Kinderstück im Wiener Burgtheater: In 80 Tagen um die Welt

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Am Sonntag feierte "In 80 Tagen um die Welt" Premiere.
Am Sonntag feierte "In 80 Tagen um die Welt" Premiere. - © APA/ Roland Schlager
Pünktlich zur Vorweihnachtszeit wird im Wiener Burgtheater wieder ein Kinder-, bzw. Familienstück gezeigt. Am Sonntagnachmittag feierte Jules Vernes “In 80 Tagen um die Welt” in einer Inszenierung von Annette Raffalt  Premiere.

Zweieinhalb Stunden dauert die farbenfrohe, rasante Reise von London über den Suez-Kanal in den indischen Dschungel Richtung Hongkong, Japan und die USA, auf die der Erzähler (und gleichzeitig Foggs Diener Passepartout) Sven Dolinski die Kinder und Erwachsenen im Burgtheater mitnimmt. Und die Zeit vergeht, nun ja: wie im Flug. Annette Raffalt kitzelt aus Jules Vernes Roman zahlreiche Anspielungen auf das 21. Jahrhundert und nimmt selbst die Ausstattung der eigenen Inszenierung auf die Schaufel.

In 80 Tagen um die Welt

“Etwas unhandlich”, stöhnt da etwa der übereifrige Detektiv Mr. Fix (Andre Meyer), wenn er eine rote englische Telefonzelle aus den Kulissen zieht, um bei Scotland Yard anzurufen. Doch mit dem Londoner Kult-Wahrzeichen ist es genauso wie mit Eiffelturm und Freiheitsstatue: Sie waren im Jahre 1872 noch Zukunft, worauf Dolinski im Laufe des Abends immer wieder augenzwinkernd verweist. Doch was wäre Jules Vernes Reise ohne den Glauben an die Zukunft und ihre Erfindungen? Eben.

Und so brechen Mr. Phileas Fogg (grandios akkurat: Peter Knaack) und Passepartout mit einem Heißluftballon Richtung Ägypten auf und grüßen aus sagenhaften 300 Metern Höhe (es müssen nicht immer 30 Kilometer sein)französische Cancan-Tänzerinnen, Tiroler Schuhplattler oder venezianische Gondolieri.

Inszenierung greift auf Stereotype zurück

Dass die Inszenierung eines historischen Stoffs nicht ohne die stereotypen Darstellungen verschiedenster Völker auskommt, muss man wohl als gegeben hinnehmen. Umso mehr erfreut die Umsetzung der Kostüme (Ele Bleffert) und des Bühnenbilds (Bernhard Kleber): Den Rahmen der verschiedenen Stationen zwischen Mumbai und New York bilden hauptsächlich Projektionen auf eine gigantische halbrunde Leinwand, die jeweiligen landestypischen Trachten und Accessoires wirken stets exemplarisch und überzeugen durch ihre liebevolle Ästhetik. Starke Effekte erzielt die Hebebühne, die Mal ein Schiff, mal ein Gefängnis simuliert.

Und so sind es vor allem die feinen Londonder Club-Herren, die als Karikaturen ihrer selbst zum Handkuss kommen. Ihnen geben Marcus Kiepe, Hans Dieter Knebel, Daniel Jesch und Michael Masula die nötige Portion Schnöseligkeit. Liliane Amuat verleiht dem Geschehen als anmutige wie selbstbewusste Prinzession Aonda viel Glanz.

Kinderstück kommt beim Publikum an

 Annette Raffalt ist im Burgtheater eine mitreißende, zu keinem Zeitpunkt kindische oder gar klamaukige Inszenierung gelungen, die die jungen Zuschauer sehr ernst nimmt. Diese dankten mit vor Begeisterung offenen Mündern und anhaltender Aufmerksamkeit. Da war der nicht enden wollende Jubel am Ende der zweieinhalb Stunden nur mehr die ohnehin zu erwartete Zustimmung. Weitere Vorstellungen finden am 20. und 21. November sowie 2., 6, 15., 23. und 26. Dezember, jeweils um 16 Uhr statt. Infos und Karten gibt es hier. (APA)

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