Macbeth – Trailer und Kritik zum Film

Macbeth – Trailer und Kritik zum Film
Shakespeare im Film – das ergibt meist entweder verstaubte Kostümschinken oder bemüht buntes Pop(corn)kino. Der “Macbeth” des Australiers Justin Kurzel ist jedoch ein Ereignis: ein Gemälde aus Kerzenlicht und Nebelschwaden, Regen und Blut, Sprache und Emotion.

Die Hauptrollen spielen die grandiose schottische Landschaft und Michael Fassbender als mörderischer, machthungriger Aufsteiger.

Macbeth – Die Geschichte

Der mit dem jungen Kameramann Adam Arkapaw gedrehte Film, der am Freitag in den österreichischen Kinos anläuft, arbeitet mit Großaufnahmen menschlicher Gesichter, in denen sich Gier und Größenwahn ebenso abzeichnen wie Schmerz und Angst, mit Zeitlupen entsetzlicher Schlachtengetümmel, aber auch mit eindrucksvollen Impressionen der unwirtlichen, abweisenden Heidelandschaften und Hochländer.

Die blutige Karriere des von seiner ehrgeizigen Frau (Marion Cotillard gibt dem beinharten Machtstreben ein weiches, freundliches Antlitz) getriebenen Heerführers ist auch eine Bewegung von armseligen Hütten und Zelten, in denen Wind und Wetter den Bewohnern zusetzen, hin zu den großen, gemauerten Burgen und Festungen, in denen es sich die Herrscher gut gehen lassen. “Macbeth” ist die Geschichte eines um jeden Preis angestrebten sozialen Aufstiegs.

Macbeth  – Die Kritik

Zwei Dinge sind an diesem außergewöhnlichen Film besonders hervorzuheben: der Umgang mit Shakespeares Sprache und mit jenen Zeichen, in denen das (un)menschliche Treiben eine übersinnliche Dimension erhält. Kurzel (“Snowtown”) lässt die Original-Verse sprechen, ohne dass es peinlich wirkt – im Gegenteil, das oft in Übergröße vor das Auge des Betrachters geholte Geschehen wird dadurch wieder auf Distanz gerückt, Blut in Poesie verwandelt. Dafür werden Erscheinungen wie die berühmten Hexen ohne Special-Effekt-Firlefanz ganz selbstverständlich in die Handlung integriert. Auch die Prophezeiung, erst wenn der Wald von Birnam nach Dunsinane käme, könne Macbeth geschlagen werden, wird ohne den üblichen Verkleidungs-Mummenschanz genial gelöst: Der Wald wird in Brand gesteckt, der Wind nimmt die brennenden Äste mit sich…

Michael Fassbender liefert eine eindrucksvolle Performance. “Fassbender was born for this”, begeisterte sich der “Daily Telegraph” zu recht: Zunächst im Zwiespalt zwischen Wollen, Dürfen, und sich Zutrauen, steigert er sich zunehmend in einen Macht- und Blutrausch, der vor niemandem Halt macht. Neben Fassbender und Cotillard ist auch der übrige Cast – etwa Paddy Considine als Banquo, Sean Harris als Macduff und Jack Reynor als Malcolm – ohne Fehl und Tadel. Wie der ganze Film.

Eine “Macbeth”-Verfilmung, die wohl künftig mit jenen von Orson Welles (1948), Akira Kurosawa (“Das Schloss im Spinnwebwald”, 1957) und Roman Polanski (1971) in einer Reihe zu nennen sein wird.

(APA)

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