Karikaturist Manfred Deix im Alter von 67 Jahren verstorben

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Der Karikaturist Manfred Deix ist 67-jährig verstorben
Der Karikaturist Manfred Deix ist 67-jährig verstorben - © APA
Der bekannte österreichischer Karikaturist, Grafiker und Cartoonist Manfred Deix ist am Samstag im Alter von 67 Jahren gestorben.

Mit seinen Zeichnungen, politischen Karikaturen und gemalten Kommentaren spiegelte er die österreichische Seele mit erschreckender Ehrlichkeit wider. Der Direktor des Karikaturmuseums Krems, Gottfried Gusenbauer, zählt ihn “mit Sicherheit zu den ganz großen Künstlern Österreichs”. Der gebürtige St. Pöltner sorgte mit seinen Bildern für Lacher, Aufregung und mitunter Stirnrunzeln.

Nach langer Krankheit verstorben

Nach Angaben von Gusenbauer starb der Künstler in einem Spital. Er erlag einer langen, schweren Krankheit, beruft sich das Karikaturmuseum auf Marietta Deix, die Witwe des Künstlers. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder beunruhigende Nachrichten über seinen Gesundheitszustand gegeben, 2014 musste eine Buchpräsentation nach einem Zusammenbruch kurzfristig verschoben werden.

Dauerpräsentation im Karikaturmuseum Krems

Manfred Deix ist im Karikaturmuseum Krems, an dessen Gründung er beteiligt war, mit einer Dauerpräsentation vertreten. Wie kein anderer Zeichner hat er es verstanden, die Skurrilitäten und Besonderheiten des Durchschnitts-Österreichers pointiert herauszuarbeiten und satirisch zu überhöhen – seinen sprichwörtlichen “Deix-Figuren” konnte man nahezu auf Schritt und Tritt im wirklichen Leben begegnen. Seine Zeichnungen wurden in zahlreichen renommierten Magazinen und in vielen Sammelbänden veröffentlicht. Zuletzt erschienen 2015 “Neue Zeichnungen” sowie sein achtzehntes Buch “Tierwelt. Katzen & Co”.

Bereits als Elfjähriger tätig

Geboren wurde Manfred Deix am 22. Februar 1949 in St. Pölten. Bereits als Kind zeichnete er gerne und viel, was sich alsbald in einer früh eingeschlagenen Karriere manifestieren sollte. So konnte er sich bereits als Elfjähriger über einen wöchentlichen Comic-Strip in der “Niederösterreichischen Kirchenzeitung” freuen. Die fachliche Kompetenz erwarb er sich ab 1965 an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, wo er etwa auf den späteren Roncalli-Gründer Bernhard Paul sowie die Maler Josef Bramer und Gottfried Helnwein traf. 1968 inskribierte er an der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz.

Durch Verspätungen bei Abgabeterminen berüchtigt

Erste Veröffentlichungen seiner markanten Zeichnungen gab es ab 1972 in Magazinen wie “profil”, “trend”, später auch im “stern”, “Spiegel”, “pardon” und anderen. Seine gezeichneten und gemalten Zeitkommentare und Titelblätter machten ihn beim breiten Publikum populär, seine Verspätungen bei Abgabeterminen bei den Herausgebern berüchtigt. Vor allem aber galt es ihm, die Untiefen der österreichischen Seele in all ihren Facetten auszuloten, was nicht zuletzt dazu führte, dass die von ihm dargestellten Typen als “Deix-Figuren” geradezu sprichwörtliche Bedeutung gewannen und sogar in den Duden aufgenommen wurden.

Königskrone, Leidenschaft für Katzen, Beach Boys

Sein erster Sammelband unter dem schlichten Titel “Cartoons” erschien 1980 in Buchform – bis heute sollten zahlreiche weitere folgen, darunter “Der dicke Deix”, “Der goldene Deix” “Dichter Deix”, “Der heilige Deix” und “Für immer Deix!”. Dabei stets vorhanden: die Signatur mit einer Königskrone anstelle eines i-Punktes. Und für seine Leser ebenso schnell ersichtlich wurde seine Leidenschaft für Katzen oder die Verehrung der US-Band Beach Boys, was beides immer wieder zeichnerischen Ausdruck fand. Bei einer Reise in die USA Mitte der 80er traf Deix schließlich nicht nur seine musikalischen Helden, sondern heiratete auch seine langjährige Lebensgefährtin Marietta.

Entwürfe für Bühnenausstattungen und Kostüme

Wie weit seine Interessen reichten, belegten auch Entwürfe für diverse Bühnenausstattungen oder Kostüme – darunter Produktionen wie “Arturo Ui” am Burgtheater und “Kehraus um St. Stephan” an der Staatsoper. Und um ein direktes Wort war Deix nie verlegen. “Man hat mir oft Geschmacklosigkeit und Brutalhumor vorgeworfen. Wer denn, wenn nicht Satiriker, soll die Dinge beim Namen nennen”, hatte er in einem seiner vielen Interviews festgehalten. Auch nach den Anschlägen auf das Satire-Magazin “Charlie Hebdo” im Jänner 2015 positionierte er sich deutlich: “Diese Terroristen glauben, sie können ein Loch in die Community reißen, aber das wird ihnen nicht gelingen.” Denn letztlich sei die Aufgabe von Satire klar: “Sie darf alles und muss alles, was mit der Moral des Zeichners zusammengeht. Man darf den eigenen Mut aber nicht überlisten und nicht brandgefährlich werden.”

Deix-Animationsfilm “Rotzbub” im Herbst 2018 im Kino

Nun ist der große österreichische Zeichner und Karikaturist verstorben. Damit erlebt er, der sich selbst gerne als “Harmoniejunkie” bezeichnet hat, auch nicht mehr die Fertigstellung eines Animationsfilms über sich selbst: Nach einem Drehbuch von Rupert Henning wird seit einigen Jahren an “Rotzbub” gearbeitet, laut Ankündigung eine Coming-of-Age-Geschichte eines Schankburschen vom Land. Derzeit wird ein Kinostart im Herbst 2018 anvisiert.

“Mit seinen Bildern die Augen geöffnet”

In einem Nachruf würdigte das Karikaturmuseum Deix, dessen Arbeiten nicht nur längst Kunstwerke seien, sondern “Klassiker der österreichischen Karikatur und stilbildend für viele Kollegen”. Museumsdirektor Gottfried Gusenbauer hielt fest: “Es gab und gibt viele Tabus und unangenehme Wahrheiten, die man nicht ansprechen durfte oder konnte, hier hat uns Deix mit seinen Bildern die Augen geöffnet.” Zu den zahlreichen Auszeichnungen von Deix gehören u.a. das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien, das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich sowie der Österreichischen Kabarettpreis (Kategorie Sonderpreis).

(APA/Red.)

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