Kritik an US-Polizei nach tödlichen Schüssen auf Gehörlosen

Wegen tödlicher Schüsse auf einen gehörlosen Mann ist die Polizei in der US-Stadt Oklahoma City heftig ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Magdiel Sanchez sei in seinem eigenen Haus erschossen worden, ohne das Geringste verbrochen zu haben, erklärte Allie Shin von der Bürgerrechtsorganisation ACLU am Donnerstag.

Nur weil jemand nicht auf Anweisungen höre, sei dies kein Grund, tödliche Gewalt gegen ihn anzuwenden. Auch die Gehörlosen-Vereinigung in der Stadt äußerte Unverständnis. “Ich weiß nicht, wie die Situation so schnell eskalieren konnte”, sagte JR Reininger, einer deren Vertreter, dem Sender KWTV. Er forderte eine bessere Ausbildung der Sicherheitskräfte.

Polizeibeamte waren am Dienstag zu dem Haus der Familie Sanchez gekommen, weil sie einen Mann wegen Unfallflucht suchten. Dort fanden sie dessen Sohn, den 35-jährigen Magdiel Sanchez, vor. Dieser hielt in seiner rechten Hand eine etwa 60 Zentimeter lange Metallstange mit einer Lederschlaufe an einem Ende, die die Polizisten nach eigenen Angaben für eine Waffe hielten.

Als Sanchez nicht auf die Aufforderung reagierte, die vermeintliche Waffe fallenzulassen, setzte ein Polizist eine Taserwaffe ein, der andere schoss dagegen scharf. Sanchez starb vor seinem Haus. Zuvor hatten Nachbarn nach eigenen Angaben noch versucht, das Drama zu verhindern, und geschrien: “Er kann Sie nicht hören!”

Keiner der beiden Beamten trug eine sogenannte Bodycam, die den Vorfall aufgezeichnet hätte. Die Polizei befragte jedoch zahlreiche Zeugen. Polizeichef Bill Citty kündigte laut der Zeitung “The Oklahoman” an, er wolle Vertreter von Behinderten treffen.

(APA/ag.)

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