Lungenfachärzte warnen Jugendliche vor Billig-Zigaretten

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Jugendliche besonders anfällig für Billigangebote
Jugendliche besonders anfällig für Billigangebote - © APA (Sujet)
Anlässlich des Welt-Nichtrauchertages am 31. Mai warnen Österreichs Lungenfachärzte vor dem Konsum geschmuggelter Billig-Zigaretten durch Jugendliche. Denn gerade junge Menschen, die besonders aufs Geld achten müssen, würden so zum Zigarettenkonsum gebracht, hieß es am Donnerstag, den 28. Mai, in einer Aussendung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP).

Die WHO hat den Welt-Nichtrauchertag 2015 unter das Motto “Stop illicit trade of tobacco products” gestellt. Für die WHO ist das Thema illegaler Zigaretten “von eminenter Bedeutung, da ja sowohl gesundheitliche, ökonomische wie auch gesetzliche Probleme damit verbunden sind”, sagte Josef Bolitschek, Leiter des Arbeitskreises Umwelt-, Arbeitsmedizin und Tabakrestriktion der ÖGP. Oft würden über geschmuggelte Zigaretten die Raucherkarrieren mit allen ihren Folgen beginnen.

Lungenfachärzte warnen vor Schmuggel-Zigaretten

Michael Studnicka, Präsident der ÖGP, fügte hinzu: “Als Lungenfachärzte sehen wir die erschreckenden Auswirkungen des Rauchens in unserer täglichen Arbeit bei unseren Patienten. Gerade aus diesem Grund ist es ein zentrales Ziel, insbesondere bei Jugendlichen den Zigarettenkonsum einzudämmen.” Laut der Studie “Project Star 2012”, die im Auftrag eines Kooperationsabkommens zwischen Philip Morris International, der Europäischen Union und den EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt wurde, wurden in den 27 Mitgliedstaaten der EU 65,5 Milliarden Zigaretten geraucht, die aus illegalen Quellen stammten, das sind in etwa 11,1 Prozent des Gesamtkonsums.

Auch Österreich massiv betroffen

Auch Österreich ist von diesem Problem massiv betroffen. So wurden beispielsweise vor einigen Monaten von der Zollfahndung Graz 1,3 Millionen Zigaretten im Wert von 250.000 Euro sichergestellt. Basierend auf den Daten von “Project Star 2012” wurden 17,9 Prozent aller im Jahr 2012 in Österreich konsumierten Zigaretten nicht im Inland versteuert.

Damit liegt Österreich auf Rang 10 der am stärksten betroffenen europäischen Länder. Der dem österreichischen Fiskus entstehende Schaden wird auf zwischen 150 und 330 Millionen Euro geschätzt. Durch die billigen, illegalen Tabakprodukte würden aber auch Gesundheitsprogramme und politische Maßnahmen der Tabakkontrolle unterlaufen, die durch Tabaksteuern finanziert werden.

Gefälschte Zigaretten mit weit überhöhten Konzentrationen

Hinzu kommen Zigarettenfälschungen. “Immer wieder zeigen Labor-Untersuchungen, dass gefälschte Zigaretten Teer, Nikotin, Kohlenmonoxid und vor allem auch Pestizide in weit überhöhten Konzentrationen aufweisen. Daneben werden immer wieder ‘Zugaben’ wie z.B. Ratten- und Mäusekot, Mäusefell, Milben, Insekten, Metallteile, Gummiteile aus Autoreifen, Nylonfäden und andere Plastikteile gefunden. Der Begriff ‘Müllzigaretten’ scheint also durchaus treffend zu sein”, hieß es in der Aussendung der Pneumologen.

Weltnichtrauchertag – YOLO: Prävention für Zehn- bis 14-Jährige

Zehn- bis 14-Jährige sind die Zielgruppe einer Initiative unter dem Slogan “Leb dein Leben. Ohne Rauch. YOLO!”, die Burschen und Mädchen vor dem Griff zur Zigarette bewahren will. Erreicht werden sollen die jungen Leute via Internet und über Schulen, und zwar in ihrer Sprache und auf Augenhöhe, wie Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) am Donnerstag vor Journalisten in Wien erläuterte.

Kritisches Hinterfragen statt Verbote – Makemakes unterstützen Initiative

Unterstützt wird die vom Fonds Gesundes Österreich erarbeitete Initiative von den heimischen Song-Contest-Vertretern, den Makemakes, deren Sänger Dominic Muhrer sich nach eigenem Bekunden in seiner Zeit als Raucher “im Studio nicht mehr ‘raufgekommen'” ist und sich manchmal wie ein 80-Jähriger gefühlt hat. “Jetzt komm’ ich drei Töne weiter rauf und kann im Studio vier Stunden singen”, erklärte er bei der Pressekonferenz und meinte dann im Gespräch mit der Ministerin: “Es is ja wirklich viel angenehmer, wenn man am Abend heimkommt und nicht fäu’t.”

(APA/Red.)

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