Wiener Kirche schlankt sich ab

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Der Kardinal gibt sich modern.
Der Kardinal gibt sich modern. - © ROBERT PARIGGER/APA
Ganz modern gab sich Kardinal Christoph Schönborn bei der Präsentation eines Pilotprojektes für eine modernere Kirche in Wien-Favoriten. Der Name: Apostel 2.1… ‘Bewährtes in einer neuen Version”.

“Wir stehen an einer Zeitenwende”, stellte Kardinal Christoph Schönborn am Montag bei einer Pressekonferenz fest und präsentierte ein Pilotprojekt für den Wiener Bezirk Favoriten. Wie genau die Kirche der Zukunft aussehen wird und ob etwa sakrale Gebäude abgegeben werden, sei offen. Schönborn betonte jedoch, dass es weiterhin ein flächendeckendes Pfarrnetz geben werde. Notwendig sei eine Strukturreform.

Kaiser Konstantin ist endlich tot

“Apostel 2.1”, das sei ein bewährtes Programm in verbesserter Version. “Wir sehen heute, dass die Konstantinische Zeit der Kirche zu Ende ist. Diese Ära war geprägt von der Idee der Staatsreligion, in die man hineingeboren wird und sein Leben lang bleibt”, so Schönborn. Diese Zeiten seien vorbei. In der freiheitsliebenden Gesellschaft biete sich eine “Fülle an Möglichkeiten”: “In dieser Funktion ist die Kirche nur ein Player unter vielen anderen.”

Pfarren sollen größer werden

Der Kardinal verwies auf die Situation in Favoriten: Im Stadtdekanat 10 leben über 177.000 Menschen, davon knapp 60.000 Katholiken. Die 15 Pfarren zählen zwischen 2.000 und 7.000 Katholiken. In den vergangenen zwanzig Jahren habe sich im Dekanat nicht nur der Katholikenanteil von 60 auf 34 Prozent massiv reduziert, sondern auch das Leben in der Kirche ausgedünnt. “Das sind enorme Veränderungen, die für die Gestalt der Kirche nicht ohne Folge bleiben”, so Schönborn.

Er räumte ein, dass es zum Teil ein “schmerzlicher Abschied” werde, betonte jedoch: “Die Kirche der Zukunft in Wien wird weiterhin ein flächendeckendes Pfarrnetz haben. Aber die Pfarren werden teilweise größer sein.” Die Strukturen sollen jedenfalls schlanker werden. “Es geht nicht um einen Abbau, sondern um einen Umbau”, so Schönborn.

Austrittszahlen aus der Kirche kein Grund zur Panik

Die jüngsten Austrittszahlen aus der Kirche beunruhigten Schönborn nicht. Seit Jahrzehnten gebe es einen “hohen Sockel” an Austritten: “Das signalisiert, dass sich die Einstellung gegenüber Institutionen grundlegend verändert hat.” Auf diese gesellschaftlichen Veränderungen müsse man reagieren, verwies er auf das Pilotprojekt in Favoriten. Zum Vorschlag, einen Kultusbeitrag anstelle des Kirchenbeitrages einzuheben, zeigte sich Schönborn offen – man könnte die Modelle in Spanien oder Italien für eine Diskussion heranziehen.

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