Maimonides-Zentrum komplettiert Campus der Israelitischen Kultusgemeinde

Teilansicht des neuen IKG Campus
Teilansicht des neuen IKG Campus - © APA
Mit der Eröffnung des Maimonides-Zentrum, eines modernen Senioren- und Pflegeheims, am kommenden Dienstag ist der neue Campus der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in der Wiener Leopoldstadt nun endgültig fertig. Der rund 28.000 Quadratmeter große Komplex wurde in dreijähriger Bauzeit um 93,5 Mio. Euro errichtet.

Die betreuten Wohnungen mit 204 Betten ersetzen künftig das bisherige IKG-Heim in Döbling. Die Übersiedelung von knapp 150 Personen soll bis 21. Dezember abgeschlossen sein, sagte IKG-Präsident Ariel Muzicant am Donnerstag in einer Pressekonferenz.

Neben den bisherigen Bewohnern der Döblinger Einrichtung, die verkauft wird, haben sich laut Muzicant bereits rund 30 Menschen einen Platz reserviert. “Komplett voll” sollen die Ein- und Zweibettzimmer dann im April sein. Zum Maimonides-Zentrum gehört zudem eine “Seniorenresidenz”, also 38 mietbare Appartements mit zusätzlichem Serviceangebot, sowie 111 herkömmliche Wohnungen. Neben diversen Shops und Dienstleistungen werden die Mieter mit ausschließlich koscherer Küche versorgt, hieß es.

Die Vergabe der Plätze sei an keinerlei Mitgliedschaft bei der Kultusgemeinde gebunden, die Religionsangehörigkeit werde ebenfalls nicht überprüft, stellte Muzicant klar: “Es gibt keinerlei negative Arierparagrafen.” Was die Kosten für ein Pflegezimmer betrifft, wird allen Bewohnern 80 Prozent ihrer Pension berechnet – 13. und 14. Monatsbezug ausgenommen. Der Rest wird von der Stadt Wien getragen.

Insgesamt besteht der neue Campus in der Simon-Wiesenthal-Gasse nahe der künftigen U2-Station “Donaumarina” aus drei Bereichen. Neben dem nun fertiggestellten Maimonides-Zentrum für 57,2 Mio. Euro sind dort auch die Zwie Perez Chajes-Schule samt Kindergarten (19 Mio. Euro) sowie das Hakoah Sport- und Freizeitzentrum (8 Mio. Euro) untergebracht. Beide waren schon 2008 eröffnet worden. Die benötigten Grundstücke schlugen mit 9,3 Mio. Euro zu Buche. Geplant wurde der Bau, dessen Erscheinungsbild hauptsächlich Glas und Stahl prägen, von Architekt Thomas Feiger.

Den Begriff “Ghettoisierung” im Zusammenhang mit dem Campus will der IKG-Chef nur “im positiven Sinne” gelten lassen. Da die jüdische Gemeinschaft in Wien nur mehr sehr klein sei, müsse man eben alle Kräfte konzentrieren, um ein derartiges Projekt zu realisieren. Was die Finanzierung betrifft, hat die IKG rund 30 Mio. Euro selbst gestellt. Derselbe Betrag wurde durch die Aufnahme geförderte Kredite beglichen. Weitere 27 Mio. Euro kommen aus Fördertöpfen etwa der Stadt und diverser Ministerien, 4,5 Mio. Euro konnten durch Mitgliederspenden aufgetrieben werden. Laut Muzicant muss die Kultusgemeinde somit noch eine ausständige Summe von 1,5 Mio. Euro auftreiben.

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hatte der jüdische Sportverein Hakoah am jetzigen Campus-Standort über Plätze verfügt, die im Zuge des NS-Terrors “arisiert” wurden. Die betroffenen Flächen bekam Hakoah erst 2002 zurück – auf Basis des “Washingtoner Abkommens” zur Entschädigung für den Vermögensraub von Nazis. Zusätzlich benötigtes Areal wurde von der IKG nachträglich zugekauft.

Offiziell eröffnet wird der Campus am kommenden Dienstag von Bundespräsident Heinz Fischer, wobei auch Israels Verteidigungsminister Ehud Barak auf der Gästeliste steht. Ob er tatsächlich kommen wird, ist laut IKG noch nicht ganz fix. Bereits am Sonntag sind alle Wiener ab 14.00 Uhr zu einem Tag der offenen Tür geladen, um gemeinsam Chanukka, das traditionelle jüdische Lichtfest, zu feiern. Neben Popstar Idan Raichel wird auch der Wiener Jüdische Chor dort konzertieren.

Web: http://www.maimonides.at

Simon-Wiesenthal-Gasse 5, 1020 Wien

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