Kinders – Trailer und Kritik zum Film

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Kinders – Trailer und Kritik zum Film
Kindern aus schwierigen Verhältnissen mit Musik eine Perspektive zu geben, ist das erklärte Ziel von Superar. Die heimischen Filmemacher Arash und Arman T. Riahi haben junge Teilnehmer des Musikförderprojekts ein Jahr lang begleitet und mit “Kinders” einen bezaubernden, inspirierenden Dokumentarfilm geschaffen, der bei der diesjährigen Diagonale den Publikumspreis erhielt.

Ihr “Hauptgefühl”, sagt Ariunaa in der Eingangsszene, ist Wut. Sie weiß nicht wieso und sie mag das Gefühl auch nicht. Was sie aber weiß, ist: “Ich hasse singen.” Ariunaa ist eines von sechs Kindern, die für “Kinders” in ihrem Schulalltag und sozialem Umfeld sowie bei Superar-Aktivitäten begleitet werden. Sie alle haben es aus verschiedenen Gründen schwerer im Leben als ihre Altersgenossen, kämpfen um ihren Platz in der Welt, ringen mit Wutanfällen, abwesenden Vätern, Mobbing und gesellschaftlicher Ausgrenzung wegen kultureller, sozialer oder religiöser Unterschiede. Das von Caritas, Wiener Konzerthaus und Wiener Sängerknaben gegründete Ausbildungsprogramm gibt ihnen sichtlich neues Selbstbewusstsein, bringt durch gemeinsames Musizieren verborgene Potenziale zum Vorschein und schafft Gemeinschaft, wo das Gefühl von Isolation herrscht.

Im Gespräch untereinander, aber auch mit den Riahis hinter der Kamera geben die Mädchen Ariunaa, Denise und Zarina sowie die Buben Nandu, Denizcan und Taib bemerkenswert offen und reflektiert Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Es berührt zutiefst, zu hören, mit welchen Hindernissen sie konfrontiert waren und sind, und beeindruckt, wie erwachsen sie diese benennen und bekämpfen. Lustige und traurige Szenen wechseln sich ab, so wie auch Kindheit und Jugend von einem ständigen Gefühls-Auf-und-Ab geprägt sind.

Kinders – Die Handlung und Kritik

Auflockerung erfolgt durch die musikalischen Szenen zwischendurch: Kinder und Lehrer unterschiedlicher Nationalitäten musizieren miteinander – in den Schulklassen ebenso wie in den Superar-Räumlichkeiten in der Anker Brotfabrik, beim Singcamp in Niederösterreich, beim Workshop im bosnischen Srebrenica oder beim abschließenden, fulminanten Konzert im Konzerthaus. Ein Stilbruch erfolgt, wenn die Riahis einzelne junge Violinisten vor Baumaschinen platzieren: Unbeeindruckt von ihrer Umgebung spielen sie gegen den Lärm um sich herum an – eine wunderbare Metapher.

Im Laufe des Films werden wir Zeugen vieler kleiner Happy Ends: Die anfangs so schüchterne Zarina etwa wird Klassensprecherin, der im Jugendwohnheim lebende Denizcan Wiener Sängerknabe. Am schönsten sind jene Momente, in denen Kinder sich einander anvertrauen und Halt geben. Erwachsene können sich hier in punkto Problemlösung einiges abschauen. Als eine junge Muslima beim Disco-Abend des Singcamps von ihrem großen Bruder ermahnt wird, nicht auffällig zu tanzen, bildet sich eine starke Front an Freundinnen, die den Burschen zurechtweisen und seine Aufforderung, “Es gilt noch immer die Scharia”, mit Argumenten gekonnt widerlegen. Und als Denizcan erzählt, dass seine Eltern ihn schon wieder im Stich gelassen haben, muntert ihn ein Freund lakonisch auf: “Ich habe auch gerade das Jugendamt am Hals.”

Nach 90 Minuten mit diesen Kindern hat man keine Angst mehr um die Zukunft unserer Gesellschaft. Mit großem Respekt und erstaunlicher Nähe, mit von Leben erfüllten und auch auf Distanz intimen Bildern nähern sich die Riahis ihren jungen Protagonisten an und liefern auch ein kraftvolles Plädoyer für eine Wende in der starren Bildungspolitik ab. “Man müsste endlich auf jedes Kind individuell eingehen, jedem Kind die Möglichkeit geben, seine Begabungen und Interessen zu verfolgen”, schreibt Arman T. Riahi in den Presseunterlagen zum Film. “Das System oder die sogenannte Bildungspolitik hat sich seit 50 Jahren nicht weiterentwickelt. Alle Kinder werden von Anfang an in einen Pot geworfen und jeder hat das ganze System durchzumachen.” Der Zulauf bei Schulen, wo Superar angeboten wird, sei deutlich. Dank “Kinders” dürfte der sich noch weiter erhöhen.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Kinders”

(APA)

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