Kalifornien: Anti-Paparazzi-Gesetze

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Kalifornien: Anti-Paparazzi-Gesetze
Kalifornien geht mit neuen Gesetzen gegen aggressive Paparazzi vor. Stars wie Reese Witherspoon wissen, was es heißt, von Paparazzi gejagt zu werden.

Beim Versuch, ihren Wagen zu stoppen, hätten aufdringliche Fotografen das Auto fast von der Straße abgedrängt, berichtete die Schauspielerin im vergangenen April. Im August war ihre Kollegin Scarlett Johansson ein Opfer der Kamera bewehrten Verfolger, und Lindsay Lohan wurde 2005 auf der Flucht vor Paparazzi gleich zwei Mal bei einem Unfall verletzt. Einer der beteiligten Fotografen wurde angezeigt, für eine Anklage reichte es aber nicht.

Das soll sich nun ändern. Seit 1. Jänner gelten in Kalifornien schärfere Regeln, die die Hollywood-Stars schützen sollen. Fotografen, die auf der Jagd nach dem heißesten Foto handgreiflich werden oder Unfälle verursachen, müssen nun tief in die Tasche greifen. Sie müssen das Dreifache aller Schäden erstatten, für die sie verantwortlich sind. Zudem verlieren sie alle Einnahmen, sollten so entstandene Fotos veröffentlicht werden. Und auch die Medien können zur Verantwortung gezogen werden.

„Jetzt werden es sich die Paparazzi zwei Mal überlegen, ob sie irgendwo in Kalifornien einen Promi verfolgen“, meint die Abgeordnete Cindy Montanez, die das neue Gesetz entworfen hat. Die Neuregelung beeinträchtigte die Rechte der Journalisten nicht, betont Montanez. Sie ziele lediglich auf jene, „die das Gesetz brechen bei dem Versuch, an ihre Bilder zu kommen“.

„Es geht um Paparazzi, die berühmten Menschen auflauern und sie jagen“, sagt die Abgeordnete. „Sie werden handgreiflich, und das können wir nicht dulden.“ Während einige Promi-Fotografen das Gesetz begrüßen, kritisieren viele es als unfair und unnötig. Es gebe bereits Regelungen, die Angriffe unterbinden sollen, erklärt Frank Griffin, Mitinhaber der Fotoagentur Bauer-Griffin. Die neue Regelung treffe und benachteilige alle, die ihr Geld mit Schnappschüssen von Hollywood-Stars verdienen.

Jim Ewert, Jurist des kalifornischen Zeitungsverlegerverbandes, fürchtet einen hemmenden Effekt für die Branche. Stars könnten versuchen, das Gesetz zu nutzen und eine Klage anzustrengen, um Fotos und dazu gehörige Artikel zu unterdrücken. „Wir können das Verhalten der Paparazzi nicht entschuldigen“, sagt Ewert. „Aber dieses Gesetz ist der Versuch, mit eisernen Besen zu kehren.“

Der Fotograf Jim Ruymen, der nach eigenen Angaben „am Tag als Fotojournalist und in der Nacht als Paparazzi“ arbeitet, hält dagegen: Die zunehmende Konkurrenz habe zu einer größeren Skrupellosigkeit geführt. „Es gehört zum Paparazzi-Geschäft, dass man kein Gewissen haben darf“, sagt er. „Man muss diesen Burschen die Grenzen aufzeigen.“ Teilweise warteten 15 bis 20 Fotografen in ihren Wagen vor dem Haus von Schauspielern, „um diese zu jagen, wenn sie heraus kommen“.

Es locken hohe Summen. Und je exklusiver das Bild, desto größer der Scheck, sagt der ehemalige Prominenten-Fotograf Brad Elterman. Eine Aufnahme von Ben Affleck und Jennifer Garner mit ihrem Baby könnte eine halbe Million Dollar (rund 420.000 Euro) bringen, schätzt er. „Das Geld treibt das Geschäft an.“ Unterzeichnet wurde das neue Gesetz im Oktober von Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der selbst schon schlechte Erfahrungen mit Paparazzi gemacht hat. Der ehemalige Schauspieler sah sich eines Tages von Fotografen-Autos umringt, als er ganz einfach nur eines seiner Kinder von der Schule abholte.

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