während der Session in Tränen der Rührung ausbrachen. Abramovic schaffte Raum für den stummen Dialog, das Strecken und Erleben von Zeit, Gegenwart in ihrer vollen Präsenz. Der Körper als das unmittelbarste Material des Menschen wird dabei zum Medium – ein Konzept, das die 1946 im damaligen Jugoslawien Geborene seit über 40 Jahren ins Zentrum ihrer Arbeit gestellt hat.

Diesen Lebensweg verwebt der Regisseur mit historischem, großteils unbekanntem Material aus der Performancegeschichte, die Abramovic über viele Jahre gemeinsam mit ihrem deutschen Partner Ulay schrieb. Eine der berührendsten Sequenzen von “The Artist Is Present” stellt die Begegnung der beiden Expartner nach Jahren der Trennung und Enttäuschungen dar. Verletzungen, die sich lösen, als Ulay gegenüber von Abramovic Platz im Museum nimmt.

Es ist die große Stärke des Dokumentarfilms, der ebenso wie Abramovic Leben und Performance verschränkt, eine Balance zwischen künstlerischer Arbeit und dem disziplinierten Leben der Akteurin zu schaffen. Der Zuschauer kann sich dem Menschen Marina ebenso nähern wie der Künstlerin Abramovic – und er wird sich der Faszination von beiden nur schwer entziehen können.

(APA)

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