Kaffeesiederball-Causa: Ex-Obmann Platzer hat laut Anwalt Geld entnommen

Rund um den Wiener Kaffeesiederball fehlen deutlich mehr als 150.000 Euro
Rund um den Wiener Kaffeesiederball fehlen deutlich mehr als 150.000 Euro - © VIENNA.at (Sujet)
Nicht die positivsten Schlagzeilen macht derzeit der Wiener Kaffeesiederball – wurde doch publik, dass ein beträchtlicher Betrag in der Ballkassa fehlt. Am Sonntag hat sich die Rechnungsprüferin des Organisationsvereins, Anna Karnitscher, zu Wort gemeldet.

Ihr zufolge hat der bisherige Vereinsobmann Maximilian Platzer das Geld entnommen, was auch dessen Anwalt Constantin Eschlböck bestätigte. Platzer will das Geld zurückzahlen.

Maximilian Platzer war 21 Jahre Vereinsobmann

Veranstaltet wird der bekannte Kaffeesiederball vom privaten Verein “Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer”. Diesem stand bis 17. Jänner dieses Jahres Platzer immerhin 21 Jahre lang vor. Karnitscher erzählte im Gespräch mit der APA, dass sie bei der Budgeterstellung für den heurigen Kaffeesiederball, der am vergangenen Freitag in der Hofburg gefeiert wurde, die Unregelmäßigkeiten entdeckte. Im Zuge ihrer Arbeit hatte sie nämlich Konteneinsicht: “Da sind mir Entnahmen aufgefallen, die ich mir erklären nicht konnte.”

“Er hat sich entschuldigt und bereut” – Rückzahlung folgt

Platzer sei der einzige Zeichnungsberechtigte gewesen. Dieser sei auf die Unregelmäßigkeiten angesprochen worden und geständig gewesen. “Er hat sich entschuldigt und bereut”, so Karnitscher. Das Geld habe er für sein Lokal gebraucht, sagte Platzers Anwalt Eschlböck der APA: “Er hat sich für den Ball sehr engagiert und sich dadurch nicht in dem Ausmaß um sein Lokal gekümmert wie es hätte sein sollen.” Dadurch seien finanzielle Probleme entstanden.

Mittlerweile hat die Klubleitung mit Platzer eine Rückzahlungsvereinbarung getroffen – die er laut Eschlböck “auch erfüllen wird”. Laut dem Juristen geht es um 165.000 Euro.

150.000 Euro – oder wie hoch die Schadenssumme wirklich?

Wobei – die genaue Schadenssumme scheint noch nicht geklärt zu sein: “Es steht noch nicht hundertprozentig fest, wie viel Kommerzialrat Platzer dem Verein schuldet”, so Karnitscher. Jene Summe, von der bisher in den Medien berichtet wurde, 150.000 Euro, sei jedenfalls falsch. Das versicherten sowohl die Rechnungsprüferin als auch Eschlböck. Laut Karnitscher bewegt sich der Betrag zwischen 160.000 und 200.000 Euro.

Die Wiener Wirtschaftskammer, die den Ball mit einer beträchtlichen Summe fördert, hat sich, nachdem sie von der Causa Wind bekommen hatte, eingeschaltet und eine externe Wirtschaftsprüfungskanzlei mit der Kontrolle beauftragt. Deren Gutachter ist laut Karnitscher auf eine höhere Fehlsumme gekommen. Diese wird aber sowohl vonseiten des Vereins als auch von Eschlböck angezweifelt.

Kaffeesiederball-Causa: Sachverhalt ist zu klären

Der Verein hat außerdem erst über die Medien erfahren, dass der Prüfbericht samt einer Sachverhaltsdarstellung übermittelt worden war. “Für uns war das sehr überraschend”, so Karnitscher. Eschlböck versicherte außerdem, dass sein Mandant Platzer alles tun werde, um mitzuhelfen, den Sachverhalt aufzuklären.

Als nächsten Schritt geht es für den Verein jedenfalls darum, sich rechtlich abzusichern, so Karnitscher, die derzeit interimistisch auch als stellvertretende Klubobfrau fungiert. Weiters werde eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um einen neuen Obmann zu küren. Karnitscher hat außerdem gemeinsam mit ihren Kolleginnen Christina Hummel und Nicole Hostik die Leitung des Balles von Platzer übernommen.

Auch 2017 gibt es einen Kaffeesiederball

Karnitscher versicherte im APA-Gespräch jedenfalls, dass die Klubfinanzen stabil seien – der Ball sei lukrativ und außerdem “sind die Sponsoren auf unserer Seite”. Daher soll der Kaffeesiederball auch künftig stattfinden. Der Termin für das nächste Mal steht bereits fest: 17. Februar 2017.

>>Kaffeesiederball 2016: 150.000 Euro aus der Ballkassa fehlen

(apa/red)

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