Kampf um Nachfolge Annans entbrannt

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Kampf um Nachfolge Annans entbrannt
Erst in einem Jahr muss Kofi Annan seine Koffer packen, doch der Kampf um seine Nachfolge hat schon begonnen. Bereits im kommenden Sommer soll der Name des achten UNO-Generalsekretärs feststehen.

Im Rennen sind unter anderen ein polnischer Ex-Präsident, ein jordanischer Prinz und ein indischer Schriftsteller. Was der Generalsekretär können muss, ist nie genau festgelegt worden. Die Charta der Vereinten Nationen beschreibt ihn lakonisch als „höchsten Verwaltungsbeamten“ der Organisation. Doch er ist weit mehr. Der erste Generalsekretär, der Norweger Trygve Lie, sprach vom „unmöglichsten Job der Welt“, der spätere Amtsinhaber Kurt Waldheim vom „schwierigsten“. Annan selbst sagte kürzlich, für seinen Posten brauche man vor allem viel Humor „und ein dickes Fell“.

Die Suche nach dem Top-Diplomaten geht für gewöhnlich mit einem weltumspannenden Ränkespiel einher. „Das ist wie eine Papstwahl, aber ohne Kardinalskollegium, ohne festen Kandidatenpool“, sagt der burmesische UNO-Funktionär Thant Myint U. Offiziell wird der Generalsekretär zwar von der Vollversammlung gewählt, aber wie fast immer bei den Vereinten Nationen ist es letztlich der Sicherheitsrat, der entscheidet. Manche Wahl ist legendenumwoben. So erzählt man sich von der bis zuletzt umstrittenen Kür des Ghanesen Kofi Annan, die damalige amerikanische UNO-Chefdelegierte (und spätere Außenministerin) Madeleine Albright habe während einer endlosen Sitzung irgendwann gefragt: „Wer will Kaffee?“, was sich auf Englisch genauso anhört wie „Wer will Kofi?“. Als alle die Hand hoben, war Annan zum Nachfolger des Ägypters Boutros Boutros-Ghali gewählt.

Nach einem ungeschriebenen Gesetz stellt abwechselnd jeder Kontinent einmal den Generalsekretär. Danach wäre jetzt Asien an der Reihe, das erst einen Generalsekretär – den Burmesen U Thant (1961-71) gestellt hat – und tatsächlich pocht unter anderem China auf einen Asiaten. Doch wie es bei der UNO so ist: Peking akzeptiert keinen Japaner und Japan keinen Chinesen, Indien keinen Pakistani und Pakistan keinen Inder. Bleiben die kleineren Länder. Der thailändische Vizepremier Surakiart Sathiratai wirbt schon seit über einem Jahr mit großer Ausdauer für seine Person, doch genau das gilt in New York als die falsche Strategie: Man darf sich bloß nicht zu offen und zu früh selbst ins Gespräch bringen. Im Übrigen hat der gut genährte Herr zwar die Unterstützung der zehn südostasiatischen ASEAN-Staaten, doch die Europäer verübeln ihm seinen Widerstand gegen den Internationalen Strafgerichtshof. Andere mögliche Kandidaten aus Asien sind der ehemalige UNO-Untergeneralsekretär Jayantha Dhanapala aus Sri Lanka und der indische Schriftsteller und UNO-Kommunikationschef Shashi Tharoor.

Der amerikanische UNO-Botschafter John Bolton hat jedoch klargestellt, dass er das Rotationsprinzip ablehnt: „Wir sind nicht der Meinung, dass der nächste Generalsekretär irgendeiner bestimmten Region gehört.“ Präsident Bush sähe am liebsten den eben erst aus dem Amt geschiedenen polnischen Präsidenten Aleksander Kwasniewski, einen treuen Gefolgsmann aus dem Irak-Krieg, im 38. Stock des UNO-Hochhauses. Doch gilt es als sicher, dass Russland sein Veto gegen den Polen einlegen würde.

Dutzende andere sind auch im Gespräch, darunter der ehemalige US-Präsident Bill Clinton – was die amerikanische Rechte schon aufschrecken ließ -, der jordanische UNO-Botschafter Prinz Zeid al-Hussein und der Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta aus Osttimor. Gut möglich aber, dass derjenige, der es am Ende werden wird, bisher noch gar nicht genannt worden ist. Auch mit Kofi Annan hatte bis kurz vor seiner Wahl niemand gerechnet.

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