Kultur-Herbst in Wien zeigt Ausstellungen von Cornell bis Klimt

Der Kultur-Herbst in Wien wird bunt.
Der Kultur-Herbst in Wien wird bunt. - © APA (Sujet)
Das kommende Herbst-Programm der Wiener Kulturinstitutionen zeigt sich bunt – von Munch über Cornell bis Klimt ist alles dabei. Auch mit Oliver Rathkolbs Konzept “Haus der Geschichte” könnte es zu einer musealen Neugestaltung des Heldenplatzes kommen.

Einen der herbstlichen Publikumsmagneten bietet die Albertina ab 25. September mit ihre Edvard-Munch-Schau “Liebe, Tod und Einsamkeit”, die den norwegischen Expressionisten (1863-1944) als “Pionier der Druckgrafik” mit rund 120 seiner bedeutendsten Werke feiert. Darunter finden sich berühmte Exponate wie der “Schrei”, die “Madonna” oder der “Kuss”. Davor steht bereits die “kurze aber intensive Verbindung zwischen vermeintlich grundverschiedenen Künstlern” im Zentrum von “Lyonel Feininger und Alfred Kubin”. Ab 4. September sind rund 100 Gemälde und Grafiken zu sehen, darunter erstmals jene Werke, die Feininger und Kubin miteinander tauschten.

Herbst-Programm in der Albertina

Ein neues Ausstellungsformat etabliert man in der Albertina bereits ab Donnerstag (27. August) mit “Black & White”: Aus ihrem rund 100.000 Fotografien umfassenden Bestand zeigt die Fotoabteilung in den erst kürzlich eingerichteten Galleries for Photography regelmäßig wechselnde Sammlungspräsentationen. Und ab 16. Oktober steht anlässlich einer außergewöhnlichen Schenkung von 29 Meisterzeichnungen “Die Sammlung Arthur Feldmann und die Albertina” im Mittelpunkt einer kleinen Schau.

Weiblichkeit im Unteren Belvedere

Die Variationen, die Stars der Wiener Moderne in Szene zu setzen, sind mannigfaltig. Und so untersucht man im Unteren Belvedere ab 22. Oktober in der Ausstellung “Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen” deren unterschiedliche Zugänge zur Darstellung der Weiblichkeit. Eine umfassende Einzelausstellung an gleich zwei Schauplätzen erfährt der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson, dessen Schlüsselwerke aus zwei bedeutenden internationalen Sammlungen sowie neu kommissionierte Arbeiten ab 21. November unter dem Titel “Baroque Baroque” im Winterpalais des Prinzen Eugen und TBA21-Augarten zu erleben sind. Drei Tage davor rückt das Obere Belvedere Gerhart Frankl im Rahmen der “Meisterwerke im Fokus” ins Licht. Ein “wesentlicher Vertreter der österreichischen Nachkriegsavantgarde” hält unterdessen bereits ab 8. Oktober mit Hans Bischofshausen in der Orangerie Einzug.

21er Haus zeigt Konsum- und Alltagswelt

Ein “spannungsvolles, spielerisches und manchmal auch unerwartetes Aufeinandertreffen von und mit Werken aus der Sammlung” verspricht man im 21er Haus, wo ab dem 9. September Werke von u.a. Georg Baselitz, Herbert Boeckl, Kiki Kogelnik oder Otto Zitko in Dialog treten. Die Kunst-, Konsum- und Alltagswelt ist Thema der Arbeiten des 1970 in Sofia geborenen Künstlers Plamen Dejanoff, dem man ebenfalls im 21er Haus eine Ausstellung widmet (ab 26. September).

“Wanderlust” im Kunsthistorischen Museum

Ab 20. Oktober zeigt das KHM in einer Kooperation mit der Royal Academy of Art, London, die Ausstellung “Joseph Cornell: Wanderlust” – die erste Museums-Präsentation des US-Künstlers (1903-1972) in Österreich. Berühmt wurde der Autodidakt vor allem mit seinen “box sculptures”, Schaukästen mit Alltagsgegenständen, die in ungewohnte formale und inhaltliche Zusammenhänge gebracht wurden. “Feiert das Leben!” nennt sich eine Ausstellung in Kooperation mit der Caritas, in der bereits ab 29. September zehn “Lebensmasken” zu sehen ist. In der Ankündigung heißt es dazu: “Das Sterben und der Tod werden meist aus dem Alltag ausgeblendet und verdrängt.” Mit “Ganymed Dreaming” wird das literarisch-theatrale Erfolgsformat ab 23. September fortgesetzt.

Programm im Leopold Museum und Bank Austria Kunstforum

In einen “Farbenrausch” tauchen die Besucher ab 9. Oktober im Leopold Museum, wo “Meisterwerke des deutschen Expressionismus” aus der Sammlung des Osthaus Museum in Hagen gezeigt werden. Den Aufbruch der deutschen Avantgarde in die Moderne kann man u.a. anhand von Arbeiten der Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller und Karl Schmidt-Rotluff nachverfolgen. Ab dem 30. Oktober folgt mit “Sengl Malt” eine Retrospektive des in Wien lebenden und arbeitenden Künstlers Peter Sengl.

“Bahnbrechende Errungenschaften der russischen Avantgarde” anhand von Künstlerpaaren präsentiert das Bank Austria Kunstforum mit der Schau “Liebe in Zeiten der Revolution” ab 14. Oktober. Vertreten sind Künstlerpaare wie Warwara Stepanowa und Alexander Rodtschenko oder Natalja Gontscharowa und Michail Larionow, die “sämtliche Sparten künstlerischen Schaffens mit Theoriebildung und ästhetischer Aktion verknüpften und über ihre Kunst den politischen Anspruch nach einer Lebensveränderung formulierten”.

