Lynyrd Skynyrd: Southernrock mit Bierdunst und Pathos im Gasometer

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40 Jahre nach "Sweet Home Alabama" sind Lynyrd Skynyrd live immer noch äußerst lebendig. Hier bei einem Auftritt in Nashville
40 Jahre nach "Sweet Home Alabama" sind Lynyrd Skynyrd live immer noch äußerst lebendig. Hier bei einem Auftritt in Nashville - © AP
Vor 40 Jahren war “Sweet Home Alabama”, vor 37 Jahren eine Flugzeugkatastrophe, bei der Mastermind Ronnie van Zant und drei weitere Personen aus dem “Clan” getötet und die restlichen Bandmitglieder schwer verletzt wurden. Dass Lynyrd Skynyrd live aber immer noch äußerst lebendig sind, hat die Band Dienstagabend im Gasometer bewiesen. Eine grandiose Southernrock-Retro-Nacht samt Bierdunst und Pathos.

Es ist schon faszinierend: Die aktuelle Besetzung zählt sieben Mann und zwei Background-Sängerinnen – und nur ein einziges Gründungsmitglied von Lynyrd Skynyrd ist noch mit dabei, Gary Rossington an der Gitarre. Dafür zählt die Bandgeschichte 17 Ex-Mitglieder. Gleich zehn Jahre – von 1977, dem Jahr der Flugzeugkatastrophe, bis 1987 war die Formation quasi stillgelegt. Und dennoch: Sie rocken heute wie eh und je.

Lynyrd Skynyrd “still alive” im Wiener Gasometer

Das liegt u.a. daran, dass – wieder – der täuschend ähnlich aussehende Bruder von Ronnie van Zant, Johnny, die Lead Vocals übernommen hat. Und auch daran, dass die aktuellen Bandmitglieder allesamt großartige Rockmusiker sind, trotz bzw. wegen fortgeschrittenen Alters jeder einzelne zusätzlich mit einem gewissen “Freak”-Flair ausgestattet ist, von Lead-Gitarrist Rickey Medlocke über Bassist Johnny Colt bis hin zu Keyboarder Peter Keys (der durchaus auch als Double für Dr. John aus New Orleans herhalten könnte).

Geradliniger Rock mit Gitarrenbetonung

Feinsinnige Zwischentöne darf man sich von Lynyrd Skynyrd nicht erwarten (tat auch keiner im Publikum, das großteils aussah, als ob man mit der Harley geradewegs ins Gasometer geknattert war). Wer aber auf geradlinigen Rock mit Gitarrenbetonung steht, wurde bestens bedient. Die alten Herren machen – mit drei Gitarren, einem Bass und Johnny van Zant samt Flaggen-geschmücktem Micro-Ständer an der Frontline – ganz ordentlich Druck.

“Sweet Home Alabama”: die Südstaaten-Hymne schlechthin

Höhepunkt des Sets in der Bank Austria-Halle war wenig überraschend “Sweet Home Alabama”: die Südstaaten-Hymne schlechthin, ein großartiges Stück Rockgeschichte – mit dem Wermutstropfen eines zumindest missverständlichen Textes über das Miteinander von Schwarzen und Weißen, irgendwie eine doch heikle US-patriotische Replik auf Neil Youngs kritischen Song “Southern Man”. Wer übrigens meint, dass das heute nicht mehr aktuell ist, braucht in diesen Tagen nur nach Baltimore zu schauen.

Der erste US-Hit der Band als Zugabe

Im Gasometer war das aber keinerlei Thema. Dafür schafften es Lynyrd Skynyrd tatsächlich, mit ihrer Zugabe “Freebird” noch eins draufzusetzen: Die Freiheits-Ballade, der erste US-Hit der Band im Jahr 1973, endete in einem mächtigen Gitarrengewitter – sicher stärker als der von den Wetterfröschen draußen in Wien herbeigeredete “Sturm”, in den die “Harley”-Typen dann mit ihren meist etwas älteren kleinen Familienautos aus der Gasometer-Garage stauten.

(APA/Red.)

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