Korn live im Wiener Gasometer: “Die Maschine funktioniert wieder”

Korn ließen am Montag den Gasometer springen.
Korn ließen am Montag den Gasometer springen. - © APA
Es war an der Zeit: Seit mehr als 20 Jahren sorgt die US-Metalband Korn mit wütenden Lyrics und tiefgestimmten Gitarren für Freudensprünge bei Fans. Am Montagabend gab es ein nostalgisch-hartes Schwelgen im Wiener Gasometer.

Einer Hochphase in den 90er-Jahren folgten Experimente mit fragwürdigem Ausgang, bevor in jüngerer Zeit wieder Kontinuität einzog. Die bewies man auch am Montagabend im Wiener Gasometer – trotz grober Soundprobleme.

Der Anlass für den Besuch hört auf den Namen “The Serenity Of Suffering” und ist das zwölfte, im vergangenen Herbst vorgelegte Album der Gruppe aus Bakersfield. Die Rückbesinnung auf alte Werte wurde schon zuvor immer wieder angekündigt, diesmal aber wirklich umgesetzt. “Die Maschine funktioniert wieder”, betonte Gitarrist James “Munky” Shaffer vor dem Auftritt. Schon beim Vorgänger “The Paradigm Shift”, als Gründungsmitglied Brian “Head” Welch wieder an Bord kam, “spürten wir diese Energie. Wir mussten einfach aus unserer Komfortzone raus.”

Korn mit bekannter Authentizität

Denn auch nach all den Jahren sei es für die Band keine Selbstverständlichkeit, ihre Kreativität ausleben zu können. “Ein kleiner Schubs war schon notwendig”, sinnierte Shaffer. “Gerade Head und ich wollten etwas anderes ausprobieren und die anderen überzeugen. Am Ende hatten wir 20, 30 Ideen und Snippets, auf die wir aufbauen konnten. Es war ein bisschen wie früher: Einfach nur wir, unsere Instrumente und ein heruntergekommener Proberaum in Los Angeles”, lachte der Musiker. Herausgekommen ist aber natürlich keine Garagenversion der Nu-Metal-Veteranen, sondern neuerlich ein Hochglanzprodukt, das aber wieder mehr Authentizität versprüht.

Insofern war es kein Wunder, dass Songs wie “Rotting in Vain” mit seiner dynamischen Bandbreite oder das mächtig nach vorn walzende “Insane” den Konzerttest und somit die direkte Gegenüberstellung mit älteren Hits gut überstanden. Ohnehin wissen Korn um Sänger und Aushängeschild Jonathan Davis, was ihre Anhänger erwarten: Schnellschüsse wie “Twist”, das ganz von einer herrlich abseitigen Psychoshow des Frontmanns getragen wurde, oder die Ohrwürmer “Freak On A Leash” und “Falling Away From Me” gingen eine passable Symbiose ein, bei der in punkto Einsatzfreude vom Quintett (live zusätzlich unterstützt von einem Keyboarder) wenig bemängelt werden konnte.

Kurzes, aber intensives Konzert im Gasometer Wien

Überzeugend gelang der Auftritt aber dennoch nur in ganz wenigen Momenten. Das lag allerdings nicht an den selten eingestreuten, eher melodischen Geheimtipps wie “Good God” oder “Make Me Bad”, sondern an einer unterirdischen Akustik im Gasometer. Allen voran das überdimensionale Schlagzeugspiel von Ray Luzier rollte über die restliche Truppe hinweg, als ob es kein Morgen gäbe, und ertränkte allfällige Nuancen endgültig. War das eine kleine Gitarrenfigur, dort ein gesanglicher Akzent von Davis? Seriöse Urteile darüber konnte man nicht fällen. Den Besuchern im ausverkauften Venue schien es einerlei – sie feierten den kurzen, aber intensiven Gig von der ersten Sekunde an. Selbst eine völlig versemmelte Version von “Word Up” konnte das Vergnügen nicht trüben.

Und die Gruppe ist sich der besonderen Verbindung zu ihren Fans bewusst. “Die Musik ist ein Tor für Jonathan, um seine Emotionen, Erfahrungen und seinen Schmerz mit anderen zu teilen. Er holt die Leute rein”, unterstrich Shaffer. “Wenn wir ein Album machen, dann sind wir wie bei einem Theaterstück für das Bühnenbild zuständig. Jonathan kann dann darin eintauchen, sich inspirieren lassen. Diese Momente sind einfach großartig. Wir müssen nur die Mittel nutzen, die uns mitgegeben wurden.” Dass man dabei auch Höhen und Tiefe durchlebt, sei klar. “Schließlich sind Veränderungen wichtig, sonst wird es schal.”

Dass diese Gefahr eine reale ist, konnte man schon mehrfach beobachten. Das andere Extrem waren Zusammenarbeiten mit Popproduzenten, kopflastige Ausflüge in Prog-Rock-Gefilde und sogar eine komplette Platte mit Electronic- und Dubstep-Kollegen, was einerseits von einer gewissen Beliebigkeit, andererseits aber auch dem Hunger nach Neuem zeugte. Angekommen ist man nun wieder beim Bewährten – und gibt sich zufrieden damit. “Ich bin sehr dankbar dafür, das immer noch machen zu können”, so Shaffer. “Davon träumt doch jedes Kind, oder? Ein Rockstar sein! Aber natürlich ist es auch harte Arbeit.”

(APA)

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