Politischer Populismus in der Kunsthalle Wien

Direktor Nicolaus Schafhausen kuratiert die große Herbst-Ausstellung in der Kunsthalle Wien, die sich nur wenige Wochen nach der Wien-Wahl mit einem wichtigen Thema unserer Zeit auseinandersetzt: Ab 6. November widmet man sich dem “Politischen Populismus”. Dieser sei nicht nur auf dem Vormarsch, “er bedient sich auch wesentlich stärker popkultureller wie künstlerischer Verfahren und Ästhetiken als noch in früheren Jahren”, heißt es in der Ankündigung.

Im Zentrum der Arbeiten von Künstlern wie Flaka Haliti, Johanna Kandl oder Ahmet Ögüt steht die künstlerische Reflexion auf “rappende Politiker, speziell auf Jugendliche abgestimmte Youtube-Clips, Fernsehformate oder Popkonzerte, die politische Themen besetzen und Ressentiments gesellschaftsfähig machen wollen”. Dem amerikanischen Komponisten, Musiker, Performer und bildenden Künstler Charlemagne Palestine widmet man die Schau “GesammttkkunnsttMeshuggahhLaandtttt” in der Karlsplatz-Dependance (ab 18. September).

Secession: Video-Installationen und Feminismus

2008 wurde der britische Videokünstler Mark Leckey mit dem Turner-Preis ausgezeichnet. In der Secession sind ab 11. September u.a. seine Video-Installationen zu Themen wie dem Phänomen des Techno-Animismus oder der Jugend-, Clubkultur und Dancehall in England zu sehen. Parallel zeigt man die erste österreichische Ausstellung der US-Künstlerin Emily Roysdon, deren Arbeiten “mit Blick auf und aus queeren, feministischen, antirassistischen, kritischen Bewegungen heraus” entstehen.

Meyerowitz-Schau im Kunsthaus Wien noch bis November

Im Kunsthaus Wien wird die aktuelle Schau von Joel Meyerowitz noch bis November gezeigt. In der neuen “Galerie” versammelt man ab 3. September in “Wie wir leben” zehn künstlerische Positionen zu “reflektierten Auffassungen von Lebensraum”, in der “Garage” steht zeitgleich der Verlust der Artenvielfalt im Zentrum, der den Schwerpunkt für das Projekt “realLimited” des Designerduos mischer traxler bildet.

Architekturzentrum Wien zeigt Geschichte

“Wie stark ist das architektonische Tun von gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen geprägt, und wieviel Zufall ist im Spiel?”, fragt man im Architekturzentrum Wien (Az W) ab 3. September in der Schau “Ein Raum für Fünf. Zwanzig Architekturjahre”, in der nach ihrer Ausstellung im Jahr 1995 erneut die Architekten Dieter Henke, Marta Schreieck, Rüdiger Lainer, Walter Stelzhammer und Albert Wimmer ihren Zugang zur Architektur verhandeln. Es folgt ab 22. Oktober die Schau “Max Fabiani. Architekt der Monarchie”, in der man noch einmal das 150. Jubiläum der Wiener Ringstraße aufgreift.

Wien Museum widmet sich Kunstszene der 1980er

Der Galerie Pakesch und der Kunstszene der 1980er Jahre widmet das Wien Museum ab 24. September seine Herbstausstellung. In der Schau “Ballgasse 6” – nach der Adresse der Galerie von Peter Pakesch (nunmehr Leiter des Universalmuseums Joanneum Graz) benannt – wird das Archiv der einstigen Institution, die Künstler wie Herbert Brandl, Otto Zitko oder Josef Danner förderte, aufbereitet. Auch Heimo Zobernig, der heuer auf der Biennale mit seiner Neuinterpretation des österreichischen Pavillons für Aufsehen sorgte, gehörte zur “Pakesch-Truppe”. Das Kunsthaus Bregenz widmet ihm ab 7. November eine große Einzelausstellung, in der er laut Ankündigung auch “die künstlerischen Prämissen des White Cube und der Black Box zusammenbringen” wird, wie der ehemalige KUB-Leiter und Biennale-Kommissär Yilmaz Dziewior bei der Programmpräsentation ankündigte.

Herbst-Programm im Essl Museum

Unter dem Titel “Konkrete Kunst” zeigt das Essl Museum ab 9. Oktober eine Personale der Künstlerin Johanna Kandl. Das Publikum erwartet laut Ankündigung überwiegend neue Arbeiten aus dem Atelier. Darin “geht sie der Malerei buchstäblich auf den Grund und untersucht deren Ausgangsmaterialien wie Terpentin, Gummi arabicum, Mastix, Perlleim oder Leinnöl auf ihre Stofflichkeit und Herstellung”. Den “Rabenmüttern” widmet sich das Lentos ab 23. Oktober und untersucht unter dem Untertitel “Zwischen Kraft und Krise” Mütterbilder von 1900 bis heute.

Kunsthaus Graz und Salzburger Museum

Im Kunsthaus Graz widmet sich der chinesische Künstler Xu Zhen ab 27. September “Vorurteilen und Normen, Definitionen von Identität in Verbindung mit Kulturgut, Erbe und Aufarbeitung unter den Bedingungen einer sich angleichenden, globalen, konsumorientierten Gesellschaft”. Das Salzburger Museum der Moderne würdigt den diesjährigen Otto Breicha-Preisträger Leo Kandl ab 31. Oktober mit einer Ausstellung und schafft so einen Überblick über sein fotografisches Werk.

(APA)

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