Kulturstadtrat Mailath-Pokorny will mehr Kunst in Wiens Außenbezirken

Mailath-Pokorny spricht in einem Interview von seinen Kultur-Vorhaben.
Mailath-Pokorny spricht in einem Interview von seinen Kultur-Vorhaben. - © apa
Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) möchte mehr Kunst für Wiens Außenbezirke erwirken. Dafür soll eine “Taskforce für kulturelle Stadtentwicklung” gegründet werden.

Als neuer Verantwortlicher für den Presse- und Informationsdienst (PID) will der Ressortchef die von Rot-Grün geplante Drittel-Kürzung des Inseratenbudgets einhalten.

Taskforce soll Kultur-Initiativen starten

Kulturpolitisch halte er die Bespielung von Stadtteilen abseits des Zentrums angesichts der wachsenden Stadt für essenziell, betonte Mailath-Pokorny. Die Taskforce soll “Experten aus den verschiedensten Gebieten zusammenbringen, um neue Initiativen zu starten”. Wobei der Ressortchef durchaus eingestand: “Das ist jetzt keine Ansage a la ‘Wir nehmen Millionen Euro in die Hand, vergeben die und bauen zum Beispiel ein neues Theater in der Donaustadt’. Das wäre auch nicht sinnvoll.” Man versuche – nicht zuletzt eingedenk der knappen Budgetmittel – die vorhandenen Strukturen fantasievoller zu vernetzen. Mit im Boot will Mailath-Pokorny etwa die Volkshochschulen, Gebietsbetreuungen, Büchereien oder Bezirksmuseen haben.

Als Vorbild nannte der Stadtrat die Brunnenpassage in Ottakring – eine Mischung aus Kultur- und Sozialprojekt unter der Leitung der Caritas und in Kooperation mit diversen größeren Kultureinrichtungen wie dem Konzerthaus oder dem Tanzquartier, die Tanz-, Theater- oder Musikprojekte auf die Beine stellen. Ähnliches soll in anderen Stadtgebieten entstehen: “Entweder man versucht, etablierten Kulturinstitutionen einen Partner anzubieten, also bei einer Initiative im Bezirk anzudocken, oder es kommt jemand aus dem Bezirk, der sagt: ‘Hallo, uns gibt’s und wir suchen jemanden.'”

Ob damit der Pop-up-Charakter in der Wiener Kulturpolitik angekommen ist? “Pop-up impliziert immer auch ein Pop-down. Diese Dinge sollen schon nachhaltig sein – auch wenn sie temporär sind”, so Mailath-Pokorny.

Mailath-Pokorny zuständig für Kultur, Sport und Information

Als temporär könnte sich das Wiener Engagement der Kunstsammlerin Francesca Habsburg herausstellen. Sie hatte kürzlich laut über einen Umzug ihrer TBA21 in die Schweiz nachgedacht und der Stadt mangelndes Interesse vorgeworfen. Mailath-Pokorny beteuerte seinen Wunsch, dass Habsburg in der Bundeshauptstadt bleibt. “Es geht darum zu klären, was überhaupt notwendig ist, in welcher Weise sich das in welchem Umfeld einfügen lässt. Darüber muss man sprechen.” Es gebe auch Gespräche, wiewohl sich diese durch die Regierungsbildung nach der Wien-Wahl im Oktober etwas verzögert hätten, räumte der Ressortchef ein.

Vor geraumer Zeit war die Übersiedelung der TBA21 auf das neue Hauptbahnhofareal im Gespräch. “Das hat sich deshalb zerschlagen, weil sich ein allfälliger Partner nicht gefunden hat. Und ich habe immer gesagt, das ist nicht Aufgabe der Stadt alleine. Weil die Stadt ist weder in der Lage, noch willens zu sagen: ‘Wir bieten so und so viel Geld an'”, erläuterte der Stadtrat.

Abgesehen von der Kultur ressortieren bei Mailath-Pokorny nun seit kurzem neben dem Sportbereich auch die städtischen Informationsagenden und damit der umstrittene, weil millionenschwere PID. Der Stadtrat bekennt sich zur zwischen SPÖ und Grünen informell vereinbarten Kürzung des Budgets bzw. des Inseratenetats um ein Drittel. “Es gibt eine Vorgabe aus den Koalitionsgesprächen zu dieser Drittel-Reduktion und an die werde ich mich halten”, versicherte er.

Reduzierung der PID auf Anzeigenschaltung “zu Unrecht”

Anzeigenschaltungen per se hätten aber durchaus ihre Berechtigung: “Man muss auch daran denken, dass der PID eine Hundertschaft von Medien unterstützt, die ohne diese Förderung schlechter bis gar nicht existieren könnten. Es geht auch um Vielfalt.” Die Kritik, dass die meisten Werbemittel Boulevardmedien zugutekommen, kann er nicht ganz verstehen. “Es macht Sinn, dass man – wenn man der Bevölkerung gewissen Dinge mitteilen will – das am besten über Medien mit entsprechenden Auflagen erreicht”, sagte der SPÖ-Politiker.

Überhaupt werde der PID – “wie ich meine zu Unrecht” – auf die Anzeigenschaltungen reduziert. Dabei sei sein Aufgabengebiet viel größer, verwies er etwa auf die digitalen Herausforderungen oder notwendige schnelle Info-Flüsse im Zuge der Flüchtlingskrise. “Jetzt muss man schauen, wie man trotz der reduzierten Mittel die in Wahrheit gestiegenen Aufgabenstellungen des PID als Informations- und Serviceagentur der Stadt im 21. Jahrhundert sicherstellt”, so Mailath-Pokorny. Das werde Aufgabe der neuen PID-Leitung sein, die im kommenden Halbjahr ausgeschrieben werde.

Was die Sportagenden anbelangt, die der Kulturressortchef seit wenigen Wochen zusätzlich innehat, sieht Mailath-Pokorny seine Grundaufgabe in der Erhaltung, Pflege und Vermittlung der insgesamt 2.500 Sportstätten Wiens: “Und auch in den Stadtentwicklungsgebieten muss man Sportmöglichkeiten mitdenken.” Zu den laufenden gerichtlichen Streitigkeiten rund um das Sanierungsdebakel im Stadthallenbad will er sich nicht äußern – nur soviel: “Mir ist wichtig, dass das Bad geöffnet ist, alles andere ist Sache der Juristen.” Seine ersten Amtshandlungen als Sportverantwortlicher hat Mailath-Pokorny schon hinter sich – die Weihnachtsfeiern von Rapid und Austria. Er wolle seine Sympathien gleichmäßig verteilen, versicherte der bekennende Austrianer.

(apa/red)

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