Manipulation von Matura-Arbeiten: Lehrer zu bedingter Freiheitsstrafe verurteilt

Ein niederösterreichischer Lehrer wurde wegen der Manipulation von Matura-Arbeiten verurteilt
Ein niederösterreichischer Lehrer wurde wegen der Manipulation von Matura-Arbeiten verurteilt - © APA (Sujet)
Ein Mathematiklehrer, der im Mai 2015 fünf Maturaarbeiten am Militärgymnasium Wiener Neustadt manipuliert hatte, wurde nun wegen Missbrauchs der Amtsgewalt zu acht Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt.

Zusätzlich erhält er noch einen Geldstrafe von 7.200 Euro (240 Tagessätze a 30 Euro), das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil Verteidigung und Staatsanwaltschaft keine Erklärung abgaben.

Matura manipuliert: Acht Monate bedingt für Lehrer

In sieben weiteren Fällen gab es am Dienstag einen Freispruch am Landesgericht Wiener Neustadt. Die Schöffen gingen davon aus, dass dies versehentlich geschah, führte die Richterin aus – der Angeklagte hatte davon gesprochen, beim Korrigieren Fehler übersehen zu haben. Mildernd wirkten sich die Unbescholtenheit, das Teilgeständnis und die altruistischen Motive des Angeklagten, der seinen Schülern helfen wollte, die Hochschulreife zu erlangen. Bei einem Strafrahmen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren sei man im untersten Bereich geblieben, aus generalpräventiven Gründen sei aber keine Diversion oder bloße Geldstrafe möglich gewesen, meinte die Richterin.

Pädagoge bekannte sich teilschuldig

Der Pädagoge am Oberstufenrealgymnasium der Theresianischen Militärakademie, das im Juni 2018 geschlossen wird, hatte sich teilschuldig bekannt. Laut Staatsanwaltschaft hatte er selbst Korrekturen vorgenommen, eine Schülerin am Tag nach der schriftlichen Klausur sogar zum “Ausbessern” angeleitet und in weiteren Arbeiten falsche Ergebnisse als richtig bewertet. Insgesamt wurden der Kommission damit zwölf nachträglich korrigierte bzw. manipulierte Arbeiten vorgelegt, so die Anklägerin. Eine Schülerin habe auf Vorschlag des Lehrers für alle dieselben Stifte besorgt. Das räumte der Mann ebenso ein, wie das Treffen mit der Schülerin, die ihm leidgetan habe.

Gerüchten von Schülern führte zur Aufdeckung

Die Causa flog aufgrund von Gerüchten von Schülern der Parallelklasse auf. Laut dem Schuldirektor hatten sich im Winter 2014 Eltern beim Landesschulrat über mangelnde Maturavorbereitung seitens des Mathe-Professors beschwert. In der Folge gab es Förderkurse, um die Schüler in dem Fach an das Level der Parallelklasse heranzuführen. Auf Anraten der Schulinspektorin kopierte der Direktor die abgegebenen Mathe-Arbeiten stichprobenartig – und bemerkte bei einem Vergleich mit den korrigierten Arbeiten in zwei Fällen Unterschiede.

“Blackout” infolge von Überbelastung

Der Verteidiger (Andreas Rudolph) sprach von einem “Blackout” seines Mandanten infolge von Überbelastung. Er wies aber zurück, dass der Lehrer sich bei der Zentralmatura in ein besseres Licht rücken wollte. Trotz der bevorstehenden Auflösung des Militärgymnasiums hätte der 58-Jährige nichts zu befürchten gehabt, sondern damals sogar schon eine Zusage für ein anderes Gymnasium in der Tasche. Zu einer allenfalls milderen Bewertung meinte er: “Was wäre denn das für ein Lehrer, der seinen Schülern nicht wohlwollend gegenüber tritt und sagt, im Zweifel für den Schüler.” Aus Verteidigersicht seien hier “mathematische Raffinessen” angeklagt, erinnerte Rudolph auch an die Kritik an der Zentralmatura. Dass dies enormen Druck ausgelöst habe, bestätigte auch die Schulinspektorin. Sie bekräftigte allerdings, dass die Schüler in jener Klasse im Vorfeld der Matura offenbar zu wenig Feedback bekommen hatten.

(APA/Red.)

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