“Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen” im Belvedere

Gustav Klimt, Die feindlichen Gewalten (Detail des Beethovenfrieses), 1901/02
Gustav Klimt, Die feindlichen Gewalten (Detail des Beethovenfrieses), 1901/02 - © Belvedere Wien
Ab Freitag, den 23. Juni, ist die Ausstellung “”Klimt und die Antike” in der Orangerie des Unteren Belvedere zu sehen. Laut Direktorin Stella Rollig handelt es sich dabei um eine “Sternstunde des Kuratorischen”.

Die von Tobias Natter gestaltete Schau, die von 23. Juni bis 8. Oktober stattfindet, steckt mit kunsthistorischem Forschergeist an.

Klimt-Ausstellung ab Freitag im Wiener Belvedere

Das Verhältnis Klimts zu antiken Vorbildern ist nicht so konstant, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Seine Beschäftigung erstreckte sich über eine lange künstlerische Laufbahn, die zunächst von Imitation und Studium der Antike geprägt war, nur um sich über den Weg der secessionistischen Stilisierung davon zu befreien und die Grundprinzipien antiker Erotik schließlich in einer ganz eigenständigen Bildsprache zu verhandeln, gleichsam als freie Improvisation über ein klassisches Thema. Kernstück dieser These, erklärte Natter bei der heutigen Pressekonferenz, ist ein von Klimt illustrierter Prunkband der “Hetärengespräche des Lukian”, ein Buch “von solcher Freizügigkeit, dass es heute unglaublich lesbar ist” – und auch Gustav Klimt geizte in seinen Darstellungen nicht mit expliziter Nacktheit.

Gerahmt werden die Plaudereien der antiken Prostituierten und ihre moderne zeichnerische Umsetzung durch Klimt von wesentlich wuchtigeren Werken: So empfängt die Orangerie mit antiken Leihgaben aus dem Kunsthistorischen Museum, darunter etwa der “Musensarkophag” sowie einige Skulpturen. Klimt imitierte diese Vorbilder en detail und nutzte manche Elemente als Zitate in seinen Arbeiten – etwa für die Deckengemälde in Burgtheater und Kunsthistorischem Museum. Vor dessen Eröffnung 1891 waren viele der Werke allerdings im Belvedere zu sehen. “Klimt hat sie also vermutlich genau hier studiert”, so Natter.

Natters Konzept laut Rollig ein “Geistesblitz”

Den Durchgang zum hinteren Teil säumt außerdem ein Teil des Beethovenfries, in dem Klimts Befreiung und Neubefragung antiker Prinzipien bereits zum Tragen kam. “Er arbeitet massiv mit der Leere als Fläche”, erklärte Natter – und wollte den Blick doch lieber auf die weniger bekannten Exponate im hinteren Teil der Orangerie lenken. Da sind die Buchseiten der Hetären ausgestellt – und sehen sich in Vitrinen antiken Vasen aus dem 5. Jahrhundert vor Christus gegenüber, jener Zeit, in der auch Lukian seine Geschichte spielen ließ (wiewohl er selbst freilich ganze 700 Jahre später lebte). Es sei “eine Einladung, die Vasen anders zu sehen”, so Natter, nicht im Vorbeigehen an dutzenden Gefäßen, sondern ihre erotische Bilderwelt als inspirative Motive für ganze Künstlergenerationen wahrzunehmen.

Es hat ein bisschen den Charakter einer Schatzsuche oder eines kunstdetektivischen Rätsels, wenn man Klimts künstlerischer Entwicklung innerhalb der antiken Welt auf die Spur kommen möchte – und diese Forscherlust ist durchaus ansteckend. Stella Rollig sieht in Natters Konzept einen “Geistesblitz”, den man für eine gelungene Ausstellung neben Wissen und Forschung stets brauche. Vor allem, wenn man zu einem Dauerbrenner wie Gustav Klimt noch neue Aspekte enthüllen möchte. Am besten publikumswirksam in den Sommermonaten.

(APA/Red.)

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