Lesefestwoche 2012 in Wien mit Podiumsdiskussion eröffnet

Am Anfang der Lesefestwoche stand eine Podiumsdiskussion
Am Anfang der Lesefestwoche stand eine Podiumsdiskussion - © Peter Hautzinger
Am Montagabend fiel in Wien der Startschuss für die Buch Wien Lesefestwoche. Am Anfang stand eine Podiumsdiskussion von Autoren und Politikern. Die Buch Wien macht mit über 400 Auftritten von bekannten und aufstrebenden Autoren eine Woche lang die gesamte Bandbreite der Herbstneuerscheinungen erlebbar – von Sachbüchern, Romanen, Kinderbüchern und Hörbüchern bis hin zu Graphic Novels.

Bei der Lesefestwoche ist naturgemäß Lesen das zentrale Thema – bei der Eröffnungsveranstaltung der Lesefestwoche zum Auftakt der Messe “Buch Wien 12” am Montagabend ging es darum jedoch nur am Rande. Alfred Gusenbauer, Kurt Kotrschal, Konrad Paul Liessmann und Antonella Mei-Pochtler diskutierten über Richard Sennetts neues Buch “Zusammenarbeit. Was unsere Gesellschaft zusammenhält”.

Diskussion über “mühsames” Buch von Sennett

Das Buch, das im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion stehen sollte, sei “relativ mühsam, das muss man ganz offen sagen”, machte Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sogar ein wenig Anti-Werbung. Es ging im Kassensaal der von Otto Wagner erbauten Postsparkasse so lange um “Kooperation und Konkurrenz”, bis Philosoph Konrad Paul Liessmann anmerkte: “Es gibt noch etwas Drittes. Ich darf daran erinnern: Lesen und Schreiben sind ziemlich einsame Tätigkeiten.”

Eigentlich hätte der US-amerikanische Soziologie und Historiker Richard Sennett über sein jüngstes Buch sprechen und diskutieren sollen. In “Der flexible Mensch” (1998) hatte er “Die Kultur des neuen Kapitalismus” analysiert, in “Handwerk” (2008) die früheren Tugenden der individuellen, selbstbestimmten, manuellen Arbeit untersucht. In “Zusammenarbeit” (Hanser Berlin Verlag) schreibt er nun über die Bedingungen des Zusammenlebens in einer von Konkurrenz und Gegensätzen geprägten Gesellschaft. Aus Gesundheitsgründen hatte der 69-Jährige jedoch absagen müssen.

Eröffnung der Lesefestwoche: Kooperation und Wettbewerb

“Kooperation hat viele Formen. Sie lässt sich mit Wettbewerb kombinieren, etwa wenn Kinder bei der Formulierung von Spielregeln kooperieren, in deren Rahmen sie dann miteinander konkurrieren. Bei den Erwachsenen findet sich dieselbe Kombination aus Kooperation und Wettbewerb auf Märkten, im Wahlkampf und in diplomatischen Verhandlungen”, schreibt Sennett. Dennoch ließ Moderatorin Corinna Milborn über ein vermeintliches Gegensatzpaar diskutieren. “Wahrscheinlich gibt es ohne Wettbewerb keinen Fortschritt und ohne Zusammenarbeit keinen Frieden”, merkte Gusenbauer an.

Verhaltensforscher Kurt Kotrschal verwies auf die “biologische Grundlagen für Kooperation”, ohne die bereits das Funktionieren des menschlichen Organismus unmöglich sei, und Unternehmensberaterin Antonella Mei-Pochtler erläuterte, dass Kooperationsfähigkeit ein wichtiger Faktor der Wettbewerbsfähigkeit sei. Liessmann kritisierte, dass sich Wettbewerb in den Köpfen als einzig relevanter Motivationsfaktor festgesetzt habe: “Zu wem stand Galilei im Wettbewerb? Auch Kepler hat nicht in Konkurrenz zu anderen geforscht, sondern weil ihn etwas interessiert hat.”

Auswirkungen der Krise

Dass die Krise bereits zu einem Umdenken und einem größeren Miteinander geführt habe, sah Gusenbauer (“Ich will mich jetzt nicht in die österreichische Politik einmischen, aber….”) nicht und erhielt für einen Kommentar Zwischenapplaus: “Wenn es so ist, dass ich für eine kaputte Bank in der Provinz sehr wohl Geld habe, für einen Ausbau der Ganztagsschule aber nicht, dann ist das weiterhin Ausdruck einer völlig verfehlten Interpretation gesellschaftlicher Notwendigkeiten.”

Und auch Mei-Pochtlers Aussage “Die großen Probleme sind nur durch übergreifende Zusammenarbeit zu lösen” trug Eulen nach Athen: Als die Moderatorin das Saalpublikum über die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsel “Weniger Konkurrenz – mehr Kooperation” abstimmen ließ, ergab dies eine satte Mehrheit.

Die Lesefestwoche läuft bis zum Sonntag, den 25. Novemver, die Messe “Buch Wien” wird am Mittwochabend eröffnet – alle Details dazu finden Sie hier.

(apa/red)

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