Kellerleichen-Prozess in Wien: Die ersten Zeugen haben gesprochen

Kellerleichen-Prozess in Wien: Estibaliz C. hat gesprochen
Kellerleichen-Prozess in Wien: Estibaliz C. hat gesprochen - © APA
Kellerleichen-Prozess in Wien hat begonnen. Am ersten Verhandlungstag hat die Angeklagte, Estibaliz C. Details über beide Morde geliefert und auch die ersten Zeugen haben sich zu Wort gemeldet.

Im Prozess in Wien haben sich jetzt auch die ersten Zeugen zu Wort gemeldet. Die sterblichen Überreste von Holger H. und Manfred H. wurden im Juni 2011 aus Zufall im Keller unter dem Eisgeschäft von Estibaliz C. entdeckt. Bei von einem Friseurgeschäft in Auftrag gegebenen Installationsarbeiten brachen Arbeiter das Kellerabteil Nummer 6 auf, um an Abflussleitungen heranzukommen.

Dabei stießen sie auf Gewehre mit Zielfernrohren und eine Reihe von mit Beton gefüllten Maurertrögen, Mörtelwannen und Blumentöpfen, die teilweise mit Katzenstreu bedeckt waren. Als einer der Arbeiter einen Müllsack aufschlitzte, kam ihm ein strenger Geruch entgegen, der ihn zur sofortigen Verständigung der Polizei veranlasste. Die Beamten meinten nach Eintreffen am Fundort, jemand hätte umgebrachte Katzen und Hunde vergraben. “Daraufhin hab’ ich ihnen gesagt, ein Hund oder eine Katze riecht anders als eine Leiche”, erinnerte sich am Montag, den 19. November einer der Handwerker vor dem Schwurgericht.

Erster Zeuge hat gesprochen

Er habe schließlich eine Mörtelwanne umgedreht und mit einem Hammer bearbeitet, worauf sich der Müllsack gelöst habe, den man unmehr gänzlich öffnete. “Was ist zum Vorschein gekommen?”, fragte Richterin Susanne Lehr. “Der Unterschenkel eines linken Beins ab dem Knie mit dem Fuß dran”, erwiderte der 40-Jährige. Er habe sofort ausgerufen “Das ist vielleicht Manfreds Bein!”, so der Zeuge. Grund: Zwei Monate zuvor hatte er bereits in dem Keller zu tun gehabt. Dabei hätten ihm Bedienstete des Eissalons erzählt, Manfred H. sei “abgehauen”.

Weitere Zeugen berichteten über Treffen mit der Angeklagten am Tag ihrer Flucht. Darunter war auch ein Taxilenker, der Estibaliz C. vom Wiener Flughafen nach Italien brachte. Zunächst habe sie nach Kärnten wollen, dann wünschte sie, nach Italien gefahren zu werden. Da habe sie langsam angefangen zu erzählen. Sie habe Probleme mit der Polizei, meinte der Zeuge. Er habe ihr ein Hotelzimmer organisiert. “Ich wollte sie loswerden”, erzählte der Mann. Sie habe auf ihn “ruhig, ganz normal gewirkt”. Ein weiterer Taxifahrer, der Estibaliz C. zuvor zum Airport gebracht hatte, schilderte, wie sie in seinem Auto ein Testament zugunsten ihres Freundes verfasst hatte.

Kellerleichen-Prozess in Wien gestartet

Zuvor hatten die Staatsanwältin und der Verteidiger noch einige Fragen an Estibaliz C. gerichtet. Die 34-Jährige erklärte, sie habe Holger Holz “anfangs verehrt”, sei “blind und naiv” gewesen: “Manchmal habe ich mich an ihn angekuschelt, und für diese Minuten habe ich gelebt.” Nachdem sie ihn erschossen hatte, habe sie Reue verspürt und eingesehen, “dass ich ein Miststück bin”. Das Problem mit Holger sei gewesen, so die Angeklagte, “dass er nicht weggegangen ist. Er wollte mir alles kaputt machen. Meine Beziehung zu Alex (dem damaligen Liebhaber der Angeklagten, Anm.). Den Eissalon. Ich habe gedacht, er geht niemals weg.” Nach dem Mord habe sie sich “miserabel, so wertlos, dass ich mir am liebsten das Leben genommen hätte”, gefühlt.

Manfred H. wiederum habe mit ihr “Psychoterror von in der Früh bis in die Nacht betrieben”. Dieser musste sterben, “weil ich die Hoffnung verloren habe, dass er sich ändert und dass er mich gehen lässt”, sagte die Angeklagte. Als ein Geschworener bemängelte, dass sie bei ihren Erzählungen keine Reue zeige, erwiderte Estibaliz C.: “Wenn ich in Tränen ausbreche, würde man sagen, was ist das für ein Theater. Es ist widerlich, was ich getan habe. Ich versuche, mich zusammenzureißen und die Schuld auf mich zu nehmen.”

Die Verhandlung wird am Dienstag, den 20. November mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt. Bereits am Donnerstag wird ein Urteil erwartet. Hier geht es zum Liveticker vom ersten Tag.

(Red./APA)

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