Maria Vassilakou ist “Mahü-Mama” und grüne Frontfrau

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Maria Vassilakou freut sich über die neue MaHü.
Maria Vassilakou freut sich über die neue MaHü. - © APA
Bei der Verlegung des Schlusssteins der Mariahilfer Straße meinte Maria Vassilakou, dass sie nun das eine oder andere graue Haar mehr haben werde, sie aber glücklich sei. Der Kampf um die Verkehrsberuhigung der Einkaufsmeile war ein harter, aber er hat sich für die grüne Spitzenkandidatin gelohnt.

Inzwischen sind selbst die Stimmen der schärfsten Kritiker großteils verstummt. Tatsächlich könnte man die Mariahilfer Straße – noch vor Projekten wie der 365-Euro-Jahreskarte oder dem Parkpickerl – als Symbol und Prestigeprojekt der grünen Regierungsbeteiligung seit 2010 sehen. Und niemand steht für dieses Projekt mehr als Vassilakou, die deshalb auch persönlichen Anfeindungen ausgesetzt war.

Auch sonst verkörpert die grüne Spitzenkandidatin das Programm ihrer Partei: Sie radelt gerne und viel, nutzt Car-Sharing, absolvierte vor der Mahü-Abstimmung ausgestattet mit Schokoherzen Hausbesuche und kocht ab und zu sogar für ihre Wähler.

Vassilakou kocht für Wähler

“Vassilakou macht Dampf” heißt das Format, bei dem die 46-Jährige durch Wien tourt und an den unterschiedlichsten Locations 20 Menschen pro Abend bekocht. Ihre persönliche Geschichte – eine Frau mit Migrationshintergrund macht politische Karriere – verdeutlicht, dass Integration für die Wiener Grünen nicht nur ein leeres Schlagwort ist.

Auch wenn sie von der Öffentlichkeit stets so wahrgenommen wird, ist Vassilakou nicht die grüne Parteichefin – diese Funktion gibt es bei der Ökopartei in Wien schlicht nicht. So fungiert die gebürtige Athenerin vielmehr als Aushängeschild der Wiener Grünen – etwa auf einer Riesenplakatserie auf der Linken Wienzeile, die im April für einigen Diskussionsstoff sorgte. In Überlebensgröße zeigte dieses eine mit schwarzem Klebeband an der Wand fixierte Spitzenkandidatin, darunter hieß es in Anspielung auf den einen oder anderen Koalitionskonflikt: “Ich soll den Häupl Michi nicht immer so ärgern.”

Spitzenkandidatin der Grünen bei der Wien-Wahl

Bei der Landesversammlung im Februar wurde sie mit knapp 95 Prozent der Stimmen zum dritten Mal nach 2005 und 2010 als Spitzenkandidatin für eine Wien-Wahl nominiert. Trotz Standing Ovations der Basis sprachen sich 25 Grüne gegen sie aus – ein schwächeres Ergebnis als noch 2010, wo sie fast 99 Prozent von sich überzeugen konnte.

Dennoch ist Vassilakou als Defacto-Parteichefin ziemlich unumstritten – was nicht jede grüne Spitze in der Vergangenheit von sich behaupten konnte.

Griechin macht in Wien politische Karriere

Geboren wurde Vassilakou am 23. Februar 1969 in Athen als einziges Kind einer Goldschmiedin und eines Bauunternehmers. Nach der Matura in der griechischen Metropole kam sie 1986 an die Wiener Universität, um Dolmetscherin für Deutsch, Englisch und Französisch zu werden. 1989 begann sie das Studium der Sprachwissenschaft, das sie 1994 abschloss. Vassilakous politische Laufbahn startete bereits an der Universität. 1995 erfolgte der Wechsel in den Grünen Klub im Wiener Rathaus. 1996 zog sie in den Landtag ein und wurde Integrationssprecherin der Grünen. Bereits bei der nächsten Wahl 2001 trat sie hinter Christoph Chorherr auf dem prominenten zweiten Listenplatz an und wurde nach dem Wahlerfolg nicht amtsführende Stadträtin.

Im Jänner 2004 wurde Vassilakou in den Bundesvorstand der Grünen gewählt, nachdem sie von 1997 bis 2001 bereits Mitglied im Landesvorstand der Wiener Grünen gewesen war. Bei der Wien-Wahl 2005 ging sie bereits als Spitzenkandidatin ins Rennen, zuvor war sie Chorherr als Klubvorsitzende gefolgt. Seit 2008 ist Vassilakou stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, wobei sie vorübergehend auch ganz an der Spitze stehen durfte – als Eva Glawischnig 2009 eine Babypause einlegte. Ein politisches Angebot aus ihrer Heimat schlug sie hingegen aus: Sie hätte unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou stellvertretende Umweltministerin in Griechenland werden können. Zur derzeit durchaus turbulenten griechischen Politik äußert sich Vassilakou grundsätzlich eher ungern.

Wahl-Ergebnis von 2010 “bescheiden”

Das Wahl-Ergebnis 2010 von 12,64 Prozent bezeichnete die Defacto-Parteichefin rückblickend als “bescheiden” – dennoch brachte dieses Jahr die rot-grüne Koalition, Regierungsverantwortung und für die grüne Frontfrau gleich zwei neue Titel: Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung sowie Vizebürgermeisterin.

Vassilakou ist verheiratet, gemeinsam mit ihrem Mann und Jack Russell Terrier Rico lebt sie in Hernals. In ihrer Freizeit frönt die grüne Frontfrau gerne dem Wassersport, liest Nick Hornby – passend zur Wahl empfiehlt sie “A Long Way Down” – und hört Wanda bzw. All-Time-Favorites wie Alanis Morissette. Ihren größten Misserfolg erlebte sie in der Küche: Beim ersten Moussaka, das samt Pfanne in den Müll wanderte.

(APA/Red)

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