Kern gegen Strache: Höflich und ein wenig kontroversiell

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Nicht unbedingt freundschaftlich, aber im Wesentlichen höflich und vor allem routiniert ist Montagabend auf Puls 4 die Konfrontation zwischen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache abgelaufen. Differenzen zeigten sich am ehesten in der Migrationspolitik, nicht allzu viel trennte die beiden bei Pensionen und Wohnen. Rot-Blau deutete sich dennoch nicht an.

Erstaunlich wenig Raum in der Konfrontation nahm die jüngste Facebook-Affäre der SPÖ ein. Kern betonte, dass derzeit alle Fakten zusammengetragen würden und eine Task-Force mit unabhängigen Wirtschaftsprüfern schaue, wie weit man bei der Aufklärung komme. Betont wurde vom SPÖ-Chef, dass seine Partei die Facebook-Seiten, über die Dirty Campaigning gegen ÖVP-Obmann Sebastian Kurz betrieben wurde, nicht bezahlt habe.

“Bonzen-Mauer”

Strache vermied allzu rüde Angriffe und merkte nur an, es sei eigenartig, dass Kern nie von etwas gewusst habe. Dies sei ja schon bei der “Bonzen-Mauer” so gewesen, spielte der FPÖ-Chef auf die letztlich doch nicht gebaute Terror-Schutzmauer im Regierungsviertel an.

Ob der Wahlkampf noch schmutziger werde, hängt laut Strache davon ab, was der vormalige SPÖ-Werber Tal Silberstein noch hinterlassen habe. Kern konterte, dass man im Glashaus nicht mit blauen Brocken werfen solle und zeigte einen Stapel an Ausdrucken FPÖ-naher Websites, ohne auf die Inhalte näher einzugehen. Immerhin gestand der SPÖ-Chef ein: “Wenn die Leute über den besten Wahlkampf abstimmen, wird es für uns eng werden.” Gehe es aber um die Konzepte, werde man einen guten Wahlabend erleben.

Allzu viele Unterschiede zwischen SPÖ und FPÖ ließen sich in der Debatte nicht erkennen. Bei den Pensionen traten beide gegen Verunsicherung der Senioren ein und befürworteten, freiwillige Leistungen besser an den Ruhensbezug anzurechnen. Auch im Mietrecht unterschied man sich letztlich nur in Nuancen, auch wenn Strache das SP-Konzept mit einer Mietobergrenze als “ein bissl marxistisch” zurückwies. Jedoch waren beide etwa dafür, den sozialen Wohnbau auszuweiten.

Unterschiede in Migrationspolitik

Bemüht waren Kern und Strache, Unterschiede in der Migrationspolitik darzustellen. Wirklich weit voneinander entfernt war man allerdings auch dort nicht. Zwar betonte Kern, dass die SPÖ im Gegensatz zu den Freiheitlichen auf eine tolerante vielfältige Gesellschaft setze, doch ist auch er für “null illegale Migration” und lobte, dass Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) gegen die Auslandsfinanzierung von Imamen vorgehe. Strache pochte darauf, dass es die FPÖ gewesen sei, die schon seit Jahrzehnten auf Fehlentwicklungen aufmerksam mache, konkret darauf, dass sich in Österreich Parallel- und Gegengesellschaften bildeten.

Was die Mindestsicherung angeht, plädierte der FPÖ-Chef einmal mehr dafür, auf Sachleistungen umzustellen, um eine “Sogwirkung” nach Österreich abzustellen. Kern wiederum strebt eine möglichst rasche Integration von anerkannten Flüchtlingen in den Arbeitsprozess an. Es brauche Integration, weil man sonst zur Kleinkriminalität anhalte.

Bezüglich der Option einer rot-blauen Koalition war Strache erfreut, dass der Parteitagsbeschluss der SPÖ gegen eine Regierungszusammenarbeit mit der FPÖ infrage gestellt worden sei. Am wichtigsten ist ihm freilich, die Zusammenarbeit von Rot und Schwarz zu überwinden. Kern war um Distanz bemüht: “Die Wahrheit ist, wenn man sich die Programme anschaut, unterschieden wir uns sehr deutlich.” Bei ÖVP und FPÖ sei dagegen bei den jeweiligen Programmen unklar, wer jetzt von wem abgeschrieben habe.

Gemeinsames Abendessen

Offen blieb, ob Kern und Strache nach der Wahl Zeit für ein gemeinsames Abendessen finden. Einen Gutschein für ein Nachtmahl hat der SPÖ-Chef dem freiheitlichen Obmann und dessen Frau zu Beginn des Duells überreicht. Ob Kern die Gegen-Einladung Straches für einen gemeinsamen Abend der Paare annimmt, wollte der Kanzler vom Verlauf der Konfrontation abhängig machen. An deren Ende wurde dem SPÖ-Chef noch Zuwachs für sein Bücherregal zu Teil: “Prinzessin wider Willen” übergab Strache an Kern in Anspielung auf ein SP-internes Dossier, das den Kanzler als Prinzessin abqualifiziert hatte.

Salomonisch urteilte repräsentativ ausgewähltes Publikum in einer OGM-Umfrage für Puls 4. Beide Kandidaten schnitten in der Gesamt-Beurteilung exakt gleich gut ab.

Zuvor hatte es ein teilweise recht angriffiges, aber immer respektvolles TV-Duell zwischen Grün-Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek und NEOS-Chef Matthias Strolz gegeben. Beide zeigten sich darin letztlich koalitionsbereit und lehnten unisono – angesichts der Facebook-Affäre der SPÖ – Dirty Campaigning bzw. rassistische und antisemitische Hetze im Internet ab.

In die Haare gerieten sich die beiden über Freihandel und Arbeitszeit. Schließlich fischen Grüne und NEOS im gleichen Wählerteich der jungen, urbanen Bürger – und für beide geht es um den Verbleib im Nationalrat. So nützte Lunacek schon den Geschenke-Austausch zu Beginn für eine Spitze: Sie überreichte Strolz ein kleines Blumenbeet und warnte ihn vor Glyphosat – seien doch die NEOS gegen dessen Totalverbot. Strolz brachte Lunacek Teemischung mit Kräutern aus dem eigenen Garten mit.

(APA)

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