Karl-Markus Gauß hält Eröffnungsrede zur “Buch Wien 17”

Gauß wird einleitende Worte sprechen - © APA

Mit einer Rede des Schriftstellers und Publizisten Karl-Markus Gauß und der bereits traditionellen “Langen Nacht der Bücher” wird am 8. November die zehnte “Buch Wien” eröffnet. 451 Veranstaltungen, 381 Autoren und 350 Aussteller sind für die Buchmesse angekündigt, deren Programm heute, Dienstag, vorgestellt wurde. Im Vorjahr war mit 43.000 Besuchern ein neuer Rekord erzielt worden.

Zum Jubiläum werde die erneut in der Halle D der Messe Wien abgehaltene Veranstaltung “internationaler als je zuvor”, versprach Benedikt Föger, der Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels. Auch Programmdirektor Günter Kaindlstorfer versicherte, man wolle es zum Geburtstag “krachen lassen” und habe “so viele internationale Literaturstars wie noch nie” eingeladen. 20 Nationen werden auf den 8.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche der Buch Wien vertreten sein, neben einem kleinen Slowenien-Schwerpunkt werde auch Frankreich, das diesjährige Schwerpunktland der Frankfurter Buchmesse, sowie Schweden und Kroatien besonders präsent sein.

Der Österreichische Buchpreis wird nach Frankfurter Vorbild erneut am Vorabend der Messe-Eröffnung (also am 7. November) vergeben. Dies habe sich im Vorjahr bewährt, sagte Föger. Die Sieger (vergeben wird neben dem Hauptpreis ja auch ein Debütpreis) werden jedenfalls auf der regulär von 9. bis 12. November geöffneten “Buch Wien” Auftrittsmöglichkeiten erhalten.

Als politisch kündigte Kaindlstorfer die Eröffnungsrede von Karl-Markus Gauß an: “Viele Menschen gehen davon aus, dass sich in diesem Herbst viel verändern könnte in diesem Land. Wohin diese Veränderungen gehen könnten, darüber wird er in gewohnt kritischer Manier reflektieren.” Bei der bis Mitternacht dauernden “Lange Nacht” werde Moderator Florian Scheuba (“Er sagt, das sei einer seiner Lieblingsjobs”) Michael Köhlmeier, Ingo Schulze, Adele Neuhauser, die Science Busters und Youtube-Star Michael Buchinger auf der Bühne begrüßen. Dazu als bewährte Fixpunkte: Poetry Slam, Kochbuch-Bühne und Bücherquiz.

Ein großer Schwerpunkt gelte heuer dem Bereich “anspruchsvolles Sachbuch”, sagte Kaindlstorfer. Wie immer schlagen sich dabei einige Gedenkjahre nieder: Zu 100 Jahre Oktoberrevolution habe Gerd Koenen mit seinem 1000-seitigen Wälzer “Die Farbe Rot” “das spannendste Buch zum Thema” geschrieben, dem Prager Fenstersturz und dem Dreißigjährigen Krieg widmet sich Herfried Münkler. Aus London reist Gareth Stedman Jones an, der seine kritische Marx-Biografie vorstellt. Auch das kommende Republik-Jubiläum 2018 mache sich bereits in vielen Neuerscheinungen, u.a. von Heinz Fischer, Hannes Androsch, Hannes Leidinger, Anton Pelinka und Manfred Rauchensteiner, bemerkbar.

Gratisbuch ist heuer “Letzte Nacht” von Stewart O’Nan. Mit Robert Harris reise ein weiterer Weltstar an: “In ‘München’ es geht es in einer thrillerartiger Camouflage um die Münchner Konferenz von 1938, wo das Schicksal der Tschechoslowakei entschieden wurde”, erzählte Kaindlstorfer. Neben Ljudmila Ulitzkaja, Meir Shalev und Ales Steger wird auch die norwegische Bestsellerautorin Maja Lunde (“Die Geschichte der Bienen”) und der nach Deutschland geflüchtete Syrer Aeham Ahmad erwartet. Natürlich werde auch “die ungeheure Vielfalt der österreichischen Neuerscheinungen” abgebildet – Robert Menasse und Marlene Streeruwitz haben ebenso ihre Messeauftritte wie Doron Rabinovici, Radek Knapp, Olga Flor oder Karin Peschka.

Auch heuer gibt es wieder ein dichtes Kinder- und Jugendbuch-Programm, die “Donau Lounge” für Literatur aus dem Donauraum, sowie einen kleinen Schwerpunkt auf antiquarische Bücher, wo man etwa Buch-Restauratoren bei der Arbeit zuschauen kann. Comics-Fans werden u.a. mit einem Comic Festival der Francophonie oder einem Auftritt von Nicolas Mahler bedient, der seine Version von “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” vorstellt.

Laut neuem Hauptverbands-Geschäftsführer Gustav Soucek gibt es heuer erstmals freien Verkauf bei allen Ständen, die Messe-Buchhandlung wird diesmal nicht vom Hauptverband, sondern von Thalia betrieben, wo man die Tickets (Tageskarte 10 Euro, Festivalpass 24 Euro, ermäßigt um den halben Preis) erstmals auch im Vorverkauf beziehen kann.

Das begleitende Lesefest findet von 8. bis 12. November an 33 Veranstaltungsorten bei freiem Eintritt statt. Den “Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln” wird die diesjährige Preisträgerin Elif Shafak übrigens nicht in Wien, sondern am 17. November im Rahmen der “Europäische Literaturtage in der Wachau” entgegennehmen.

(APA)