16. Juni 2009 09:08; Akt.: 28.09.2011 00:27

Kultband A-ha ist mit neuem Album am Start

Als wäre die Zeit stehen geblieben Als wäre die Zeit stehen geblieben - © Universal
Lange war es still um sie, doch nun sind die Norweger wieder auf Chartkurs. A-ha – Sänger Harket schwärmt vom “besten Album seit langer Zeit”.

Erfolg ist nicht immer auch ein Garant für Freiheit: Zwar hat die norwegische Band A-ha mit “Take On Me” in den 80er Jahren einen Welthit geschaffen und mit dem dazugehörigen Video auch noch die optische Umsetzung von Popmusik in neue Bahnen gelenkt. Doch bei den Aufnahmen zum neuen Album “Foot Of The Mountain” (Universal) fühlte sich die Band “freier” als zu jener Zeit, als die Musiker auf zahllosen Postern in Mädchenschlafzimmer zu sehen waren. Denn mit dem Erfolg umzugehen war “mehr als ein Vollzeitjob”, sagt Sänger Morten Harket im APA-Gespräch.

Beim neuen, eben erschienenen Longplayer “Foot Of The Mountain” wollte sich die Band in eine musikalisch andere Richtung bewegen, als “wir das in den vergangenen Jahren gemacht haben”: “Wir haben uns wieder in einen Raum gesetzt, mit Synthesizern” und einem Zugang zum Komponieren, der von Soundprogrammierung geprägt war. Herausgekommen ist ein stark von elektronischen Klängen geprägtes Album, das zwar zahlreiche eingängige Melodien hat, dessen Klangspektrum aber weit über Hitparadenpop hinausgeht. Und das durchaus entspannt und heiter ist: So klingen Songs wie “Start The Simulator” so, als hätten Depeche Mode endlich die richtige Dosis bei den Antidepressiva herausgefunden. “Es war ein guter Prozess, der uns zurückgebracht hat zu jener Zeit, als wir unseren Sound gefunden haben. Das war belebend.” Für Harket ist der Longplayer “ein gutes Album, das beste, das wir seit langer Zeit gemacht haben.”

Kein A-ha-Interview kommt ohne den Hinweis auf “Take On Me” aus. Und ebenso unausweichlich scheint der Hinweis darauf, dass Harket unglaublich jung aussieht – immerhin wird der fitte Mann mit dem jugendlichen Äußeren am 14. September 50 Jahre alt. Begleitet die Promotion für eine neue Platte da nicht zuweilen das Gefühl, wie Sisyphos immer wieder am Fuß des Berges neu anfangen zu müssen, wie es ja auch im Plattentitel heißt? Diese Interpretation “hat schon was”, sagt Harket nach kurzem Nachdenken. “Aber ich empfinde es nicht so. Natürlich ist das ein langwieriger Prozess, mit vielen Interviews”, bei denen man sich “ständig wiederholt”, da man “immer wieder über die selben Sachen aus anderen Blickwinkeln spricht”. Aber “wenn man stolz darauf ist, was man gemacht hat”, dann ist der Interviewreigen in zahlreichen Ländern “eine gute Sache: Ich finde es aufregend zu wissen, dass ich nach Wien fahre, wo ich schon einige Jahre nicht mehr war. Auch wenn man dann letztendlich nicht viel davon sieht.”

Dass der beim Interview Heuschnupfen-geplagte Harket aussieht, als wäre er 30 und nicht knapp 50, “ist wie es ist”, sagt der Sänger. “Das bin einfach ich, ich tue auch nichts besonderes dafür.” Es sei “nett”, Komplimente für das jugendliche Aussehen zu bekommen. “Ich lebe mein Leben nicht dumm: Ich trinke so gut wie nie viel, ich habe nie Drogen genommen. Und ich esse ziemlich bewusst. Aber das ist auch schon alles. Ich bin einfach ich.”

Dasselbe gelte auch für “Take On Me”, jenen Song, der nicht zuletzt wegen des optisch herausstechenden Videos zur “selbstständigen Ikone” geworden ist. Der Song “lebt sein eigenes Leben”, sagt Harket. “Wir können das gar nicht mehr beeinflussen. Das ist cool. Wir wünschen ihm viel Glück!” In den Anfangstagen des weltweiten Erfolges der norwegischen Band mit dem Bleistiftvideo “hatten wir Probleme damit, dauernd darüber befragt zu werden. Immer und immer wieder. Wir hatten uns weiterbewegt.” A-ha habe damals zwar “ausgesehen wie eine Band, bei der es um Image und Aussehen geht. Aber das war uns nie wirklich wichtig. Das haben die Magazine gebraucht. Wir waren naiv – auch in unserer Reaktion darauf.” Denn die Band fühlte sich durch den Erfolg von jenen Aspekten des Musikmachens entfremdet, die für die Musiker wichtig waren. “Und das hat dazu geführt, dass wir uns vom Erfolg abgewendet haben. Das wäre nicht notwendig gewesen. Wir hätten weiter jene Musik machen sollen, die uns wichtig war. Wenn wir jemals einen Fehler gemacht haben, dann das.”

Harket, der selbst schon mehrere Soloalben herausgebracht hat (zuletzt “Letter From Egypt”), begnügt sich bei A-ha weitgehend mit der Position des Sängers. “Bei A-ha schreiben Magne (Furuholmen, Anm.) und Pal (Waaktaar-Savoy, Anm.) die Songs. Das war nie eine Umgebung, die meine Mitarbeit gebraucht hat oder danach gefragt hat.” Zwar habe er einige Songs (darunter “Take On Me”) mitverfasst. “Aber das war nie eine treibende Kraft. Das könnte sich einmal ändern. Aber derzeit geht mein Songwriting anderswo hin.”

Das einzige Ziel, das sich die Band (bekannt auch u.a. für “Sun Always Shines On TV”) bei ihrem Comeback zur Jahrtausendwende gesetzt hat, “ist, dass wir zusammen aktiv Musik machen. Und das erfüllen wir.” “Doch “natürlich sehnt sich das Herz nach Publikumszuspruch. Und es ist großartig, dass wir eine derartige Resonanz haben”.

Die Band im Interview:


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