Klatsche statt Revanche: Rapid kassiert bittere 0:3-Heimpleite

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Hapoel geigte auch im Happel-Stadion
Hapoel geigte auch im Happel-Stadion - © APA
Bittere Pleite statt erhoffter Revanche: Rapid Wien kassierte in der vierten Runde der Europa League eine deutliche 0:3-Heimniederlage gegen Hapoel Tel Aviv. Ein bitterer Abend für Grünweiß, das von technisch starken Israelis im Wortsinn ausgespielt wurde.

Peter Pacult wäre nicht Peter Pacult, wenn er nicht vor Spielbeginn eine kleine Überraschung parat gehabt hätte. Mit Nikica Jelavic begann nur ein Stürmer, dafür lief Veli Kavlak rechts auf. Eine Maßnahme, die Steffen Hofmann im Zentrum hinter der Solospitze freispielen sollte.

Rapid begann im (bis auf den nur zu einem Drittel gefüllten Auswärtssektor) ausverkauften Happel-Stadion aggressiv, nach sechs Minuten eröffnete sich die erste Chance für Grünweiß: Kavlak scheiterte nach einem Jelavic-Stanglpass an Hapoel-Goalie Vincent Enyeama. Nur Augenblicke später spielte Kavlak nach Doppelpass mit Hofmann den Stanglpass selbst, doch Jelavic und Branko Boskovic rutschten in der Mitte am Ball vorbei. Die Wiener blieben am Drücker, eine Boskovic-Granate aus 30 Metern konnte Enyeama gerade noch entschärfen.

In Führung gingen jedoch die Roten. Buchstäblich aus dem Nichts zog Avihay Yadin aus über 30 Metern ab, sein Schuss wurde von Heikkinen unhaltbar für Payer abgefälscht und prallte von der Innenkante der Latte ins Tor (13.). Mit dem 0:1 nahmen die Israelis den Dampf aus den Rapid-Aktionen, hatten wenig später die Riesenmöglichkeit auf das zweite Tor. Ragnvald Soma verhinderte mit einem meisterhaften Tackling im Strafraum den Abschluss des durchgebrochenen Samuel Yeboah (20.).

Die Rapidler agierten nun verunsichert, fast körperlos, Hapoel hatte Raum und Zeit im Mittelfeld. So kamen die technisch starken Gäste zur nächsten großen Chance. Etey Shechter hatte bereits Helge Payer überspielt, traf jedoch aus spitzem Winkel nur das Außennetz.

Die Israelis zogen sich in der Folge weit zurück, standen mit zehn Mann hinter dem Ball. Rapid kam nicht mehr richtig ins Spiel. Für Gefahr konnten die Grünweißen nur noch aus Standardsituationen sorgen. Mehr als ein Jelavic-Kopfball, der an die Latte klatschte, kam dabei aber nicht heraus (34.).

Rapid startete intensiver in die zweite Halbzeit, schnürte die Israelis in deren Hälfte ein, den Bemühungen der Wiener fehlten allerdings mehr grünweiße Beine im gegnerischen Strafraum. Pacult reagierte und brachte Stürmer Rene Gartler für den defensiven Yasin Pehlivan, um im Angriff für mehr Betrieb zu sorgen. Doch erneut machte Hapoel entgegen dem Spielverlauf das Tor und zog Rapid damit den Zahn: Gil Vermouth kam im Mittelfeld nach einem Katzer-Querschläger zufällig an den Ball, ließ im Laufduell Soma und Heikkinen keine Chance, düpierte auch noch Payer und schob seelenruhig ein – 0:2!

Das Prater-Oval war geschockt, Rapid ratlos. Und Hapoel setzte noch eins drauf. Bebars Natcho schloss noch vor der Rapid-Viertelstunde eine herrliche Konter-Aktion, eingeleitet vom groß aufspielenden Vermouth, zum 0:3 ab und sorgte damit für die endgültige Entscheidung (71.).

Rapid konnte nicht mehr zusetzen, auch das ersehnte Ehrentor mochte nicht mehr gelingen. Der eingewechselte Hamdi Salihi traf im Finish aus wenigen Metern nur die Stange – eine bezeichnende Situation. Der Schlusspfiff des fehlerlosen norwegischen Schiedsrichters kurz darauf war für die Hütteldorfer das Positivste an diesem Abend. 

Hapoel spielte nach der glücklichen Führung geschickt die technische Klasse aus, stand sehr kompakt und nützte die entstehenden Räume für gefährliche Konter. In den beiden Begegnungen mit den Israelis kassierte Österreichs Rekordmeister acht Gegentreffer und traf selbst nur einmal ins Schwarze. Aufgrund des torlosen Remis im Parallelspiel zwischen dem HSV und Celtc Glasgow haben die Wiener aber noch die theoretische Chance, weiterzukommen. Voraussetzung dafür: Erst ein Sieg in Hamburg und dann ein Erfolg gegen Celtic im letzten Heimspiel.

