Kunstaktion im Stephansdom: Statuen werden eingehüllt

Victoria Coeln bei der Arbeit im Stephansdom
Victoria Coeln bei der Arbeit im Stephansdom - © APA
In Rettungsfolie werden 37 der insgesamt 108 Heiligenstatuen im Inneren des Wiener Stephansdoms während der Fastenzeit verhüllt.

Die verantwortliche Künstlerin Victoria Coeln spielt damit auf die existenzielle Notlage Schutzsuchender hin.

Kunstinstallation im Stephansdom: Heilige in Rettungsfolie gehüllt

Victoria Coeln hat bereits wiederholt in den Innenräumen von Sakralbauten – auch im Stephansdom – beeindruckende Lichtspiele entstehen lassen. Die diesjährige Arbeit ist auf den ersten Blick hingegen wenig spektakulär. Sie erschließt sich erst bei genauerem Hinsehen, da die Figuren immerhin fast zehn Meter über den Besuchern der Kathedrale postiert sind. Die gotischen Statuen sind fast vollständig eingehüllt, nur die Gesichter oder manche Heiligenattribute sind zu erkennen. Gleichzeitig sind die steinernen Beschützer aber sichtbarer als sonst: Wenn Sonnenlicht oder das Licht aus eigens montierten Spots auf die Objekte fällt, beginnt es im Kirchenraum zu glitzern.

Viele Heilige stammen aus Ländern des Nahen Ostens

Viele jener Heiligen, die nun mit Rettungsdecken ausstaffiert sind, stammen laut Coeln aus Ländern des Nahen Ostens – also aus einer Region, die heute teilweise Kriegsgebiet ist. Dompfarrer Toni Faber sprach heute von einer “Hommage” an jene Hunderttausenden, die nicht das Privileg hätten, in der EU geboren zu seien, hier aber Schutz suchen würden. Die Installation trägt dem entsprechend den Titel “Herkunft”. Ein weiterer Teil – genannt “Lebenszeit” – der als Trilogie angelegten Arbeit ist eine Projektionsfläche im Altarraum. Sie ersetzt heuer das traditionelle Fastentuch. Gemeinsam mit der Schweizer Künstlerin Susanne Lyner hat Coeln ein Video konzipiert, das auf dem Gobelin gezeigt wird. Besucher sind mit einem sich stetig verändernden Muster konfrontiert, das sich theoretisch 81,5 Jahre nicht wiederholt, was der durchschnittlichen Lebenszeit eines Mitteleuropäers entspricht – aber nach der Fastenzeit wieder deinstalliert wird.

Der dritte Teil (“Geschlecht”) wird im Mai, dem traditionellen Frauenmonat der katholischen Kirche, eröffnet. Männliche Säulenheilige werden dann mit halbtransparenten Tüchern verhüllt, weibliche Skulpturen und Mariendarstellungen sollen hingegen mittels Licht sichtbarer gemacht werden.

(APA/Red.)

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