Korida – Trailer und Kritik zum Film

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Korida – Trailer und Kritik zum Film
“Korida” ist ein eindringliches Porträt Zentralbosniens: Es zeigt den wenig bekannten bosnischen Stierkampf, den Zustand von Landes und Leuten – viele von ihnen zurückgekehrte Flüchtlinge.

Die Dokumentation “Korida” beginnt mit österreichischen Wochenschau-Bildern aus den 1970ern: “So viele Menschen auf einer Wiese, was kann das bedeuten?” Es handelte sich um eine Korida, ein Kampf Bulle gegen Bulle, der in den wenigsten Fällen blutig ausgeht und Volksfest-Charakter hat. Zwischen den Bildern, die darauf folgen, von einer Korida heutzutage, liegen 50 Jahre, der Zerfall des Gesamtstaates und ein langer Krieg. Bei der Korida hat sich rein äußerlich nichts verändert, bis auf ein paar Holzzäune und eine Art Showtruck, von dem aus lautstark moderiert und das Filmteam begrüßt wird – “Sinisa Vidovic, einer von uns!”.

Und doch ist alles anders: Viele der Menschen auf den Wochenschaubildern sind nicht eines natürlichen Todes gestorben. Viele mussten Hals über Kopf fliehen, bis nach Österreich, wo sie sich niederließen, arbeiteten, Familien gründeten, teils wieder zurückgingen, aber den Kontakt zur alten Heimat nie verloren haben. Und auch die Kampfstiere – denen an Kampfplätzen Foto-Stelen für “Champs” errichtet wurden – mussten wieder neu gezüchtet werden.

Erzählt wird u.a. die Geschichte des alten Rückkehrers Stipe, der 1992 zum traurigen Ruhm dramatischer TV-Bilder kam, als er einen Lkw an der Spitze eines Flüchtlingskonvois lenkte, und sein damals 14-jähriger Sohn Marco musste im Konvoi einen Traktor fahren, weil es sonst niemand konnte. Marco lebt heute in Traiskirchen und besucht mit seiner Familie den stierzüchtenden Großvater. Ein anderer Stierzüchter ist der sanfte Kampfsportlehrer und Kindergärtner Majuga, der von der Korida schwärmt, weil dann “drei Nationen mit einer Seele in einem Haus” seien. Doch so einfach ist es nicht – als Unbekannte in der Nacht das Auto anzünden, kann ein Züchter nicht mit seinem “Champ” nicht anreisen. Und der Konflikt kocht auch andernorts schnell hoch, wegen der vielen Kämpfe, die das Land erdulden musste. Ein Massengrab aus dem Zweiten Weltkrieg unter einem Korida-Platz lässt die Volksseele kochen, kurzzeitig ist von einem gemeinsamen Haus keine Rede mehr.

Behutsamer, aber eindringlicher Schnitt, eine wundervolle Landschaft, und Menschen mit ihren Vergangenheiten und dem Lichtblick Stierkampf, der für ein paar Tage alle zusammenführt – dem in Kroatien geborenen und in Österreich lebenden Sinisa Vidovic ist zusammen mit Senad Halilbasic ein stilles, 87 Minuten langes Schaustück über einen wenig bekannten Fleck Europas gelungen. Und es ist allemal besser, wenn im Land den Stieren Denkmäler errichtet werden – als den Kämpfern der vielen Kriege.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Korida”

(APA)

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