Kanzler Kern ortet “beispiellose Hetzkampagne in den Tageszeitungen”

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Kern ortet eine Hetzkampagne gegen seine Person. - © APA/GEORG HOCHMUTH

SPÖ-Vorsitzender Christian Kern verurteilt die Berichterstattung über seine Person scharf. In einem am 5. Oktober veröffentlichten Facebook-Video spricht er von einer “beispielslosen Hetzkampagne in den Tageszeitungen”.

Bundeskanzler Kern hat am Donnerstag in einem auf Facebook veröffentlichten Video die Berichterstattung über ihn scharf kritisiert. “In den vergangenen Tagen hat eine beispiellose Hetzkampagne in den Tageszeitungen stattgefunden”, so der Kanzler.Auch Kerns Gattin, Eveline Steinberger-Kern, trat via Facebook an die Öffentlichkeit und kritisierte u.a. namentlich ÖVP-Chef Sebastian Kurz.

An der Tagesordnung würden derzeit “Herabwürdigungen, Unwahrheiten, Lügengeschichten – teilweise frei erfunden” stehen, so der Parteichef. “Einige Medien” hätten sich dabei “besonders hervorgetan, eine einschlägige Boulevardzeitung ganz, ganz besonders”, sagte Kern. Zuletzt hatte sich der Regierungschef einen offenen Konflikt mit der Tageszeitung “Österreich” geliefert. Dies alles sei “nicht akzeptabel”, vor allem dann nicht, “wenn meine Frau hereingezogen wird, mein Sohn und meine Mitarbeiter”.

Kern kritisiert Tageszeitungen und ÖVP

Für Kern ist “ziemlich klar”, warum das geschieht: “Da gibt es in Österreich tatsächlich einige Zeitungen und die ÖVP, die glauben, sie können entscheiden, wer Bundeskanzler in unserem Land ist. Und zwar noch bevor die Menschen in Österreich zur Wahlurne gegangen sind. Sie wollen das für sich entscheiden im Sinne ihrer Interessen.”

Angriffe wegen SPÖ-Steuerpolitik

Den Grund für die Attacken ortet Kern im Politischen: Es gebe “natürlich viele, die gar keine Freude damit haben, wenn wir uns gegen die Immobilienwirtschaft stellen, und sagen, wir wollen, dass es für die Mieter faire Konditionen gibt, leistbare Mieten.” Und es gebe auch viele, “die gar nicht dafür sind, dass man Erbschaftssteuern ab 1 Million Euro Erbe einführt. Da sind 2 Prozent der Reichsten davon in Österreich betroffen.” Und auch in der Gegnerschaft zur SPÖ-Steuerpolitik sieht Kern die Angriffe gegen seine Person begründet. “Weil wir haben ganz klar gesagt, dass wir die Superreichen und die Großkonzerne härter besteuern wollen als wir das in der Vergangenheit getan haben, um die Steuern für alle anderen in Österreich zu senken.”

Kern will seinen Weg fortsetzen

Kern will seinen Weg ungeachtet aller Angriffe “mit aller Konsequenz” fortsetzen: “Mir ist eines wichtig: Ihr könnt euch darauf verlassen, dass wir dieser medialen und finanziellen Macht nicht weichen werden. Wir werden keinen Schritt zurückweichen, keinen Millimeter unserer Politik zurücknehmen, weil ich sie für wichtig und richtig für unser Land erachte”, meinte der Kanzler bei seinem kämpferischen und emotionalen Auftritt.

All jenen, die versuchen, die Kampagne der SPÖ “runterzuziehen, unseren Wahlkampf zu zerstören, unser Zukunftsvisionen mit Füßen zu treten”, denen richte er folgendes aus: “Eure kleinlichen Interessen interessieren mich gar nicht”, so der Kanzler. Am 15. Oktober gehe es “um die Zukunft unseres Landes”.

SPÖ-Kampagne habe “geholpert”

Ein klein wenig Selbstkritik klang schließlich doch durch, als Kern einräumte, die SP-Kampange habe “ja, geholpert”. “Aber wir haben einen Plan für Österreich, wir haben ein Konzept für die Zukunft. Und ich bin davon überzeugt, dass es uns und unser Land stärker macht.”

Auch Kerns Ehefrau, Eveline Steinberger-Kern, trat am Donnerstagnachmittag via Facebook an die Öffentlichkeit, um das “Bashing und die Verleumdungskampagnen gegen mich und meine Arbeit” zu beklagen. “Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass Politik und die Medien, die hier mitmachen, so vernichtend sein können”, sagte die Unternehmerin. Kritik übt sie namentlich auch an ÖVP-Chef Sebastian Kurz: Dieser betone “immer wieder, er patze nicht an”, sagte sie. “Warum lässt er dann zu, dass ein Funktionär des ÖVP-Wirtschaftsbunds eine unfassbare Verleumdungskampagne gegen mich und gegen meine Geschäftspartner fährt und auch Menschen reinzieht, die ich gar nicht kenne?”, meinte sie wohl mit Blick auf den Herausgeber des Online-Magazins “Fass ohne Boden”, Alexander Surowiec, der zuletzt die Firmenbeteiligungen von Steinberger-Kern thematisierte. Surowiec ist stv. Obmann des Wirtschaftsbundes in Wien-Liesing.

Ehefrau Kerns verurteilt Intrigen

Steinberger-Kern beklagt ein “über 100 Seiten langes Dossier über mich und meine Arbeit, dass bereits im Jahr 2016 zu schreiben begonnen wurde”, dieses werde nun “Stück für Stück abgearbeitet”. Es gebe Zeitungen und Internetportale, “die die vorbereiteten Intrigen abdrucken.” Diese seien an der Wahrheit “nicht wirklich interessiert”. “Und wenn es den Skandal nicht gibt, dann wird er produziert. Hauptsache die Ehefrau des Bundeskanzlers wird angepatzt und schadet damit ihrem Mann.”

APA/Red.