Kältewelle: Eisbrecher “MS Eisvogel” auf der Donau im Einsatz

Bei diesen Temperaturen sind die Dienste der "MS Eisvogel" gefragt.
Bei diesen Temperaturen sind die Dienste der "MS Eisvogel" gefragt. - © Wien Holding/Eva Kelety
Um die Wiener Donauhäfen bei Frost betriebsfähig zu halten, ist der Eisbrecher “MS Eisvogel” im Einsatz. Warum die Arbeit auf dem Schiff kein Zuckerschlecken ist und wie die “Eisvogel” ihre Mission erfüllt, erfahren Sie hier.

Seit Tagen ist es bitterkalt, auch untertags gibt es derzeit keine Spur von Plusgraden in Wien. Die Kältewelle hat auch die Hauptstadt voll erfasst und macht auch vor dem Hafen Wien nicht halt. Problematisch, denn bei diesen tiefen Temperaturen frieren die Hafenbecken sehr rasch zu. Genau dann kommt der Eisbrecher des Hafen Wien zum Einsatz und sorgt dafür, dass die Schifffahrtsrinnen in den Becken der Häfen Freudenau, Albern und Lobau eisfrei bleiben.

Als größter Donauhafen Österreichs und einer der wichtigsten Donauhäfen in Europa muss der Hafen Wien auch im Winter nicht nur für die Waren, die per Schiene und Lkw hier umgeschlagen werden, sondern auch für die Schifffahrt offen sein. Denn etwa ein Drittel der rund 1.100 Frachtschiffe, die pro Jahr im Hafen Wien abgefertigt werden, legen auch in den Wintermonaten hier an.

Dazu kommt auch die ganz besondere Rolle des Hafen Freudenau als Schutz- und Winterhafen. Fest vertaut liegen hier rund zwanzig Kreuzfahrtschiffe am Kai, um bis zum Frühling sicher zu überwintern. Regelmäßig muss deshalb die “MS Eisvogel” ausrücken, um das Eis zu brechen, damit der gefährliche Eisdruck nicht die Rümpfe der vor Anker liegenden Donau-Kreuzer beschädigt.

So befreit die “MS Eisvogel” die Donau vom Eis

Bei Temperaturen ab minus sechs Grad frieren die Fahrrinnen der Hafenbecken innerhalb eines Tages zu. Ab minus 15 Grad würde das Hafenbecken sogar innerhalb weniger Stunden zur riesigen Eisfläche mutieren. Doch mit Hilfe der “Eisvogel” bleiben die Rinnen offen und die Schiffe sicher.

80 Tonnen bringt der 32 Meter lange und sechseinhalb Meter breite Eisbrecher auf die Waage. Derzeit ist das Eis “nur” bis zu 15 Zentimeter dick. Kein Problem für die “Eisvogel”, die das Eis mit der Kraft ihres Buges bricht und die Schollen zur Seite schiebt. Bis zu zwölf Millimeter dicker Stahl schützt den Rumpf vor den scharfen, harten Eiskanten. Die 520 PS starken Dieselmotoren schieben den Koloss im Schritttempo Meter um Meter voran.

Wird das Eis noch dicker, dann kann die “Eisvogel” zusätzlich noch etwa 30 Tonnen an Wasserballast aufnehmen. Das Schiff hievt sich dann auf die Eisplatte und bricht sie mit seinem Gewicht in Stücke. “Bis zu 60 Zentimeter dickes Eis können wir so brechen”, erklärt Kapitän Wolfgang Steindl. Zuletzt war das im Jahr 1985 der Fall, bei tagelanger Kälte mit bis zu minus 20 Grad. “Dann vibriert im Kampf gegen die Eismassen der ganze Schiffskörper, Heckwasser schäumt auf und laut knirschend bricht das Eis in Stücke”, so Steindl.

Schwerstarbeit auf der “MS Eisvogel”

Bis zu zwei Stunden werden bei einer 15 Zentimeter dicken Eisschicht benötigt, um eine Fahrrinne in den drei Wiener Häfen (Hafen Albern, Hafen Freudenau und Ölhafen Lobau) zu brechen. Fünf Mann Besatzung arbeiten auf der “Eisvogel”: Ein Kapitän, ein Maschinist, ein Steuermann und zwei Männer an Deck. Der Job ist kein einfacher. Fitnesstraining im Winter braucht die Besatzung nicht, denn die “MS Eisvogel” auf Kurs zu halten, bedeutet Schwerarbeit. Das Eis hält dagegen und drängt das Schiff immer wieder ab. Wer am Ruder steht, braucht jede Menge Muskelkraft, aber auch das notwendige Fingerspitzengefühl, vor allem dann, wenn der Eisbrecher nah an die Kaimauer heranmanövriert wird.

Der Eisbrecher des Hafens Wien hat aber nicht nur im Winter alle Hände voll zu tun. Auch in der warmen Jahreszeit ist der Koloss nicht auf Sommerfrische. Er macht auf den Donauwellen das ganze Jahr über eine gute Figur. Etwa bei den Besichtigungsfahrten durch die Hafenbecken. Oder er hilft havarierten Schiffen aus ihrer misslichen Lage. Denn die “Eisvogel” ist auch als Bergeschiff im Einsatz.

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