Eli Guttman (Trainer Hapoel): “Wir wussten, dass wir sehr diszipliniert auftreten mussten. Vor allem mussten wir Jelavic und Hofmann ausschalten. Wir haben sehr klug gespielt, haben im richtigen Moment umgeschaltet. Im Laufe des Spiels ist Rapid dann in unsere Konter gelaufen. Hätte mir einer vorher gesagt, dass wir hier 3:0 gewinnen, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, die Abwehr ist sensationell gut gestanden. Ich habe meinen Jungs vor dem Spiel gesagt, dass sie sich freuen sollen, dass sie vor vollem Haus spielen dürfen – wie die Schauspieler in einem Theater. Das Publikum in Wien war sensationell, auch bei 0:3 haben sie noch Stimmung gemacht.”

Peter Pacult (Rapid-Trainer): “Ich möchte mich beim Publikum bedanken. Sie haben uns hervorragend unterstützt. Die erste Halbzeit war ausgezeichnet, wir haben nur die Tore nicht gemacht. Dann ist Hapoel durch einen Tausendguldenschuss in Führung gegangen. Das Ergebnis ist ernüchternd, entspricht aber nicht dem Spielverlauf. Uns hat in manchen Situationen auch das Ballglück gefehlt, das soll aber keine Ausrede sein. Die individuelle Klasse der Hapoel-Spieler war entscheidend, sie waren letztlich in beiden Spielen das stärkere Team. Mit den schnellen Spitzen war unsere Abwehr überfordert.”

Zur Kritik, dass Rapid zu wenig aggressiv gespielt hätte (keine gelbe Karte für Rapid): “Aggressivität misst sich nicht in Karten. Für mich ist Aggressivität, wenn wir die Laufwege zustellen, uns durchsetzen. Warum sollen wir jemand umschneiden, wirkt das nach außen aggressiver?”

Helge Payer (Rapid-Torhüter): “Hapoel hatte heute alles Glück der Welt. Vom Rücken von Heikkinen ist der Ball ins Kreuzeck gegangen, das gibt es nicht oft. 1:8 (Gesamtscore, Anm.) klingt wild. Aber es fehlt nicht viel, auch wenn sich das blöd anhört. Sie haben die ‘big points’ gemacht. Es ist noch alles drin, wenn man auf die Tabelle schaut, obwohl wir nach diesen zwei Spielen am Boden sind.”

Steffen Hofmann (Rapid-Mittelfeldspieler): “Wir haben die erste Halbzeit ganz ordentlich gespielt, haben auch gute Chancen gehabt. Tel Aviv hat bis zum 1:0 kein einziges Mal aufs Tor geschossen, und dann gehen sie durch einen Tausendguldenschuss in Führung. Hätten wir das 1:0 machen können, dann hätten wir es leichter gehabt. Aber so ist es wie in Tel Aviv gelaufen. Es war ein bitteres Spiel, weil eigentlich hatten wir mehr vom Spiel. Wir haben noch die Chance zum Weiterkommen. Solange sie noch lebt, werden wir daran glauben. Ein Sieg in Hamburg wäre jetzt ganz günstig.”

Fußball-Europa-League (Gruppe C/4. Runde)
SK Rapid Wien – Hapoel Tel Aviv 0:3 (0:1)
Wien, Happel-Stadion, 49.000 (ausverkauft), SR Tommy Skjerven (NOR)

Tor: 0:1 (13.) Yadin, 0:2 (65.) Vermouth, 0:3 (70.) Natcho

Rapid: Payer – Dober, Soma, Patocka, Katzer – Heikkinen, Pehlivan (57. Gartler) – Kavlak (65. Drazan), Hofmann, Boskovic – Jelavic (80. Salihi)
Hapoel: Enyeama – Bondarv, Badir, Douglas da Silva, Ben Dayan – Natcho, Yadin (87. Zandberg)- Vermouth, Vucicevic (59. Menteschaschwili), Shechter – Yeboah (73. Lala)

Gelbe Karte: Yadin
Die Besten: Soma, Hofmann bzw. Vermouth, Yadin, Douglas da Silva

Gruppe C:
Hamburger SV – Celtic Glasgow   0:0
Hamburg, HSH Nordbank Arena

Tabelle:
 1. Hapoel Tel Aviv         4   3  0  1   12:6      9
 2. Hamburger SV            4   2  1  1    5:5      7
 3. Rapid Wien              4   1  1  2    5:9      4
 4. Celtic Glasgow          4   0  2  2    2:4      2

Spiele der 5. Runde am 2. Dezember:
Celtic – Hapoel, HSV – Rapid

Martin Ucik / Wien

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