Königin der Wüste – Kritik und Trailer zum Film

Königin der Wüste – Kritik und Trailer zum Film
Einem fantastischen Filmstoff und großartigen Kulissen widmet sich Werner Herzog in seinem jüngsten Film “Königin der Wüste”. Nicole Kidman mimt darin die britische Wüstenforscherin, Ethnologin und diplomatische Strippenzieherin Gertrude Bell (1868-1926). In der Wüste will sie das Fremde entdecken und dabei letztlich auch sich selbst.

In David Leans “Lawrence von Arabien” kam sie nicht vor, und in “Der englische Patient” wurde sie kurzerhand zum Mann gemacht: Dabei spielte die britische Wüstenforscherin Gertrude Bell eine zentrale Rolle bei der Neuordnung des Nahen Ostens im untergehenden Osmanischen Reich. Der deutsche Regisseur Werner Herzog setzte Bell mit “Königin der Wüste” nun ab Freitag im Kino ein Denkmal.

Inhalt und Trailer zu “Königin der Wüste”

Aus heutiger Sicht war Bell, die 1868 in eine adlige Familie geboren wurde und nach zahlreichen Abenteuerreisen und politischen Funktionen 1925 in Bagdad starb, eine der mächtigsten Frauen der Welt. Wie hart dieser Status erkämpft war, davon legt Herzog in seinem monumental und neugierig angelegten Biopic, das an die großen Leinwandepen vergangener Tage ebenso erinnert wie an britische Fernsehdokus, über zwei Stunden Zeugnis ab. In der Hauptrolle liefert Nicole Kidman eine geerdete Performance ab, während Robert Pattinson als T.E. Lawrence vielleicht als Herzogs ironischer Seitenhieb auf David Lean gedeutet werden darf.

Vom Aufbau her hat Herzog eine überraschend klassische Filmbiografie gebastelt: Die Langeweile im britischen Adelshaus, die Arbeit in der britischen Botschaft in Teheran, die erste große Liebe (James Franco als flirtender Gambler mit poetischer Ader) und deren Verlust – und die Flucht in die Einsamkeit der Wüste, um mit dem Verlust zurechtzukommen. Gegen den Willen der britischen Kolonialherren ist Bell mit den Beduinen unterwegs, lernt die Machtgefüge der einzelnen Stämme kennen, schreibt und fotografiert und gilt bald als hochgeehrte Frau in Arabien.

Kritik zu “Königin der Wüste”

Mit dem 20 Jahre jüngeren T.E. Lawrence arbeitete sie ab 1915 dann als inoffizielle Mitarbeiterin des Geheimdienstes in Kairo, später wurde sie als erste Frau zur Offizierin im Rang eines Majors befördert mit Verantwortung für den Orient. Dass es ihr gelang, Winston Churchill bei der Konferenz von Kairo 1921 von einer weitgehenden Autonomie für Jordanien und den Irak zu überzeugen, gilt heute als ihr größtes politisches Verdienst, wird von Herzog aber nur noch angedeutet. Stärker betont er – wie es sich für ein Wüstenepos gehört – Bells zweite große Liebe und auch deren Verlust.

(APA/Red)

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