Kriminalfall Julia Kührer: Vor zehn Jahren verschwand die Schülerin

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Am 27. Juni 2006 verschwand Julia Kührer
Am 27. Juni 2006 verschwand Julia Kührer - © APA/GEORG HOCHMUTH
Ein Aufsehen erregender Kriminalfall hat vor zehn Jahren im Weinviertel seinen Ausgang genommen: Am 27. Juni 2006 verschwand die 16-jährige Julia Kührer aus Pulkau. 2011 wurde ihre skelettierte Leiche im nahen Dietmannsdorf auf dem Grundstück eines Mannes gefunden, der in Pulkau eine Videothek hatte.

Er wurde 2013 wegen Mordes verurteilt, sein Anwalt bemüht sich um die Verfahrenswiederaufnahme.

Das Verschwinden von Julia Kührer

Die Schülerin war – knapp nach der Trennung von ihrem Freund – das letzte Mal gesehen worden, als sie an jenem Nachmittag von der Schule in Horn kommend den Bus am Hauptplatz ihres Heimatortes verließ. Intensive Ermittlungen blieben erfolglos. Anfang 2010 rollte das Bundeskriminalamt den Fall neu auf, ging mehr als 150 Hinweisen nach und nahm vorübergehend drei Jugendliche fest.

Gut ein Jahr später, im April 2011, setzte das Bundeskriminalamt eine Belohnung in der Höhe von 25.000 Euro aus. Ende Juni 2011 kletterten dann zwei Nachbarn über den Zaun, um den Erdkeller des in Julias damaliger Clique “DVD-Michi” genannten Wieners zu durchsuchen – weil er schon lange den Verdacht hatte, die Leiche des Mädchens könnte dort verborgen sein, sagte der Zeuge beim Prozess. Die Männer fanden tatsächlich, unter Schutt und Erde verscharrt, die sterblichen Überreste der Vermissten, worauf der Ex-Videothek-Betreiber erstmals festgenommen wurde. Er bestritt jeden Zusammenhang – Unbekannte hätten die Tote auf seinem Grundstück abgelegt – und wurde mangels Tatverdachts wieder enthaftet.

Festnahme von Videotheksbesitzer in Dietmannsdorf

Nachdem sich seitens der Gerichtsmedizin keine Todesursache mehr feststellen ließ, wurde die Leiche des Mädchens im Jänner 2012 zur Beerdigung freigegeben. Wegen DNA-Spuren auf einem bei der Toten gefundenen, verkohlten Deckenrest wurde der mittlerweile 51-Jährige im Dezember 2012 erneut festgenommen.

Im September 2013 wurde dem Mann, der sich nicht schuldig bekannte, der Prozess gemacht. Gestützt auf Indizien und Gutachten lautete die Anklage auf vorsätzliche Tötung, wenn auch auf nicht mehr feststellbare Weise. Aus Angst vor Entdeckung habe der Beschuldigte die Leiche dann nach Dietmannsdorf gebracht, in seinem Erdkeller versteckt und angezündet. Nach Annahme der Staatsanwaltschaft war die Schülerin in die Videothek gegangen, um Drogen zu erwerben, der Mann habe sich ihr in sexueller Absicht genähert und zugeschlagen, wie ein ausgebrochener Zahn beweisen würde.

Mordprozess ein Korneuburg endet mit Schuldspruch

In der sieben Tage dauernden Verhandlung wurden rund 100 Zeugen gehört, sechs Sachverständige legten ihre Expertisen dar. Schlussendlich entschieden die Geschworenen mit 7:1 Stimmen auf Mord. Der Wiener wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, die das Oberlandesgericht Wien – nach Berufung durch seinen damaligen Verteidiger Farid Rifaat – ein halbes Jahr später auf 20 Jahre herabsetzte.

Seit geraumer Zeit recherchiert nun Rechtsanwalt Wolfgang Blaschitz Grundlagen für eine angestrebte Wiederaufnahme des Verfahrens. Er wolle einen entsprechenden Antrag “im Lauf des Juli” stellen, sagte er der APA unter Hinweis auf diverse im Akt aufgetauchte Unterlagen. Bereits im Herbst 2015 war die Rede von neuen Zeugen zur – allerdings altbekannten – Theorie, wonach der Ex-Freund die 16-Jährige nach deren Drogentod im Keller des Verurteilten abgelegt haben soll.

(apa/red)

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