Männersache Bundespräsident: erste Kandidatin wurde verlacht

Männersache Bundespräsident: erste Kandidatin wurde verlacht
Bericht von Johannes Huber. Frauen hatten es schwer: Ludovica Hainisch-Marchet wurde 1951 „diffamiert und wahrscheinlich um Stimmen betrogen“.

Ob Österreich reif für eine Frau an der Staatsspitze ist, lässt sich nicht beantworten; der Nachweis ist in der Geschichte der Zweiten Republik nie erbracht worden. Durchgesetzt haben sich ausschließlich Männer.

Dem Bundespräsidenten-Amt am nächsten gekommen ist die ÖVP-Politikerin Benita Ferrero-Waldner vor zwölf Jahren: Als Gegenkandidatin von Heinz Fischer erreichte sie damals 47,61 Prozent. Zumal er die übrigen 52,39 Prozent holte, wurde letzten Endes jedoch er angelobt.

1951, bei den ersten Direktwahl des Staatsoberhauptes, gab es eine bemerkenswerte Premiere: Nicht nur, dass sechs Personen kandidierten. Darunter war auch eine Frau: die Frauenrechtlerin und Pädagogin Ludovica Hainisch-Marchet. Sie war ohne Unterstützung einer Partei angetreten – und musste sich mit 2132 Stimmen begnügen. Wobei sie es ganz offensichtlich sehr schwer hatte: „Sie wird verlacht, diffamiert, wahrscheinlich um Stimmen betrogen“, heißt es in einer Biographie auf der Website der Uni Wien: „Auch die Frauen, auf deren Solidarität sie gebaut hatte, wählen lieber einen Mann.“

Danach mussten 35 Jahre verstreichen, bis wieder einmal eine Frau bei einer Bundespräsidenten-Wahl antrat – und zwar die vor wenigen Wochen verstorbene Grünen-Politikerin Freda Meissner-Blau. 1992 versuchte es Heide Schmidt für die FPÖ, 1998 tat sie selbiges für das Liberale Forum. Wobei sie mit Gertraud Knoll eine Mitbewerberin hatte. Das war das bisher einzige Mal, dass es zwei Kandidatinnen gab. 2004 war es mit Ferrero-Waldner und 2010 mit Babara Rosenkranz wieder jeweils nur eine.

Insgesamt sind bei den ersten Wahlgängen bisher 31 Männer und sieben Frauen angetreten.

Kandidatinnen

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