Kurz traf Österreicher in London: Durch Brexit “sind alle down”

Außenminister Kurz traf nicht nur seinen britischen Amtskollegen Boris Johnson, sondern auch in London lebende Österreicher
Außenminister Kurz traf nicht nur seinen britischen Amtskollegen Boris Johnson, sondern auch in London lebende Österreicher - © APA
Die Stimmung der Auslandsösterreicher in Großbritannien ist angesichts des EU-Austritt gedämpft, die Brexit-Gespräche werden dabei zur Existenzfrage. Außenminister Sebastian Kurz traf einige Österreicher in London, um sich ein Bild zu machen.

“Immer, wenn wir über den Brexit reden, sind wir alle down”, berichtete einer der 25.000 Österreicher am Mittwochabend.

Brexit: Existenzfrage für Österreicher in London

Feilschen um Paragrafen, Milliarden und Handelsregeln: Den Normalbürger scheint der EU-Austritt Großbritanniens nichts anzugehen. Doch für 25.000 Österreicher auf der Insel werden die Brexit-Gespräche zur Existenzfrage. “Immer, wenn wir über den Brexit reden, sind wir alle down”, berichtete einer von ihnen am Mittwochabend bei einem Treffen mit Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) in London.

Walzerkurse, Knödelolympiaden, Nikolofest

Kurz traf in der österreichischen Botschaft in London mit dem Vorstand des seit 1984 bestehenden Klubs der Auslandsösterreicher zusammen. Die Stimmung war heiter, wurden doch gerade die Einladungen für den im November stattfindenden Österreicher-Ball verschickt. Die 400 Eintrittskarten waren schnell ausverkauft, mit Walzerkursen, Knödelolympiaden und einem Nikolofest bemüht sich die durchgehend aus jungen Österreichern zusammengesetzte Gruppe um die Pflege österreichischer Traditionen.

Mit Ungewissheit in die Zukunft blicken

Doch über der regen Vereinstätigkeit hängt der Schatten des Brexit, der die im Vereinigten Königreich lebenden Österreicher mit großer Ungewissheit in die Zukunft blicken lässt. “Was wird mit meinen Pensionsansprüchen? Werde ich weiterhin eine Krankenversicherung haben, die europaweit gültig ist?”, lauteten nur zwei Fragen, mit denen der Außenminister konfrontiert wurde. Kurz, der zuvor Außenminister Boris Johnson und den Brexit-Minister David Davis getroffen hatte, bemühte sich redlich, den Landsleuten ihre Ängste zu nehmen.

Die Frage der Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien sei “der Bereich, in dem wir nicht nachgeben werden”, betonte er. Österreich werde “alles tun, dass diese Phase der Unsicherheit möglichst schnell vorbei ist”. Zuvor hatte er gegenüber Johnson und Davis darauf gedrängt, dass sich die britische Seite in den Brexit-Gesprächen endlich bewegt.

Kurz zeigt sich vorsichtig optimistisch

Was die Rechte der in Großbritannien lebenden EU-Bürger betrifft, ist Kurz vorsichtig optimistisch. Den Briten dürfte es in diesem Bereich “viel leichter” fallen, sich zu bewegen, als bei der heiklen Finanzfrage. Schließlich gehe es auch um Millionen Briten, die in den EU-Staaten leben und um ihre Rechte fürchten. “In dieser Frage wird man sich finden”, erwartet Kurz.

Der ÖVP-Chef räumt aber auch ein, dass Österreich in dieser Frage “in einer schwierigeren Situation als andere Länder” sei. Wegen des Verbots der Doppelstaatsbürgerschaft könne Wien den in Großbritannien lebenden Österreichern nämlich nicht einfach empfehlen, durch die zusätzliche Annahme der britischen Staatsbürgerschaft für Rechtssicherheit zu sorgen.

Ganz verzwickt ist die Lage für jene Österreicher, die in Vertrauen auf die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens schon die Staatsbürgerschaft ihres Wohnsitzlandes angenommen haben. “Wie schaut es mit diesen Leuten aus?”, fragt einer der Vorstände des Auslandsösterreicher-Clubs. Eine weitere Frage, auf die es an diesem Abend keine Antwort gibt. Und die zeigt, dass die Brexit-Gespräche noch nicht annähernd in jene Detailfragen vorgestoßen sind, in denen bekanntlich der Teufel liegt.

(APA/Red.)

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