Wiener Burschenschaft “Bruna Sudetia” nahm zur NS-Liederbuch-Causa Stellung

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Die Burschenschaft "Bruna Sudetia" nimmt in einer Pressekonferenz zur aktuellen Causa Stellung.
Die Burschenschaft "Bruna Sudetia" nimmt in einer Pressekonferenz zur aktuellen Causa Stellung. - © APA
Nachdem laut “Falter” auch in der “Bruna Sudetia” Texte mit antisemitischen Inhalten aufgetaucht sein sollen und die Staatsanwaltschaft Wien bereits wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung gemäß Verbotsgesetz ermittelt, nahm die Wiener Burschenschaft nun offiziell zur Causa Stellung. Laut Anwalt wurden mehrere Kisten unbekannten Inhalts bei der am Mittwoch erfolgten Hausdurchsuchung beschlagnahmt.

Nach dem Bekanntwerden des angeblichen Besitzes eines Liederbuch mit antisemitischen Texten der Wiener Burschenschaft “Bruna Sudetia” ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung gemäß Verbotsgesetz.

Dem “Falter” liegt das entsprechende Exemplar des Liederbuchs der Burschenschaft vor. Auch darin findet sich – wie schon im Liederbuch der Germania des ehemaligen niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer – die Liedzeile “Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million’”, die auf den Massenmord an den Juden in der NS-Zeit Bezug nahm. Darüber hinaus sind laut “Falter” noch weitere antisemitische Textzeilen in dem Buch zu finden.

“Bruna Sudetia” bestreitet den Besitz der Texte

Die Burschenschaft Bruna Sudetia weist alle Vorwürfe “mit aller Vehemenz” zurück. Das Buch sei niemals in Besitz der Verbindung und daher auch nicht in Verwendung gewesen, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Die abermals aufgetauchten antisemitischen Lieder “werden von der akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia kategorisch abgelehnt”, hieß es weiter in der Stellungnahme.

Das Buch der akademischen Burschenschaft sei weder optisch noch inhaltlich jenem Exemplar ähnlich, das dem “Falter” vorliegt. Geprüft werden daher rechtliche Schritte “gegen die diffamierende Berichterstattung” sowie gegen Unbekannt wegen Verleumdung bzw. Weitergabe des Liederbuchs.

Die Polizei Wien bestätigte am Donnerstag eine Hausdurchsuchung der Räumlichkeiten der Wiener Burschenschaft “Bruna Sudetia”. Ob belastendes Material sichergestllt werden konnte, wurde vorerst nicht kommentiert.

Stellungnahme zur NS-Liederbuch-Causa: Mehrere Kisten beschlagnahmt

Die Burschenschaft “Bruna Sudetia” nahm am Donnerstagabend bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Café Landtmann in Wien zur aktuellen Causa Stellung. Bei der am Mittwoch erfolgten Hausdurchsuchung sind mehrere Kisten mit unbekanntem Material beschlagnahmt worden, so der Obmann der Verbindung, Herwig Götschober. Ob bei den beschlagnahmten Dingen strafrechtlich Relevantes dabei ist, konnte der von der Burschenschaft beauftragte Anwalt Werner Tomanek nicht einschätzen. Er betonte, dass der Besitz “von historisch bedenklichen Dingen” in Österreich nicht verboten sei.

Götschober selbst sagte, auch er wisse nicht, was in den beschlagnahmten Kisten enthalten ist: “Der Inhalt dieses Materiales ist uns nicht bekannt.” Es dürfte sich dabei um Kisten aus dem zweiten Untergeschoß der “Bude” – der Räumlichkeiten der Burschenschaft – handeln. Eventuell geht es dabei “um Nachlässe von vor Jahrzehnten verstorbenen Bundesbrüdern”, meinte Götschober. Er wisse weder, was der Inhalt sei, noch, ob etwas strafrechtlich Relevantes dabei sei.

Gleichzeitig betonte Götschober, der sich von seiner Tätigkeit als Pressereferent im Kabinett von Verkehrsminister Norber Hofer (FPÖ) bis auf weiteres beurlauben hat lassen, die Verantwortung zu tragen. Die Burschenschaft lehne jegliches antisemitisches oder rassistisches Material “zutiefst ab”. Dabei sei es “völlig egal”, ob die Dinge strafrechtlich relevant sind oder nicht. Sollte solches Material gefunden werden, widerspräche das den Werten der Burschenschaft Bruna Sudetia, sowie der Burschenschaften allgemein, sagte er.

Obmann Götschober kündigt Aufarbeitung an

Die Hausdurchsuchung in der Bruna Sudetia habe am Mittwoch zu Mittag stattgefunden und dauerte rund drei Stunden, berichtete Götschober. Er kündigte eine interne Aufarbeitung der Vorkommnisse an, zwei Anwälte sollen damit betraut werden. Grund für die von der Staatsanwaltschaft beauftragte Durchsuchung waren die Ermittlungen wegen des Verdachts der nationalsozialistischen Wiederbetätigung gemäß Verbotsgesetz.

Götschober – der auch Bezirksrat der FPÖ im Wiener Bezirk Leopoldstadt ist – betonte am Donnerstagabend neuerlich, dass ihm dieses Liederbuch völlig unbekannt sei. “Ich kenne eine solche Version des Liederbuches nicht.” Seine selbst beantragte Beurlaubung im Verkehrsressort will er bis zur völligen Aufklärung der Vorfälle aufrechterhalten. Dank sprach er der freiheitlichen Parteispitze für deren Unterstützung aus: “Ich möchte mich beim Vizekanzler (Heinz-Christian Strache, Anm.) für die Rückendeckung bedanken.” Ob es tatsächlich zu den von der Burschenschaft in den Raum gestellten rechtlichen Schritten gegen die Wochenzeitung “Falter” kommt, wollte Götschober noch nicht beurteilten: “Ich weiß nicht, ob man etwas einklagen kann.”

Konsequenzen soll der Vorfall auf jeden Fall innerhalb der Burschenschaft haben: Man werde zwei Anwälte beauftragen, die Angelegenheit “intern aufzuarbeiten”, sagte Götschober. “Ich möchte mich auch dafür entschuldigen, dass so etwas bis jetzt in der Art nicht erfolgt ist.” Man müsse aber nun erst einmal abwarten, was die Behörden an Material mitgenommen haben. “Sollte darin etwas sein, das strafrechtlich relevant ist”, so müsse das aufgearbeitet werden. Und in weiterer Folge will Götschober dafür sorgen, “dass es zu keinerlei zukünftigen antisemitischen, rassistischen oder ähnlichen Äußerungen kommt”. Für derartiges gebe es bei der Bruna Sudetia – wie auch bei Burschenschaften generell – “null Toleranz”.

Tomanek betonte am Donnerstagabend, die Ermittlungen würden sich auch jetzt gegen Unbekannt, nicht aber gegen eine natürliche Person richten. Darüber hinaus sagte der bekannte Strafverteidiger zu möglichen Funden in den Kisten: “Bücher, die niemand liest, halte ich nicht für gefährlich.” Erfahrung mit Verfahren nach dem NS-Verbotsgesetz hat Tomanek jedenfalls, wie er selbst sagte. Unter anderem hat der Anwalt 2010 den Holocaust-Leugner Gerd Honsik vertreten.

(APA/Red)

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