Kritik an HC Strache für 12-Stunden-Tag

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ÖVP und FPÖ einigten sich am Mitttwoch auf eine Reihe von Maßnahmen im Wirtschaftsbereich, darunter die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Das es dann möglich sein kann, bis zu zwölf Stunden am Tag beziehungsweise bis zu 60 Stunden in der Woche zu arbeiten, kommt bei vielen Strache-Fans nicht gut an.

Vor allem der sogenannte “kleine Mann”, die “Hackler” unter der östereichischen Wählerschaft, die sich in großer Zahl von der FPÖ am besten vertreten sahen, fühlen sich an einen schlechten Scherz erinnert.

Künftig soll es die “Neuregelung zur Felxibilisierung und Entbürokratisierung der Arbeitszeitgesetze (Arbeitszeitgesetz,Arbeitsruhegesetz) ermöglichen, einen 12-Stunde-Tag einzuführen. Zwar sollen kollektivvertragliche Regelungen der wöchentlichen Arbeitszeit und die gesetzliche wöchentliche Normalarbeitszeit von 38,5 bis 40 Stunden unangetastet bleiben. Jedoch ermögliche die Neuregelung eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung in Absprache mit den Betriebsräten oder, wenn es solche nicht gibt, in Einzelvereinbarungen, heißt es im ÖVP-FPÖ-Papier.

In den sozialen Netzwerekn und insbesondere auf der Facebook-Seite von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hagelt es seitdem Kritik.

“Wenns weiter an den Arbeiterrechten herum pfuschts, könnts euch bei der nächsten Wahl zu den Grünen gesellen”, so ein aufgebrachter User.

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Oder: “Hej, warum zwingt ihr uns mehr und länger zu arbeiten? Ich dachte ihr vertritt uns? Ich bin sehr enttäuscht von Strache.”

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Strache reagiert

Parteichef Strache lässt mit einer Reaktion nicht lange auf sich warten. Berichte über den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche seien “Fake News”. Das Regierungsprogramm sei ein klares Bekenntnis zum 8-h-Arbeitstag und zur 38,5- bis 40-Stunden-Woche. Die “freiwillige und felxible Lösung”, die zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden könne sei “auf Wunsch und zum Vorteil des Arbeitnehmers, der Familie und aller Betroffenen!“

Die User auf dessen Facebook-Seite sind von der Flexibilisierung jedoch nicht sonderlich begeistert. “Jeder Arbeiter, der dieser “freiwilligen” Aktion nicht zustimmt, dürfte dann wohl einem “flexibleren” Platz machen dürfen”, befürchten die einen:

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Die anderen fürchten um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. “Welche Lösungsansätze gibt es für Berufstätige Mütter, wenn sie kurzfristig auf einen 12 Stundentag erhöhen müssen, weil vom Chef so gewünscht aber die Kinderbetreuung für diese flexible Regelung nicht gegeben ist?”

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Empörte Reaktionen

Auch bei Arbeitnehmervertretern, SPÖ und Grünen sorgt die Möglichkeit eines 12-Stunden-Tages für Empörung. Für die Produktionsgewerkschaft ProGe ist diese Erfüllung einer langjährigen Arbeitgeber-Forderung unter anderem ein Ergebnis der Großspenden aus der Wirtschaft für den Nationalrats-Wahlkampf von Sebastian Kurz (ÖVP).

AK-Präsident Rudi Kaske warnt wiederum davor, dass die geplante Regelung eine “Einbahnstraße” für die Arbeitnehmer werde, von der nur die Arbeitgeber profitieren würden. “Bei der Arbeitszeit geht es nicht nur um die Wünsche der Wirtschaft. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben ein Recht auf Familienleben und Freizeit”, so Kaske.

Für Wolfgang Katzian, Vorsitzender der FSG (Fraktion der Sozialdemokratischen GewerkschafterInnen), bedeuten die Pläne von ÖVP und FPÖ “mehr Arbeit für weniger Geld”. Eine Ausdehnung der Arbeitszeit berge die Gefahr, dass Unternehmen die Überstunden zur Regel machten und in Folge die Überstundenzuschläge streichen könnten.

Angriff auf Familien

Der steirische Landeshauptmann-Stv. Michael Schickhofer (SPÖ) verweist auf die dadurch schwieriger werdende Vereinbarkeit von Beruf und Familie: “Natürlich werden vor allem viele Frauen in Zukunft zwölf Stunden arbeiten müssen – obwohl gerade die Frauen sehr oft den Kinderbetreuungspflichten nachkommen oder den Haushalt neben ihrem Job erledigen. Was haben die Frauen davon, wenn es in der ohnehin stressigen Weihnachtszeit heißt: ‘Jetzt musst Du 60 Stunden arbeiten. Du kannst dann eh im Jänner am Dienstag und Mittwoch daheim bleiben.'”

SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek erinnerte heute daran dass “in den meisten Regionen Österreichs die Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen gar nicht auf 12-Stunden-Tage der Eltern ausgerichtet” sind. Monika Vana, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion im Europaparlament, sieht in den ÖVP-FPÖ-Plänen wiederum einen “massiven Angriff auf die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer”.

(APA/red)

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