Lucerne Festival mit Richard-Strauss-Konzert eröffnet

Das Eröffnungskonzert wurde live auf Großleinwand übertragen
Das Eröffnungskonzert wurde live auf Großleinwand übertragen - © APA (KEYSTONE)
Mit drei Werken von Richard Strauss, einer Festrede von Iso Camartin und Protesten gegen Sparmaßnahmen des Kantons Luzern ist am Freitagabend das Lucerne Festival eröffnet worden. Das Festival dauert bis 10. September und zählt weit über hundert Programmpunkte. Rückgrat bilden die 29 Sinfoniekonzerte, dazu kommen viele weitere Veranstaltungen, die teilweise auch gratis besucht werden können.

Es war das zweite Mal, dass das Lucerne Festival Orchester zum Festivalauftakt von Riccardo Chailly dirigiert wurde. Gespielt wurden von Richard Strauss Tondichtungen “Tod und Verklärung” und “Also sprach Zarathustra” sowie “Till Eulenspiegels lustige Streiche”, Werke, in denen sich der bürgerlich auftretende Strauss mit Einzelgängern und Bürgerschrecks identifizierte. Das Konzert wurde live auf eine Großleinwand im Inseli-Park übertragen. Es wird zudem am Samstagabend im Konzertsaal des KKL wiederholt.

Das Lucerne Festival steht diesen Sommer unter dem Thema “Identität”. Am 27. August findet zum Thema “Identität” ein Erlebnistag mit 14 Konzerten innerhalb von zwölf Stunden statt. Festredner Iso Camartin sagte, Strauss sei zeitlebens sich selbst und seinem kompositorischen Stil treu geblieben, obwohl sich im Verlauf seines Lebens ganze Tonsysteme und Hörgewohnheiten geändert hätten. Der Bündner Publizist bezeichnete in seiner Rede zur Identität Protest als urmenschlich. Im Identitätskern befinde sich etwas Rebellisches. Gäbe es im Menschen nur Hinnahme und Bereitschaft, nur Gehorsam und Schicksalsergebenheit und keinen individuellen Eigensinn, existierten wohl weder Zivilisation noch Kultur, weder Technik noch Kunst.

Rebellion gegen die Sparpolitik des Kantons Luzern hatte es vor der Festival-Eröffnung durch Luzerner Kulturschaffende gegeben. Diese entstiegen im Rahmen der Performance “#sichtbarmachung” beim Inselipark dem Vierwaldstättersee und begaben sich tropfnass zum nahen KKL. Die Kultur dürfe nicht baden gehen, lautete die Botschaft. Hintergrund der Performance ist die Budgetmisere, in der der Kanton Luzern steckt. Weil die Stimmberechtigten höhere Steuern abgelehnt haben, hat Luzern noch keinen gültigen Voranschlag für das laufende Jahr. In der Kultur ist vor allem die Kulturförderung von einschneidenden Sparmaßnahmen betroffen. Je nachdem wie das Kantonsparlament im September entscheiden wird, drohen auch Museumsschließungen. Das Lucerne Festival gehörte nicht zu den Initianten der Protestaktion, erklärte sich aber mit dieser solidarisch. Festival-Intendant Michael Haefliger erklärte in einer Mitteilung der IG Kultur, dass auch große Kulturinstitutionen wie das Lucerne Festival getroffen würden, wenn der Luzerner Kultur die Lebensgrundlage entzogen werde.

Unter den geladenen Gästen des Eröffnungskonzertes befand sich auch Bundesrat Alain Berset. Er äußerte sich zur nationalen Identität, die so vielfältig sei, dass sie kaum bestimmt werden könne. Die Schweiz müsse reformfreudig bleiben, um ihre Identität stärken zu können. Und vielleicht müsste die Schweiz ihre Identität mehr in der Zukunft als in der Vergangenheit suchen.

Musikalisch umrahmt wurde der Eröffnungsakt von der Geigerin Patricia Kopatchinskaja und dem Violoncellospieler Jay Campbell. Sie nehmen am Festival als “artistes étoiles” eine herausragende Stellung ein. Michel van der Aa ist der diesjährige composer-in-residence.

(APA/sda)

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