Madame Marguerite – Trailer und Kritik zum Film

Madame Marguerite – Trailer und Kritik zum Film
Nach zahlreichen Theaterstücken inspiriert Florence Foster Jenkins nun auch zwei Filmproduktionen: Bevor Meryl Streep in die Rolle der Operndiva ohne Gesangstalent schlüpft, hat sich Xavier Giannoli der skurrilen Lebensgeschichte angenommen.

Nach der Premiere im Wettbewerb der Filmfestspiele Venedig startet die Tragikomödie “Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne” am Freitag im Kino.

Madame Marguerite – Die Geschichte

Sie ging als wohl schlechteste Sopranistin der Welt in die Geschichte ein: Trotz miserabler Stimme und fehlendem Gefühl für Melodie und Rhythmus verfolgte die vermögende New Yorker Erbin Florence Foster Jenkins (1868 – 1944) einst ihren Traum einer Opernkarriere, die kurz vor ihrem Tod ihren legendären Höhepunkt mit einem ausverkauften, umjubelten Auftritt in der Carnegie Hall erreichte. Will der Brite Stephen Frears der Geschichte in seinem für Herbst 2016 angekündigten Biopic “Florence Foster Jenkins” weitgehend treu bleiben, verlegt der französische Regisseur und Drehbuchautor Xavier Giannoli für “Madame Marguerite” die Handlung ins Paris der frühen 20er-Jahre.

In einem Vorort von Paris lädt die betuchte Marguerite Dumont (Catherine Frot) regelmäßig zu exklusiven Liederabenden in ihr herrschaftliches Anwesen. Vor einem ausgewählten Kreis an Musikliebhabern frönt sie ihrer Leidenschaft, dem Singen von Opernarien – ohne auch nur einen einzigen Ton zu treffen oder einen Rhythmus zu halten. Weder die belustigten Gäste noch ihre engsten Vertrauten reißen Marguerite aus ihrer Illusion, feiern sie stattdessen als die Operndiva, die sie so gerne wäre. Während ihr betrügerischer Ehemann Georges (Andre Marcon) sich vor Scham immer öfter wegstiehlt, inszeniert ihr treuer Ergebener Madelbos (Denis Mpunga) skurrile Fotoshootings mit der schrillen Exzentrikerin, täuscht Verehrer vor und hält hämische Zeitungsartikel von ihr fern.

Madame Marguerite  – Die Kritik

Als der junge, anarchische Journalist Lucien Beaumont (Sylvain Dieuaide) seine Bewunderung vorgaukelt und Marguerite für ein als Clubkonzert getarntes politisches Happening missbraucht, droht die Scheinwelt zu kippen. Doch Marguerite entsteigt der Erfahrung gestärkt – und bereitet sich mithilfe des abgehalfterten Stars Atos Pezzini (Michel Fau) unbeirrt für ihr erstes Konzert vor Wildfremden vor.

Mit Demut, Liebe zur Musik und einer schmerzlichen Sehnsucht nach Zuneigung von ihrem Publikum, vor allem aber von ihrem Ehemann, verkörpert Catherine Frot (59, “Die Köchin und der Präsident”) die liebenswert-verrückte Marguerite, der partout niemand sagen will, dass sie so gar keine Töne trifft. Umflankt von teils feigen, teils wohlmeinenden Nebenfiguren erscheint Marguerite nie lächerlich, berührt eher in ihrer Beharrlichkeit auf ihren großen Lebenstraum. Der Weg dorthin entwickelt sich mit Verlauf des Films tragischer, als man nach den anfänglichen Lachern erwarten würde.

Giannoli bettet die ungewöhnliche Lebensgeschichte ins blühende, elegante, von Jazz und ersten Auflehnungen gegen die Bourgeoisie erfasste Paris der 20er-Jahre, weiß diesen Zauber aber nicht über 130 Minuten aufrechtzuerhalten. Am Ende bleibt die tief gehende Sympathie für seine Hauptfigur, und die Gewissheit, dass sich Catherine Frot vor Meryl Streep kaum verstecken wird müssen.

(AOA)

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